Archive for December, 2007

Schadensersatz bei Zahnersatz trotz bekannter Allergie

December 23, 2007

aus einem Urteil des Oberlandgerichts Oldenburg 

Ist einem Zahnarzt bekannt, dass eine Patientin unter einer PalladiumAllergie leidet und setzt er gleichwohl Brücken mit einer Edelmetalllegierung ein,die 36,4 % Palladium enthält, so liegt ein grober Behandlungsfehler vor.

Hauptaussagen:
1. Liegen keine konkreten Anhaltspunkte für etwaige Unverträglichkeiten
vor, so besteht für den Zahnarzt keine Verpflichtung zur Durchführung von
Allergietests vor dem Einbringen von Zahnersatz.

2. Dass es bei einer implantatgetragenen Zahnersatzkonstruktion zu galvanischen
Strömungen geringster Stärke im Mund kommt, stellt keinen Behandlungsfehler dar,
sondern ist regelmäßige Folge der notwendigen Verwendung unterschiedlicher Metalle,
ohne dass hiermit medizinisch relevante Auswirkungen verbunden währen.

Stalkerati oder Googlability

December 22, 2007

Google und Bewerbungen: Spuren währen ewig – berichtet die Süddeutsche

Beinahe alles aus dem realen Leben kann Spuren im Internet hinterlassen. Diese Informationen lassen sich auch von anderen einsehen. Bei Bewerbungen wird das schnell zum Problem. Die ewig existentielle Frage “Wer bin ich?” lässt sich in Zeiten des Internets vergleichsweise einfach beantworten. Man gibt nur seinen Namen in eine der neuen, raffinierten Suchmaschinen wie Maltego oder Stalkerati ein und sieht sein (Netz-)Leben vor sich ausgebreitet. Von den einstigen Klassenkameraden, den Sportvereinen, in denen man aktiv war, dem Freundeskreis und den Fotos von der letzten Party bis zum kompletten Lebenslauf mit Arbeitgebern, beinahe alles aus dem realen Leben, kann auch Spuren im Internet hinterlassen und von entsprechenden Softwareprogrammen zusammengestellt werden. Und diese Spuren, verdichtet zur Netzidentität, lassen sich auch von anderen lesen. So lässt sich auch fragen, “Wer bist Du?” und “Wer ist dieser Bewerber für eine Stelle?”

Der Bundesverband Deutscher Unternehmer (BDU) hat Ende Oktober eine Untersuchung unter Personalberatern durchgeführt. Demnach haben schon 57 Prozent der Personaler nach Internetrecherchen einen Jobaspiranten von der Kandidatenliste gestrichen. Das Internet-Image spielt vor allem in Berufs- und Karrierefragen eine immer größere Rolle. Gerade bei der ersten Kontaktaufnahme des Stellensuchers mit einem Unternehmen verlassen sich die Personalabteilungen kaum mehr allein auf die Angaben und Selbstzeugnisse eines Bewerbers.

Katalogisierung des Lebens

Die Personalabteilungen der Unternehmen werfen immer häufiger ihre Netze im Netz aus: 76 Prozent der Branche meldet, das Internet mit dem Blick auf die Vergangenheit ihrer Bewerbern zu durchfischen. Wie bei einem Geheimdienst ergeben sich so Profile von Menschen, Zweit-Identitäten, die mindestens über das Berufs-Leben bestimmen können.

Da gibt es Abrechnungen mit dem alten Arbeitgeber, Aussagen über extreme politische Ansichten oder Videoclips von erotischen Abenteuern, nichts ist zu böswillig, verirrt oder peinlich, als dass es Menschen im Internet nicht veröffentlichten. Aber das sind vergleichsweise eindeutige Fälle und die Fahrlässigkeit, die sich in diesen freiwilligen und absichtlichen Offenbarung zeigt, ist durchaus als Selbstzeugnis zu lesen. Es sind vielleicht tatsächlich nicht die besten Kandidaten, die ein Personalberater aufgrund einer solchen Netzrecherche wieder wegschickt.Aber auch nur ein missglücktes Projekt oder abfällige Kommentare von Kollegen oder Kunden können ungeachtet ihres Wahrheitsgehalts noch Jahre später Karrieren erheblich beeinträchtigen. Neue Suchmaschinen sind inzwischen sogar in der Lage, per Spracherkennung Videos und Podcasts nach Stichwörtern zu durchforsten. Sogar ein Schlagwortverzeichnis einzelner Filme lässt sich daraus erstellen.

Schon ein dahingesagter Name in einem der oft so privaten wie peinlichen YouTube-Videos kann so gehörigen Schaden anrichten. Wer wollte schon bei seinem Auftritt auf einer Party so genau von seinem Chef beobachtet werden – Big Brother is watching you wird zur ganz unmetaphorischen Realität. Das Private löst sich in der via Internet-Suchmaschine vollzogenen Durchkatalogisierung des Lebens auf. Die Stichwortsuche ist der Schlüssel zur Persönlichkeitserkundung des anderen.

Googlability nennt man den virtuellen Leumund, der durch die freiwillig oder unfreiwillig transparenten Lebensläufe entsteht. Und die Bedeutung der Netz-Images wächst. Laut der BDU-Umfrage gaben 2006 nur 34 Prozent der Personaler an, sich von Interneteinträgen in der Personalauswahl beeinträchtigt geworden zu sein, in diesem Jahr waren es schon 23 Prozent mehr. Zum Drama der gebrochenen Biographie fügt sich das Drama der virtuellen. Der Netz-Image-Coach empfiehlt ganz explizit, im Internet überwiegend positive Aussagen zu formulieren und mit Kritik “äußerst sparsam” umzugehen. Wähnt sich der User dagegen im Internet-Reich des Privaten, sinkt die Hemmschwelle, sich zu offenbaren beträchtlich.

Im Netz steht der professionellen Gefälligkeitskultur für die Karriere ein umso extremeres Ausleben eher abgründigerer Neigungen gegenüber. Die sich verbessernde Fahndungssoftware bringt die aufgespalteten Persönlichkeiten wieder zusammen. Die existentiellen Fragen stellen sich neu.

Ein weiterer Text dazu im Zahnteufel-Blog

Mum is santa

December 22, 2007

für alle, die sich an “etwas” anderen Weihnachtsgrüßen erfreuen

Niedergelassene kompensieren Krankenhaus-Ärztemangel

December 22, 2007

berichtet das Dentjournal über den Ärztenotstand im Singener Krankenhaus

Zahnärztekammer Berlin: Verwaltungsgericht fordert Neuwahlen

December 20, 2007

Zahnärztekammer Berlin: Verwaltungsgericht fordert Neuwahlen aus formaljuristischen Gründen

„Wir müssen nun zunächst die schriftliche Urteilsbegründung  des
Berliner Verwaltungsgerichtes abwarten. Unabhängig vom Ergebnis der
Prüfung des Urteils auf die mögliche Einlegung von Rechtsmitteln ist
dies ein dunkler Tag für die Berliner Zahnärzte, für die zahnärztliche
Selbstverwaltung und auch für den Einsatz des Vorstandes für die
Interessen aller Berliner Zahnärzte“, so kommentierten Dr. Wolfgang
Schmiedel, Präsident der Zahnärztekammer Berlin, und sein Vorstand die
heutige Verhandlung vor dem Berliner Verwaltungsgericht zum Thema
Anfechtung der Kammerwahl 2006.

In der Verhandlung ließ das Gericht erkennen, dass die Wahlauszählung
im& nbsp;Jahr 2006 aus rein formaljuristischen Gründen zu beanstanden sei
und deshalb aus seiner Sicht Neuwahlen durchzuführen seien.
Gleichzeitig hat das Gericht aber auch ausdrücklich festgestellt, dass
es keinerlei Manipulationen bei der Auszählung der Stimmzettel gab.

Sollte das Gericht tatsächlich Neuwahlen anordnen, würde damit  dem
Begehren von fünf Zahnärzten aus Oppositionsgruppierungen der
Delegiertenversammlung der Berliner Zahnärztekammer, dem Parlament der
Berliner Zahnärzte, entsprochen. Diese fünf Zahnärzte hatten vor dem
Verwaltungsgericht Berlin Neuwahlen gefordert, weil ca. 70 Wahlbriefe&n bsp;
mit ausgezählt worden waren, die erst am ersten Werktag nach Ablauf der
Wahlfrist der Geschäftsstelle des Wahlausschusses zugestellt wurden –
abgeschickt wurden diese Wahlbriefe allerdings
nachweislich noch innerhalb des Wahlzeitraumes.

Nach Auffassung des amtierenden Vorstandes ist dieses seit Jahrzehnten
praktizierte Auszählungsverfahren auch wählerfreundlich, denn so
werden möglichst viele noch im Wahlzeitraum zur Post gegebene
Stimmzettel mitgezählt, und die größere Anzahl der Wählerstimmen
ermöglicht die Erfassung eines noch genaueren Wählerwillens. Außerdem
entspricht diese Vorgehensweise den allgemein gültigen gesetzlichen
Regelun gen zur Berücksichtigung von nach dem Fristende von der Post
zugestellten Briefsendungen, wenn das Fristende auf einen Sonnabend,
Sonn- oder Feiertag fällt.

Dr. Schmiedel: „Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens bedauern wir
sehr, dass es überhaupt zu einer solchen Klage kam und dass keine
Einigung im Vorfeld erzielt werden konnte. Die Beschlüsse, die der
unabhängige Wahlausschuss, und nicht etwa der Vorstand der
Zahnärztekammer, im Jahre 2006 fällte, waren einstimmig, und im
weisungsfreien Wahlausschuss waren auch Vertreter der
Oppositions-Gruppierungen vertreten!“

Zunächst wird&nbsp ;die Berliner Zahnärztekammer nun die schriftliche
Urteilsbegründung abwarten. „So wie es das Recht der Kläger war, die
Wahlauszählungen überprüfen zu lassen, ist es auch das gute Recht des
Vorstandes der Zahnärztekammer Berlin, dieses Urteil nach Vorliegen der
schriftlichen Urteilsbegründung auf die Einlegung etwaiger
Rechtsmittel überprüfen zu lassen.“

Die Kläger hatten den Vorschlag des Gerichtes abgelehnt, auf die
Anordnung von Neuwahlen zu verzichten, wenn die Zahnärztekammer die
Kosten des Verfahrens insgesamt trägt.

Bis zur rechtskräftigen Entscheidung bleibt der jetzt amtierende
Vorstand nach der Hauptsatzung der Zahnärztekammer Berlin im Amt.

6000 Euro Schmerzensgeld für drückendes Gebiss

December 19, 2007

das Dentjournal-Blog hat die 6000-Euro-Prothese bereits vorgestellt. Wir haben noch weitere Quellen aufgetan. Man muss sich die Begründung auf der Zunge zergehen lassen: der Zahnarzt “schulde” den Erfolg!

 Zahnarzt muss Patientin Schmerzensgeld zahlen –

berichtet der SWR

Ein Zahnarzt muss seiner Patientin ein Schmerzensgeld in Höhe von 6.000 Euro zahlen, weil er ihre Zahnprothesen nicht richtig angefertigt hat. Das hat das Oberlandesgericht entschieden.

Die Frau hatte bei dem Zahnarzt Ober- und Unterkiefer mit herausnehmbaren Teilprothesen versorgen lassen. Doch nach Auffassung des Gerichts war das Ergebnis der Arbeit fehlerhaft: Die Kronen hatten den Angaben zufolge überstehende Ränder und die Prothesen saßen zu locker. Dadurch hatte die Klägerin Schmerzen sowie Sprach-, Beiß- und Kauprobleme.

