Was taugt der Dental-Discounter?

by

RTL berichtet, genauso wie business-wissen.de oder das Hamburger Abendblatt – McZahn: Qualität zum kleinen Preis?

Mit einer Discount-Strategie sollten deutsche Zahnärzte unter Druck gesetzt werden. Jetzt wurden die ehrgeizigen Ziele des Franchise-Konzepts der Billigzahn-Kette nach unten geschraubt. Kritiker beklagen die mangelnde Qualität der Materialien für Zahnersatz. Globalisierung kennt keine Grenzen, auch nicht in der Gesundheitsbranche. Schon lange lassen sich viele Bürger westeuropäischer Staaten in Osteuropa ärztlich behandeln. Das Argument ist immer das gleiche: Gleiche Leistung für weniger Geld. Ob Schönheitsoperation oder Zahnersatz, die Kollegen aus Polen, Tschechien oder anderen aufstrebenden EU-Staaten machen der hiesigen Ärzteschaft zunehmend Konkurrenz. Dass auch Inlays, Kronen und Brücken sich in Niedriglohnländern besonders preiswert herstellen lassen, hatte vor einiger Zeit auch Werner Brandenbusch erkannt und daraus ein Geschäftskonzept entwickelt. Mit “Zahnersatz zum Nulltarif” wollte und will er seine Zahndiscount-Kette McZahn auf dem deutschen Markt positionieren und die eingesessenen Zahnärzte mächtig unter Druck setzen. Der Grund: Sämtlicher für McZahn hergestellter Zahnersatz wird in China zu Dumping-Preisen gefertigt. 

Discount-Strategie ohne Biss

Was waren das für Ankündigungen: Bis 2009 sollte in Deutschland ein Konzern mit 400 Praxen auf Franchise-Basis entstehen. Der Billigzahnarzt hatte große Pläne. Jetzt musste Gründer und Vorstandssprecher Brandenbusch jüngst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eingestehen:”Das werden wir in dieser Größenordnung voraussichtlich nicht schaffen. “Die Zahl der geplanten Praxen wurde auf 300 nach unten revidiert. Gerade mal zwei Discount-Zahnarztpraxen in Deutschland sind bisher entstanden. Trotz großer Versprechungen wie Zuzahlungsfreiheit scheint das Konzept nicht aufzugehen. Das hat Gründe, die, wie im aktuellen Fall, auch auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden. Was steckt dahinter? Nachdem ein McZahn-Zahnarzt mit der Zentrale in Streit geraten war, mussten einige Patienten lange auf ihren in Fernost gefertigten Zahnersatz warten. Der Grund: McZahn hielt die entsprechenden Ersatzpräparate einfach zurück, die Patienten waren so auf Provisorien angewiesen. Aufgrund des Vorfalls dürften sich die Chancen des Unternehmens aus dem niederrheinischen Willich, neue Praxen eröffnen zu dürfen, verschlechtern. In der Tat hat der Zulassungsausschuss der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein bereits reagiert. Am 26. März versagte er die Genehmigungen für die drei geplanten Standorte Krefeld-Uerdingen, Düsseldorf und Köln. Diese Meldung läuft derzeit über den webseiteneigenen News-Ticker von McZahn. Werner Brandenbusch kritisiert gegenüber Spiegel Online:”Es entsteht der Eindruck der rücksichtslosen Standespolitik. “Doch sein Konzept verliert zunehmend auch bei den Krankenkassen, die ein Mehr an Wettbewerb eigentlich grundsätzlich begrüßen, an Unterstützung. Sie sind der Ansicht, dass ein Streit keinesfalls auf dem Rücken der Kunden beziehungsweise Patienten ausgetragen werden dürfe. 

Fertigt China in gleicher Qualität?

Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, Präsident der Bundeszahnärztekammer, sieht sich durch diesen Vorfall bestätigt: “Wir haben unsere Skepsis gegen das ‚Billig’-Modell von McZahn bereits zum Start des Unternehmens geäußert und sehen an diesem Beispiel, dass diese Befürchtungen wohl berechtigt waren. Qualität und Verlässlichkeit hatten und haben ihren Preis. “Stichwort Verlässlichkeit: Wer wirklich glaubt, McZahn biete Zahnersatzleistungen “zum Nulltarif”, dem sei ein Blick ins Kleingedruckte geraten. Das Unternehmen bezieht sich dabei nämlich in einer Fußnote auf die Regelleistungen und damit auf die Basisleistungen der Krankenkassen. So fallen darunter etwa nur Kronen oder Brücken aus unedlem Metall oder eine Totalprothese. Alles, was über diese Behandlungen hinausgeht, also etwa Edelmetallkronen oder Keramikinlays, muss auch hier weiterhin vom Patienten berappt werden. Zudem sind Fachleute bezüglich der Qualität der hergestellten Ersatzpräparate skeptisch, McZahn hingegen verspricht auf seiner Webseite Materialien “höchster Qualität”. Gerade in der fehlenden Zusammenarbeit von Zahnarzt und Techniker “am Stuhl” sehen Skeptiker auch Gefahren. Der Grund: Zahnersatz herzustellen ist kein statischer Prozess. Eine Brücke oder Krone lässt sich nicht wie beispielsweise in der Fertigungsindustrie am Fließband herstellen. Es reicht nicht aus, einfach einen Abdruck eines Gebisses zu nehmen und daraus eine Prothese zu fertigen. Dazu gehören auch Arbeitsschritte wie Anproben und Absprachen mit dem Arzt. Ein weiterer Vorwurf: Die hergestellten Abdrücke wären beim Transport von China nach Deutschland im Flugzeug Temperaturschwankungen unterworfen und könnten so ihre Form verändern. Eine unangenehme Überraschung für die Patienten, deren Zahnersatz nachher schlecht sitze. Und auch deutsche Dentallabore prangern die Güte der Prothetik aus China an. McZahn hat darauf reagiert und ging ein Forschungsprojekt mit der Universität Köln ein. Das Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde kontrolliert nun fortlaufend die einwandfreie Qualität der künstlichen Zähne. Stichproben und Qualitätsgutachten werden erstellt. Ob das ausreichen wird, die Kritiker zu überzeugen? Sie werfen als Argument zudem in die Wagschale, dass die chinesischen Zahnersatzproduzenten nicht flexibel genug auf die individuellen Wünsche der Kunden aus Europa eingehen könnten. Dies beträfe vor allem die Ästhetik, die bei den Vorderzähnen eine große Rolle spiele und die McZahn so nicht garantieren könne. Bei Backenzähnen würden die Chinesen jedoch durchaus gute Arbeit abliefern. Neben der Qualität spielt auch das System an sich eine diskussionswürdige Rolle. Die Bundeszahnärztekammer beklagt den Franchise-Charakter von McZahn. Sie äußert Bedenken, dies würde der Berufsordnung für Zahnärzte, wonach diese unabhängig und eigenverantwortlich entscheiden, zuwiderlaufen können. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Kammer gibt zu bedenken: “Treten Mängel auf, dürfte es für den Zahnarzt – und der ist allein verantwortlich für alle Leistungen am Patienten – schwierig werden, Nachforderungen in China durchzusetzen.”

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s


%d bloggers like this: