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AOK empfielt zweite Zahnarztmeinung

January 8, 2008

da Koch(t) der Freie Verband. Vorstandsmitglied Timmermann wurde von der eigenen AOK am Ort düpiert – berichten zumindest die Cuxhavener Nachrichten:

AOK empfiehlt Mitgliedern Zahnersatz-Online-Auktion
Zahnärzte reagieren empört und bemängeln die Qualität billiger Produkte
 
baj. – Im deutschen Gesundheitswesen ist Sparen angesagt. Da bildet auch der Zahnersatz keine Ausnahme. Deshalb empfiehlt die AOK Niedersachsen seit einiger Zeit ihren Versicherten, Heil- und Kostenpläne für Zahnersatz ins Internet zu stellen, um das günstigste Angebot herauszuschlagen. Den Zahnärzten ist dieser Rat ein Dorn im Auge.

„Das ist eine Frechheit, die wir leider momentan so nicht verhindern können“, sagt der Cuxhavener Zahnarzt Dr. Dirk Timmermann, Mitglied im Bundesvorstand des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ). Seit August 2006 weist die AOK Niedersachsen ihre Mitglieder darauf hin, dass sie ihren Heil- und Kostenplan für Zahnersatz beim Online-Auktionsportal „www.2te-zahnarztmeinung.de“ einstellen können.

Über einen gewissen Zeitraum hinweg können dann andere Zahnärzte den ursprünglichen Kostenvoranschlag unterbieten. Der Betroffene kann anschließend selbst entscheiden, ob er die günstigeren Angebote wahr nimmt oder nicht. Bereits im November 2006 urteilte das Landgericht München, dass das Auktionsportal gegen das Berufsrecht der Zahnärzte verstoße. Noch darf es aber weiter bestehen, weil der Betreiber des Portals Berufung einlegte und noch kein abschließendes Urteil gefällt wurde.

Die Pressereferentin der AOK Cuxhaven, Sabine van Gemmeren, sieht die Sache unterdessen eher gelassen: „Bisher laufen die Patienten den Zahnärzten nicht scharenweise weg. Es geht bei dieser Empfehlung einfach nur darum, ein Bewusstsein für unterschiedliche Preise in punkto Zahnersatz bei den Patienten zu entwickeln. Wenn niemand den Preis hinterfragt, gibt es auch keinen Grund, einen günstigeren anzubieten.“

Timmermann hingegen prangert das Spar-Denken der AOK an: „Die Qualität leidet auf jeden Fall am niedrigeren Preis. Angeblich legen die Kassen ja so viel Wert auf Qualität. Doch wenn das wirklich so wäre, gäbe es diese Kampagne nicht. Wir haben nicht die Möglichkeit, den Patienten zu sagen, wer die billigste Kasse ist.“

AOK-Sprecherin van Gemmeren weist den Vorwurf, billiger bedeute in jedem Fall einen Qualitätsverlust, zurück. „Es gibt schließlich eine Preisspanne zwischen den Zahnlaboren“, sagt sie. „Die Zahnärzte müssen einfach umdenken.“ Timmermann merkt hierzu an, dass er bereits mit mehreren Laboren zusammenarbeite und immer die beste Lösung für seinen Patienten finde. Er hält extrem niedrige Preise, wie sie teilweise beim Online-Auktionsportal „2te Zahnarztmeinung“ angeboten werden, nur durch eine Zusammenarbeit mit einem Zahnlabor in Fernost für möglich.

„Die liefern aber nicht die gleiche Qualität wie ein deutsches Labor und wenn das Material oder das Produkt mangelhaft ist, hat man von Deutschland aus kaum eine rechtliche Handhabe dagegen“, erklärt er.

Bislang wird das Auktionsportal eher zögerlich genutzt und nur in den wenigsten Fällen wechseln die Patienten auch wirklich ihren Zahnarzt. Denn, und da sind sich van Gemmeren und Timmermann einig, das Verhältnis zwischen Zahnarzt und Patient basiert auf Vertrauen. Und das wiegt im Zweifelsfall stärker als der Preis.