Ein Zahnarzt schulde bei der Versorgung eines Patienten mit Prothesen nicht nur die Behandlung als solche, sondern auch einen “Erfolg”, begründeten die Richter ihr Urteil.

der Realitätsbeauftragte

December 18, 2007

angeblich hat die katholische Kirche nun einen Realitätsbeauftragten eingestellt

Habilitationskriege Part II: Nach 25 Jahren (Krieg?) endlich habilitiert

December 18, 2007

Eine Frage der akademischen Ehre  – so beschreibt  Hermann Horstkotte in Spiegel online den vierteljahrhundertlichen Kampf eines Mediziners gegen die Uni Münster:

25 Jahre lang prozessierte der Mediziner Walter Laabs gegen die Uni Münster, um habilitiert zu werden – pünktlich mit Erreichen der Pensionsgrenze ist es ihm gelungen. Was er nun davon hat: eine späte Genugtuung. Eine schmucke Urkunde. Und garantiert keine Professur.

Walter Laabs war immer ein Außenseiter, er mochte sich nicht wie seine Kollegen in den Münsteraner Unikliniken vom Assistenz- bis zum Oberarzt hochdienen. Auf akademische Meriten wollte der streitbare Arzt dennoch nicht verzichten – er strebte den Professorentitel und die Ernennung zum Hochschullehrer für Chirurgie an. Zu diesem Zweck reichte Laabs, medizinischer Direktor des Rehazentrums Wilhelmshaven, bereits 1981 eine “experimentelle Studie am Großtier” über Knochenheilung als Qualifikationsschrift ein.

Hart erstrittenes Schriftstück: De Habilitationsurkunde von Laabs

Hart erstrittenes Schriftstück: Díe Habilitationsurkunde von Laabs

Was dann passierte, ist skurril und ein ganz eigenes Stück Hochschulgeschichte. Ein sattes Vierteljahrhundert lang ersann die medizinische Fakultät der Universität Münster immer neue Tricks, um die Habilitation von Laabs zu durchkreuzen – zunächst offiziell aus Qualitätsgründen, dann trotz Nachbesserungen immer wieder. Seit 1977 machte die Fakultät die Habilitation von Externen, also von Ärzten, die außerhalb der Münsteraner Uni arbeiteten, formell davon abhängig, ob diese “erwünscht” seien oder eben “kein Bedarf” bestehe.Der eigenwilligen Idee vom geschlossenen Club schoben aber Richter des Verwaltungsgerichts Münster einen Riegel vor. Sie hoben das erste Njet der Fakultät und viele weitere Neins immer wieder auf und erklärten die Anforderungen für erfüllt.

Indes fand die Fakultät reichlich Kniffe, um das Verfahren zu verzögern. So ließen die Mitglieder des Habilitationsausschusses den Kollegen im Mai 2004 in der mündlichen Prüfung durchrasseln. Der Kandidat sei nicht auf dem neuesten Wissensstand, seine Ausführungen beruhten auf Erkenntnissen aus den frühen achtziger Jahren – nicht direkt überraschend nach der Verschleppung über 23 Jahre.

Habilitation durch Gerichtsbeschluss

Die Richter gaben abermals Laabs Recht und verpflichteten die Fakultät, endlich die Prüfungsurkunde auszustellen. In einer Urteilsbegründung von Ende 2004 sparten sie nicht an deutlichen Worten: Der Habilitierungsausschuss habe das Verfahren “in rechtswidriger Weise” fast ein Vierteljahrhundert hinausgezögert und Laabs so die Möglichkeiten beruflichen Fortkommens vorenthalten (Aktenzeichen: 10 K 871/02).

Erstmals in der deutschen Hochschulgeschichte wurde damit eine Habilitationsschrift allein durch Gerichtsbeschluss angenommen.

Die Urkunde stellte Dekan Heribert Jürgens schließlich Anfang Februar, vier Tage vor dem Urteil im Berufungsverfahren, aus. Laabs ist inzwischen 65 Jahre alt und pensioniert. Am Ende hat er sein Ziel also formell erreicht. Nach rund einem Dutzend Prozesse hält der Mediziner die ersehnte Urkunde in der Hand – anfangen kann er mit dem neu erworbenen Titel aber nicht mehr allzu viel.

