Archive for January 27th, 2008

Konkurrenz für Stasi-VZ

January 27, 2008

die Gerüchte toben schon eine Weile, nun klinkt sich auch die Süddeutsche ein: 

Die Szene könnte einem Videoclip von MTV entstammen. Zwei Hip-Hopper, der eine sonnenbebrillt, der andere mit Maske vorm Gesicht, rappen vor trister Kulisse: ein abgelegener Parkplatz, dahinter graue Lagerhallen. Feindbild ist keine andere Gang, sondern das Online-Netzwerk StudiVZ, im Video “StasiVZ” genannt.

Die Rapper namens Stasido MC rufen in dem auf Youtube veröffentlichten Filmchen dazu auf, zum neu gegründeten Konkurrenten Kaioo.com zu wechseln und erklären auch warum: “Erst verkauft StasiVZ meine Daten. Und am Ende wirfst du Holtzbrincks Kohle in den Arsch”.

Die StudiVZ-Macher prüfen derzeit rechtliche Schritte gegen das Video. Dabei ist der von den Rappern verkündete “Krieg gegen StasiVZ” bislang nicht wirklich entfacht worden: 32.000 Nutzer haben sich bisher bei Kaioo registriert, StudiVZ , das zum Holtzbrinck-Konzern gehört, hat über 4,6 Millionen Mitglieder. Kaioo, seit November mit einer vorläufigen Beta-Version auf deutsch und englisch online, ist dem Konkurrenten recht ähnlich.

Nutzer erstellen eigene Profile mit Bussi-Fotos und jeder Menge persönlicher Angaben wie Ausbildung, Beruf, politische Einstellung, liebste Serien. Darüber hinaus gliedert sich Kaioo nicht nur landesweit, sondern auch in Subnetzwerke wie Stadt, Uni oder Arbeitgeber. Geflirtet wird über eine sogenannte Matchingliste, die man sich beim Google-Netzwerk Orkut abgeschaut hat und in Brasilien zurzeit der Renner ist.

Hinter Kaioo steht die Toro gemeinnützige Stiftungs-GmbH aus Hamburg. Vertretungsberechtigt sind Thomas Kreye und Rolf Schmidt-Holtz. Keine Unbekannten: Kreye war früher bei Bertelsmann in der Unternehmensentwicklung beschäftigt. Schmidt-Holz war Stern-Chefredakteur, Bertelsmann-Vorstand und ist derzeit Chef des Musikkonzerns Sony BMG, der zu 50 Prozent zum Gütersloher Medienkonzern gehört. Bertelsmann und Holtzbrinck haben es auf jüngere Internet-Nutzer abgesehen.

Mit Bertelsmann habe Kaioo nichts zu tun, sagte Kreye der Süddeutschen Zeitung. Es handele sich um ein privates Engagement. Schmidt-Holtz stelle die Anlauffinanzierung von geschätzt 500.000 Euro zur Verfügung, Kreye seine Arbeitskraft, dafür erhält er zwar ein Geschäftsführergehalt, das betrage aber nur ein Bruchteil des Bertelsmann-Gehalts. Kaioo würde sich durch Spenden finanzieren, alle späteren Werbeeinnahmen sollen selbst gespendet werden, an wen, würden dann die Nutzer entscheiden. Auch ein Bertelsmann-Sprecher dementiert jeden Zusammenhang: “Wir haben nichts damit zu tun.”

Dabei wird in einschlägigen Foren im Internet darüber diskutiert, ob Kaioo wirklich unabhängig ist. Auch Steffen Roski vom alternativen Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Marburg schließt nicht völlig aus, dass Kaioo nur “das Privatvergnügen einiger Bertelsmänner” ist.

Von Bertelsmann sei die Strategie bekannt, Konzerninteressen unter dem “Deckmantel der Gemeinnützigkeit” zu verkaufen. Die junge Generation, insbesondere Studenten, seien für Bertelsmann als Zielgruppe interessant, etwa um Marketingstrategien oder Ansprachen zu testen. Zumal habe Bertelsmann den Web 2.0-Hype im Gegensatz zu Holtzbrinck (Zeit, Handelsblatt) bislang verschlafen.

Gerüchte vermeiden

Zumindest kommt Kaioo zur richtigen Zeit. Viele StudiVZler waren ohnehin schon verärgert über den Verkauf der Plattform Ende 2006 den Holtzbrinck-Verlag. Der will vor allem mit personalisierter, auf einzelne Nutzer zugeschnittene Werbung Geld verdienen. Um das rechtlich möglich zu machen, wurden die Mitglieder von StudiVZ im Dezember vergangenen Jahres aufgefordert, den neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zuzustimmen.

Tun sie das nicht, würde ihr Profil gelöscht, wurden sie informiert. Nach massiven Protesten wurden die AGBs jedoch wieder entschärft. Danach ist Werbung per SMS nicht mehr möglich, die Nutzerdaten sollen nach Ende der Mitgliedschaft bei StudiVZ gelöscht werden. Personalisierte Werbung sei aber weiterhin möglich.

Das soll es bei Kaioo nicht geben. Als “gemeinnützig, demokratisch und unabhängig” beschreibt sich die Plattform selbst. Es gehe nicht darum, Werbeeinnahmen zu maximieren, sagt Kreye.

