Archive for November 9th, 2007

Zahnärzte auf Hausbesuch

November 9, 2007

Mit Spiegel, Pinzette und Tupfer ist die mobile Zahnarztpraxis unterwegs

Ein Zahnarzt auf Usedom kümmert sich um die Zahngesundheit von alten Menschen – davon berichtet die Ärztezeitung

HERINGSDORF (ddp). Bevor Hartmut Beitz seinem Beruf nachgehen kann, ist er erst einmal als Zuhörer gefragt. Patientin Margarete Skroblies zeigt dem Zahnarzt Schwarz-Weiß-Fotos, auf denen die jetzt 86-Jährige als junges Mädchen zu sehen ist. Erst dann sind die Zähne dran.

 

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Zahnarzt Hartmut Beitz untersucht im Seniorenzentrum “Stella Maris” eine 85-jährige Patientin.

Foto: ddp

An diesem Tag geht der Zahnarzt aus Heringsdorf auf der Insel Usedom seinem Beruf in ungewöhnlicher Umgebung nach. Mehrmals im Jahr kommt Beitz – ausgestattet mit den nötigsten Utensilien und in Begleitung einer Sprechstundenhilfe – zu seinen Patienten ins Heringsdorfer Seniorenzentrum Stella Maris. Das Zimmer eines Heimbewohners funktioniert er dann für einige Stunden zum provisorischen Behandlungszimmer um. Ein gewöhnlicher Stuhl dient als Behandlungsstuhl, die Leselampe als Lichtquelle. Auf einem Tisch liegen ordentlich sortiert Spiegel, Sonden, Pinzetten und Tupfer.

“Wunderdinge kann ich hier nicht vollbringen”, stellt der Zahnarzt klar. Eingriffe wie das Einsetzen von Füllungen erfolgen nach wie vor in der nahen Praxis. Bei seinen Sprechstunden im Heim schaut Beitz vor allem nach dem Rechten. So reinigt er an diesem Tag den Zahnersatz von Margarete Skroblies mit Hilfe eines Ultraschallgeräts und entfernt den Zahnstein an ihren “richtigen” Zähnen. Schwester Doris warnt die Patientin, als der Doktor auf die gefüllte Spritze drückt: “Nicht erschrecken, jetzt kommt ein bisschen Wasserstoff.” Die Rentnerin nimmt das Prozedere mit Humor. “Machen Sie mich mal ein bisschen schön”, sagt sie.

Doch um Schönheit geht es Beitz nicht vorrangig. Vielmehr stattet er der Seniorenresidenz regelmäßig einen Besuch ab, weil ansonsten ein Teil der Bewohner einen Zahnarzt nur noch bei Notfällen zu Gesicht bekäme. Beitz gehört zu einer Hand voll von Zahnärzten in Mecklenburg-Vorpommern, die im Ausschuss für Alterszahnheilkunde und Behindertenbehandlung der Zahnärztekammer arbeiten. Das Ziel: die Zahn- und Mundgesundheit dieser Menschen zu verbessern. Denn Menschen, die bettlägerig oder aber an Demenz erkrankt sind, können selbst in Begleitung nicht mehr in seine Praxis kommen. Andere wiederum meiden den Gang, etwa aus Angst vor den Kosten. Dass nach wie vor für zwei Vorsorge-Untersuchungen im Jahr und für das einmalige Entfernen von Zahnstein keine Praxisgebühr gezahlt werden muss und auch einige Füllungen und Prothesen zu den Kassenleistungen zählen, wissen viele nicht, sagt Beitz.

“Einige Bewohner sorgen sich, für einen Zahnarztbesuch ihr zumeist karges Taschengeld antasten zu müssen”, berichtet auch Brigitte Böhnstedt, Pflegedienstleiterin des Stella Maris. Aus Erfahrung weiß sie, wie wichtig es ist, dass ältere Menschen gut kauen können. Dadurch könne anderen gesundheitlichen Einschränkungen wie Untergewicht vorgebeugt werden. “Bei vielen Bewohnern kämpfen wir um jedes Gramm”, sagt Böhnstedt. Probleme mit den Zähnen minderten jedoch nicht selten den Appetit. “Da sitzt das Gebiss nicht richtig und drückt, aber gesagt wird erst mal nichts”, berichtet Böhnstedt.Zum Abschied sagt Margarete Skroblies einen Satz, den ein Zahnarzt eher selten hört: “Ich freue mich schon auf den nächsten Termin.” (Quell: Nachrichten-CH)

DGZMK überarbeitet umstrittene Kofferdam-Leitlinie

November 9, 2007

BVAZ: „Ein erster Schritt in die richtige Richtung“

Nur dem hartnäckigen Nachfassen des Berufsverbandes der Allgemeinzahnärzte
in Deutschland BVAZ ist es zu verdanken, dass die Deutsche Gesellschaft für
Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde DGZMK einen ersten Schritt in die richtige
Richtung gemacht hat: Von der zahnärztlichen Öffentlichkeit unbemerkt hat
sie den unseligen Text ihrer Leitlinie „Good clinical practice“ entschärft.
Aus dem Passus „eine Kofferdamisolierung hat bei jeder Sitzung einer
Wurzelkanalbehandlung zu erfolgen“, wurde „…soll…erfolgen“.

„Wir geben uns damit nicht zufrieden“

„Das ist zweifellos ein erster Schritt in die richtige Richtung“, so
BVAZ-Präsident Günter Kau, „Wer aber glaubt, dass sich der BVAZ damit
zufrieden gibt, wird sich nachhaltig getäuscht sehen.“

In einem schnellen nächsten Schritt müsse der Passus „bei jedem Schritt der
Behandlung“ vollständig gestrichen werden. „Dies ist aus medizinischer
Sicht Unsinn, was von der DGZMK selbst in einer weiteren Stellungnahme
bestätigt wird“, bekräftigte Kau die Entschlossenheit der
Allgemeinzahnärzte, sich unter dem Deckmäntelchen „Wissenschaft“ keine
nicht indikationsgerechten Spezialistenprotokolle vorschreiben zu lassen.

Mit den Worten: „Der BVAZ wird nicht Ruhe geben, ehe auch die widersinnige
Leitlinie zum frakturierten endodontischen Instrument zurückgezogen und das
Wort „Standard“, das nach wissenschaftlichem Konsens nichts in Leitlinien
zu suchen hat, bezüglich der Verwendung von Kofferdam aus allen
Verlautbarungen der DGZMK getilgt ist“, ermunterte Kau alle
Allgemeinzahnärzte, in ihrem Widerstand nicht nachzulassen.

Hintergrund

Am Streit um die Worte „soll erfolgen“ vs. „hat zu erfolgen“ hatte sich in
der Zahnärzteschaft im Februar 2006 ein Streit um die mangelhafte
Wissenschaftlichkeit der Leitlinien der wissenschaftlichen Dachorganisation
DGZMK und um den Einfluss der in ihr zusammengeschlossenen
Fachgesellschaften entzündet. Der BVAZ wehrt sich dagegen, dass
Fachgesellschaften Leitlinien missbrauchen, um Standards zu setzen, die
dann angeblich nur noch von Fachzahnärzten oder teuer fortbildeten
„Spezialisten“ eingehalten werden können.