Die Beton-Fakultät knickte wohl aus Angst vor möglichen Schadenersatzforderungen des Habilitanden ein, wegen der torpedierten Karriere als Uniprofessor. Sie bestand aber auf einer Kompromissvereinbarung. Laabs musste vor Empfang der Habilitationsurkunde schriftlich versprechen, dass er gegen die Uni “keine weiteren Ansprüche aus seiner Habilitationsangelegenheit machen wird”.

Fauler Westfälischer Friede

Jutta Reising, Pressesprecherin der Universität Münster, erklärt: “Die Fakultät, die ohnehin keinen Cent zu viel hat, wollte ein weiteres Urteil und damit womöglich drohende Schadenersatzansprüche von Herrn Laabs vermeiden. Das ist mit der Habilitation unsererseits und der Verzichtserklärung seinerseits gelungen.”

Mit dem Kompromiss schreibt der ungewöhnliche Fall weiterhin Universitäts- und Rechtsgeschichte. Denn noch nie war Schadenersatz für mögliche Einkommenseinbußen – der Universitätsprofessor verdient ja meist mehr als der Dr. med. – ein ernsthaftes Thema in den Dutzenden von Habilitationsprozessen der vergangenen Jahrzehnte. Seit dem Fall Laabs steht das Finanzrisiko für die Hochschule jedoch künftig immer mit auf der Tagesordnung von Hochschullehrerprüfungen.

Dekan Jürgens bestand noch auf einer weiteren Bedingung: Laabs verzichtet “altershalber” auch darauf, an der “Fakultät lehren zu wollen”. Der Deal sieht also ungefähr so aus: Du kriegst von uns die Habilitation, wenn du uns nicht ins Portemonnaie fasst und dich gefälligst vom Campus machst.

Der Kleinkrieg um den Titel lässt vergessen, zu welchem Zweck die Habilitation eigentlich dient – vor gut hundert Jahren wurde sie eingeführt, um die Qualität von Forschung und Lehre zu heben und zu sichern.

Habilitationskriege Part I: Nach 20 Jahren endlich habilitiert

December 18, 2007

Nach 20 Jahren endlich habilitiert schreibt Hermann Horstkotte in Spon

Nun hat er die Hochschullehrerprüfung bestanden – nach einem akademischen Ausdauertraining der krassen Art: Volle zwei Jahrzehnte lang lag ein Lateinlehrer im Streit mit der Düsseldorfer Uni. Seine Habilitation gelang erst auf Druck der Gerichte und der Politik.

Die Geschichte wiederholt sich rund 2000 Mal im Jahr. Nachwuchswissenschaftler, meist Mitte 30 oder etwas älter, bestehen die Hochschullehrerprüfung für die Unikarriere, hauptsächlich in den Buchwissenschaften wie den Philologien oder der Juristerei und in der Medizin. Kaum ein halbes Prozent der Bewerber fällt durch, das sind weniger als bei jeder anderen Prüfung von der Schule über den Führerschein bis zum Doktorexamen.

Aber diesmal, Anfang Dezember an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, ging es um einen krassen Ausnahmefall.

Der Kandidat, schon Mitte 50, war mit seiner Prüfungsschrift über Schimpfworte in einer Bibelübersetzung mehrmals rechtswidrig ausgebremst worden. In seinem “opus magnum” habe er Hebraismen überschätzt und moderne sprachwissenschaftliche Theorien nicht genügend berücksichtigt, lauteten die zwei wichtigsten Einwände. Mehrere Gutachter indes werteten die Arbeit weitaus positiver.

Erst nach einem zähen Rechtsstreit über volle zwei Jahrzehnte gab die Philosophische Fakultät durch einen gerichtlichen Vergleich endlich nach. Sie nahm die Arbeit genau in dem Wortlaut an wie 1987 vorgelegt. Der Autor Michael W. belegt damit Platz 2 im akademischen Ausdauertraining, nach dem All-Time-High des Mediziners Walter Laabs, der für seine Habilitation bis Februar 2006 ein knappes Vierteljahrhundert kämpfen musste.