Das umstrittene Video der beiden Rapper passt da nicht unbedingt ins Bild.
In einem Kaioo-Forum distanziert sich Kreye denn auch davon: “Nur vorweg um Gerüchte zu vermeiden: Wir (kaioo.com) haben das nicht eingestellt.”

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Prokrastination und die Zahnarztbörse

January 27, 2008
Zahnarzt-Börse
 
 

darüber schreibt ORF – Online: 
 
  Ich leide unter Prokrastination. Das ist eine Bezeichnung für das selbstbetrügerische Aufschieben von Verpflichtungen und Arbeiten bis zur allerletzten Sekunde, in der die notwendige Aufgabe dann meistens gerade noch rechtzeitig erledigt wird, also just in time, aber nicht just in Timberlake, um bereits im zweiten Satz einen Top-Gag zu verschießen.Die Haupttaktik des an Prokrastination Leidenden, um sich ohne allzu viele Erschießungsphantasien durch das Leben zu manövrieren, sind Ersatzhandlungen, die im gnadenlosen Angesicht der Notwendigkeit als besonders zentral eingestuft werden, um dem absoluten Muss ein relatives vorzuschieben.

Ich schreibe diese Zeilen, um nicht meiner würdelosen Nebenerwerbstätigkeit nachzugehen, nämlich sämtliche Orthopäden in Deutschland samt Faxnummer, Lieblingslied und Aszendenten zu archivieren, die wirklich den absoluten Nullpunkt an geistigem Boogie-Woogie markiert. Denn dieser Artikel muss jetzt sein, ohne meinen gefinkelten Schachtelsätzen und wegweisenden Überlegungen wäre der Gebührenzahler an Erbauung und Läuterung ärmer.

Natürlich muss er nicht sein. Wie wir uns spätestens seit dem Vorschulalter hinter die Ohren tätowiert haben: Müssen tut man nur sterben! Erstens das, so füge ich einige Jahre später hinzu, außerdem Orthopäden-Verzeichnisse erstellen und zum Zahnarzt gehen.

 
 
  Zumindest sollte man letzteres. Letzteres, also das Wort letzteres, verwende ich übrigens weniger aus semiotischer Notwendigkeit, sondern aus Rachegelüsten bar jeder Körperlichkeit an meiner Deutschlehrerin, die stets über die Nichtexistenz bzw. Unrichtigkeit dieses Begriffs referierte. Letzterer, Letztere, Letzteres! Haha! Ich schreibe es trotzdem, und es liest auch jemand. Ende der entbehrlichen Abschweifung.Wo waren wir? Genau, beim Zahnarzt. Oder eben nicht, denn die Prokrastination verhindert auch die Vereinbarung notwendiger Termine beim Dentisten.
Mal abgesehen davon, dass ich im Herzen ja vor, nach und zwischen jeder Mahlzeit Zähne putze und fast schon wöchentlich zur Kontrolle gehe (Stichwort: Vorbildwirkung), war ich schon sehr lange nicht mehr bei einem Halbgott in Weiß, um mich mal so richtig quälen zu lassen (Stichwort: Realität). Ich habe eben Angst vor Bohrern, vom Geräusch des Bohrens und vor den Menschen, die diese unsäglichen Geräte bedienen.

Zu irgendeinem Zahnarzt – oder lieber einer Zahnärztin, denn ich weine lieber im Schoß einer Frau als an Männerschultern geklammert – möchte ich nicht gehen, es könnte ja ein schlimmer Finger, ein sadistischer Tunichtgut, ein wahrer Zahnteufel, ein grobschlächtiger Scharlatan sein (Stichwort: Paranoia).

Obwohl ich nicht erst seit gestern (26. 01.) in Wien ansässig bin, habe ich in meiner Realitätsverweigerung (Zahnschmerzen an der einen oder anderen Ecke und manchem Ende) noch keine Bemühungen angestellt, einen empfehlenswerten Spezialisten zu finden. Stichwort empfehlenswert:

Hiermit sei die Zahnarzt-Börse ins Leben gerufen.

Wenn Sie – und dieser interaktive Service soll sich nicht auf die Hauptstadt beschränken – einen Zahnarzt kennen, der neben einem breiten Zeitschriftensortiment im Wartezimmer, tadelloser Hygiene, beeindruckenden Fachkenntnissen und präzisem handwerklichen Geschick auch noch mit Güte, Wärme, Verständnis und Geduld aufwarten kann, posten Sie Namen und Stadt bzw. Ort in das Forum, das nach dem letzten Satz nahezu nahtlos an diese Geschichte anschließt, deren Hauptaussagen hiermit noch einmal zusammengefasst seien: Ich fröne dem Selbstbetrug, will nicht zum Zahnarzt, sollte aber, suche einen guten und bin dankbar für jedes Empfehlungsschreiben. Und damit bin ich womöglich nicht alleine.

P.S.: Pferdestärke.
P.P.S.: Dieser Aufsatz mag wie ein Widerspruch zu meiner kürzlich publizierten Zahnbürsten-Geschichte erscheinen, dem ist aber nicht so. Ich bemühe mich, meine schlechte Mundflora kennt jedoch keine Gnade. (Stichwort: Ausrede)