Archive for September 4th, 2007

ZMK-Leitliniendiskussion

September 4, 2007

es gärt im Volke – wir berichteten – viele Zahnärzte sind auch nicht mehr bereit, alles nur noch zu schlucken, was von “oben” serviert wird, zumal die Verordnungen und Gesetze oft so hanebüchen sind, dass man nur den Kopf schütteln muss.

Eine Gruppe engagierter Zahnärzte hat sich nun auf den Weg gemacht, die ZMK-Leitlinien auf den Kopf zu stellen, und wir schließen uns dieser Initiative gerne an und wollen sie auch hier unterstützen:

ZMK-Leitliniendiskussion:


Auch die neuesten “Wissenschaftlichen Stellungnahmen” der DGZMK (www.dgzmk.de) sind nach wie vor nur Leitlinien auf dem niedrigsten Evidenzniveau, d.h. Meinungen einzelner Spezialisten, die nur sporadisch durch unsystematisch ermittelte, ausgewählte Literaturstellen belegt werden. Im Ergebnis bestätigen die “Wissenschaftlichen Stellungnahmen” der DGZMK in der Regel nur die Behandlungsprotokolle ihrer Autoren und diskreditieren andere. Eine Konsensbildung unter allen von Leitlinien Betroffenen wird in den “Wissenschaftlichen Stellungnahmen” – entgegen den Forderungen an einen modernen Leitlinienprozeß – nicht einmal erwogen. Die “Wissenschaftlichen Stellungnahmen” der DGZMK sind damit heute inhaltlich und formal inakzeptabel.

Während der letzten zwei Jahre wurden mehrfach Versuche unternommen, innerhalb der DGZMK mit substantieller Kritik an einzelnen “Wissenschaftlichen Stellungnahmen” Gehör zu finden. Trotz grundsätzlicher Zustimmung aus der DGZMK ist es nicht zu einer Korrektur einseitiger, fragwürdiger Stellungnahmen gekommen.

Den “Wissenschaftlichen Stellungnahmen” kommt andererseits – auch nach eigenem Bekunden der DGZMK – immer größere Bedeutung in juristischen Auseinandersetzungen zu. Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen (Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄndG) und GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz(GKV-WSG)) besteht darüberhinaus die Gefahr, dass auf der Basis solcher, auf niedrigstem Evidenzniveau erstellten “Wissenschaftlichen Stellungnahmen” Gruppenverträge zwischen Versicherungsgebern und interessierten Zahnärztegruppen abgeschlossen werden.

Es ist daher an der Zeit, evidenzbasiert in einem internetgestützten, offenen, nachvollziehbaren, konsensorientierten Prozeß aller fachlich Betroffenen Leitlinen für die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde zu erarbeiten, die heutigen Ansprüchen an Leitlinien genügen können.

Für die Entwicklung der Leitlinien stellt das Internet die sinnvollste Plattform dar (www.zmk-leitlinien.de), die verteiltes Arbeiten und die Teilnahme möglichst vieler Experten aus Praxis und Wissenschaft möglich macht.

Dabei soll sich, sofern möglich, weitgehend an der “Leitlinie für Leitlinien” der AWMF orientiert werden (“Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen, Medizinischen Fachgesellschaften”, Stand Dez. 2004) sowie an der Literaturarbeit der Cochrane-Gesellschaft (http://www.cochrane.de).

Im Gegensatz zur DGZMK wird uns die Qualität der Leitlinien vor deren Quantität gehen. Das wird vermutlich bedeuten, dass sich zunächst nur einzelne Leitlinien exemplarisch ausarbeiten lassen werden. Wir halten das für ausreichend, um deutlich zu machen, wo im Vergleich die Schwächen der DGZMK-Stellungnahmen liegen. Wir hoffen, auf diese Weise die Fachöffentlichkeit wie die allgemeine Öffentlichkeit vor der unkritischen Annahme der “Wissenschaftlichen Stellungnahmen” der DGZMK zu warnen. Wir hoffen weiterhin, damit auch längst überfällige innere Reformen der DGZMK anstoßen zu können. Wir erinnern daran, dass es für die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bereits drei Leitlinien gibt, die im Verfahren der AWMF und nicht mehr dem der DGZMK erstellt worden sind.

Auch und gerade die bisherigen Autoren der “Wissenschaftlichen Stellungnahmen” sind hiermit zur gemeinsamen Leitlinienerarbeitung eingeladen. (…)

Zahngolddiebstahl keine Störung der Totenruhe…

September 4, 2007

am Montag, 3. September 2007 berichtet ntv vom Zahngolddiebstahl

Zahngold von Toten verkauft
Angeklagte freigesprochen

Drei Beschäftigte eines Krematoriums im fränkischen Hof haben das Zahngold Toter verkauft – und gehen straffrei aus.
 
Sie hatten in den vergangenen zwei Jahren in 600 Fällen Zahngold verbrannter Leichen entnommen und für insgesamt rund 50.000 Euro verkauft. “Es ist nicht alles strafbar, was unanständig und anstößig ist”, sagte Amtsrichter Klaus Labandowsky in der Urteilsbegründung. Er sprach die Angeklagten im Alter von 49, 51 und 53 Jahren vom Vorwurf der Störung der Totenruhe frei; die Stadt Hof hatte sie aber fristlos entlassen, nachdem die Taten bekannt wurden.
 
Nach Auffassung des Richters deutet der Fall auf eine Gesetzeslücke hin. Die Verbrennung von Leichen sei ein “kühler und mechanischer Massenvorgang”; das Zahngold herauszunehmen habe “keinen beschimpfenden Unfugcharakter”. Auch die Verwertung des Zahngoldes sei nicht strafbar. Juristisch sei eine Leiche keine Sache und deswegen liege auch kein Diebstahl vor. Während des Prozesses wurde bekannt, dass auch die Stadt Hof Hüftgelenke und andere Metallgegenstände von verbrannten Leichen verwertete. Strafrechtlich liege der Fall in einer Grauzone, sagte Labandowsky.