Minister an Uni: Bringt es zu Ende

Jetzt, kurz vor Nikolaus, stand W. noch die mündliche Prüfung bevor: Vortrag mit Diskussion über den “Evangelisten Lukas und den Historiker Thukydides”, den Vater der politischen Geschichtsschreibung vor knapp 2500 Jahren. Und das Prüfungszeremoniell wurde zu einem glänzenden Verhüllungsspiel in der akademischen Scheinwelt – mit ministerieller Intervention und drohenden Schadenersatzforderungen des Prüflings.

Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart persönlich hatte mit einem Schreiben an den Unirektor sein Interesse am Fortgang der Sache signalisiert. Im Gerichtsvergleich war dann festgelegt worden, dass ein Vertreter des Ministeriums, dem Mündlichen beiwohnte: “als Beobachter des ordnungsgemäßen Ablaufs”, wie Uni-Dekan Ulrich von Alemann SPIEGEL ONLINE erläuterte. Das ist ein Novum in der langen Geschichte des Habilitationswesens. Am Ende wurde der Kandidat von rund zwei Dutzend kritisch zuhörenden Professoren “mit sehr großer Stimmenmehrheit” habilitiert, so von Alemann.

Und wehe, wenn nicht – nur für den Fall des endgültigen Bestehens hatte W. auf Schadenersatz verzichtet. Der Anspruch ist schon seit der Habilitation Laabs klar, die letztlich durch das Gericht erfolgt war. Damals hatte Ulrich Lau, Sprecher am Oberverwaltungsgericht Münster, SPIEGEL ONLINE erklärt: “Einkommensverluste kann der Habilitierte im Prinzip ebenso geltend machen wie beispielsweise ein Beamter, der rechtswidrig nicht befördert wurde.” Diese drückende Sorge ist die Uni Düsseldorf jetzt los.

Uni an Prüfling: Ende gut, alles gut

Formell lag die Prüfungsentscheidung bei einem Gremium überwiegend fachfremder Professoren als Spiegelbild der ganzen Philosophischen Fakultät mit ihrem Fächermix von den Erziehungs- über die Ostasien- bis zu den Sportwissenschaften. Richter Lau hatte allerdings schon im Falle Laabs klargestellt: “Die Prüfung durch Experten behält immer den Vorrang vor dem Votum eines darüber hinaus erweiterten Prüferkreises.”

Nachdem Experten W.s Habilitationsschrift durchgewinkt hatten, konnte ein bunterer Kreis den Prüfling überhaupt nicht mehr zu Fall bringen. Das sei allenfalls möglich, so Lau, “wenn das Mündliche ebenfalls von einer fachlich ausgewiesenen Kommission abgenommen würde”. In der wäre der zuständige Düsseldorfer Lateinprofessor aber ganz allein gewesen, weil ein zweiter Fachmann wegen Befangenheit ausgeschieden war. Alle übrigen zwei Dutzend “Mitprüfer” waren mithin reine Statisten.

Das lässt sich nur historisch erklären. Tatsächlich hing die Habilitation bis zu einem Sieg W.s vor dem Bundesverwaltungsgericht 1994 vom Votum der Gesamtfakultät ab. Jede Professorenstimme wog gleich, ob durch Sachverstand gestützt oder nicht. Seit 1994 aber gilt höchstrichterlich, dass es bei der Habilitation um keine willkürliche Zuwahl wie bei der Aufnahme in den Rotarierclub geht, sondern im Wesentlichen um eine Berufszulassungsprüfung vor Fachvertretern mit derselben Lehrbefugnis, die der Bewerber anstrebt. Das ergibt sich zwingend aus der im Grundgesetz verankerten freien Berufswahl.

Die Tragweite dieses Grundsatzurteils hat auch 13 Jahre später noch nicht jede Fakultät ganz begriffen. So mag das gemischte Düsseldorfer Prüfungsgremium fachlich inkompetent entschieden haben – das aber diesmal fehlerfrei. Dekan von Alemann, gelernter Politikwissenschaftler, zu SPIEGEL ONLINE: “Ende gut, alles gut.” Ab kommendem Semester wird W. an der Uni mindestens zwei Wochenstunden lehren müssen, unentgeltlich, nur um den Ehrentitel “Privatdozent” führen zu dürfen.

So organisieren Manager Weihnachten

December 17, 2007

Projektierung: XMAS-2007

Wie schon Weihnachten 2006 im Internet gezeigt hat, heißt Weihnachten nicht mehr Weihnachten, sondern X-mas, also muss der Weihnachtsmann auch X-man sein! Da X-mas 2007 quasi schon vor der Tür steht, ist es spätestens ab jetzt höchste Zeit mit den Weihnachtsvorbereitungen zu beginnen – Verzeihung: das diesjährige Weihnachts-Roll-Out zu starten und die Christmas- Mailing-Aktion just in Time vorzubereiten. Hinweis: Die Kick-off-Veranstaltung (früher 1. Advent) für das diesjährige SANCROS (SANta Claus ROad Show) findet bereits am 29. November 2007 statt. Daher wurde das offizielle Come-Together des Organizing Committees unter Vorsitz des CIO (Christmas Illumination Officer) schon am 6. Januar
abgehalten. Erstmals haben wir ein Projektstatus-Meeting vorgeschaltet, bei dem eine in Workshops entwickelte “To-Do- Liste” und einheitliche Job Descriptions erstellt wurden. Dadurch sollen klare Verantwortungsbereiche, eine powervolle Performance des Kundenevents und optimierte Geschenk-Allocation geschaffen werden, was wiederum den Service- Level erhöht und außerdem hilft, “X-mas” als Brandname global zu implementieren. Dieses Meeting diente zugleich dazu, mit dem Co-Head Global Christmas Markets (Knecht Ruprecht) die Ablauf-Organisation abzustimmen, die Geschenk-Distribution an die zuständigen Private-Donation-Centers sicherzustellen und die Zielgruppen klar zu definieren. Erstmals sollen auch sogenannte Geschenk-Units über das Internet angeboten werden. Die Service-Provider (Engel, Elfen und Rentiere) wurden bereits via Conference Call virtuell informiert und die Core-Competences vergeben. Ein Bündel von Incentives und ein separater Team-Building-Event an geeigneter Location sollen den Motivationslevel erhöhen und gleichzeitig helfen, eine einheitliche Corporate Culture samt Identity zu entwickeln. Der Vorschlag, jedem Engel einen Coach zur Seite zu stellen, wurde aus Budgetgründen zunächst gecancelt. Statt dessen wurde auf einer zusätzlichen Client Management Conference beschlossen, in einem Testbezirk als Pilotprojekt eine Hotline (0,69ct/Minute Legion) für kurzfristige Weihnachtswünsche einzurichten, um den Added Value für die Beschenkten zu erhöhen. Durch ein ausgeklügeltes Management Information System (MISt) ist auch Benchmark-orientiertes Controlling für jedes Private- Donation-Center möglich. Nachdem ein neues Literatur-Konzept und das Layout-Format von externen Consultants definiert wurde, konnte auch schon das diesjährige Goldene Buch (Golden Book Release 06.1) erstellt werden. Es erscheint als Flyer, ergänzt um ein Leaflet und einen Newsletter für das laufende Updating. Hochauflagige Lowcost-Giveaways dienen zudem als Teaser und flankierende Marketingmaßnahme. Ferner wurde durch intensives Brain Storming ein Konsens über das Mission Statement gefunden. Es lautet “Let’s keep the candles burning” und ersetzt das bisherige “Frohe Weihnachten”. Santa Claus hatte zwar anfangs Bedenken angesichts des Corporate-Redesigns, akzeptierte aber letztlich den progressiven Consulting-Ansatz und würdigte das Know-how seiner Investor-Relation-Manager. In diesem Sinne noch erfolgreiche X-mas Preparations für das Jahr 2008.