Prokrastination und die Zahnarztbörse

by
Zahnarzt-Börse
 
 

darüber schreibt ORF – Online: 
 
  Ich leide unter Prokrastination. Das ist eine Bezeichnung für das selbstbetrügerische Aufschieben von Verpflichtungen und Arbeiten bis zur allerletzten Sekunde, in der die notwendige Aufgabe dann meistens gerade noch rechtzeitig erledigt wird, also just in time, aber nicht just in Timberlake, um bereits im zweiten Satz einen Top-Gag zu verschießen.Die Haupttaktik des an Prokrastination Leidenden, um sich ohne allzu viele Erschießungsphantasien durch das Leben zu manövrieren, sind Ersatzhandlungen, die im gnadenlosen Angesicht der Notwendigkeit als besonders zentral eingestuft werden, um dem absoluten Muss ein relatives vorzuschieben.

Ich schreibe diese Zeilen, um nicht meiner würdelosen Nebenerwerbstätigkeit nachzugehen, nämlich sämtliche Orthopäden in Deutschland samt Faxnummer, Lieblingslied und Aszendenten zu archivieren, die wirklich den absoluten Nullpunkt an geistigem Boogie-Woogie markiert. Denn dieser Artikel muss jetzt sein, ohne meinen gefinkelten Schachtelsätzen und wegweisenden Überlegungen wäre der Gebührenzahler an Erbauung und Läuterung ärmer.

Natürlich muss er nicht sein. Wie wir uns spätestens seit dem Vorschulalter hinter die Ohren tätowiert haben: Müssen tut man nur sterben! Erstens das, so füge ich einige Jahre später hinzu, außerdem Orthopäden-Verzeichnisse erstellen und zum Zahnarzt gehen.

 
 
  Zumindest sollte man letzteres. Letzteres, also das Wort letzteres, verwende ich übrigens weniger aus semiotischer Notwendigkeit, sondern aus Rachegelüsten bar jeder Körperlichkeit an meiner Deutschlehrerin, die stets über die Nichtexistenz bzw. Unrichtigkeit dieses Begriffs referierte. Letzterer, Letztere, Letzteres! Haha! Ich schreibe es trotzdem, und es liest auch jemand. Ende der entbehrlichen Abschweifung.Wo waren wir? Genau, beim Zahnarzt. Oder eben nicht, denn die Prokrastination verhindert auch die Vereinbarung notwendiger Termine beim Dentisten.
Mal abgesehen davon, dass ich im Herzen ja vor, nach und zwischen jeder Mahlzeit Zähne putze und fast schon wöchentlich zur Kontrolle gehe (Stichwort: Vorbildwirkung), war ich schon sehr lange nicht mehr bei einem Halbgott in Weiß, um mich mal so richtig quälen zu lassen (Stichwort: Realität). Ich habe eben Angst vor Bohrern, vom Geräusch des Bohrens und vor den Menschen, die diese unsäglichen Geräte bedienen.

Zu irgendeinem Zahnarzt – oder lieber einer Zahnärztin, denn ich weine lieber im Schoß einer Frau als an Männerschultern geklammert – möchte ich nicht gehen, es könnte ja ein schlimmer Finger, ein sadistischer Tunichtgut, ein wahrer Zahnteufel, ein grobschlächtiger Scharlatan sein (Stichwort: Paranoia).

Obwohl ich nicht erst seit gestern (26. 01.) in Wien ansässig bin, habe ich in meiner Realitätsverweigerung (Zahnschmerzen an der einen oder anderen Ecke und manchem Ende) noch keine Bemühungen angestellt, einen empfehlenswerten Spezialisten zu finden. Stichwort empfehlenswert:

Hiermit sei die Zahnarzt-Börse ins Leben gerufen.

Wenn Sie – und dieser interaktive Service soll sich nicht auf die Hauptstadt beschränken – einen Zahnarzt kennen, der neben einem breiten Zeitschriftensortiment im Wartezimmer, tadelloser Hygiene, beeindruckenden Fachkenntnissen und präzisem handwerklichen Geschick auch noch mit Güte, Wärme, Verständnis und Geduld aufwarten kann, posten Sie Namen und Stadt bzw. Ort in das Forum, das nach dem letzten Satz nahezu nahtlos an diese Geschichte anschließt, deren Hauptaussagen hiermit noch einmal zusammengefasst seien: Ich fröne dem Selbstbetrug, will nicht zum Zahnarzt, sollte aber, suche einen guten und bin dankbar für jedes Empfehlungsschreiben. Und damit bin ich womöglich nicht alleine.

P.S.: Pferdestärke.
P.P.S.: Dieser Aufsatz mag wie ein Widerspruch zu meiner kürzlich publizierten Zahnbürsten-Geschichte erscheinen, dem ist aber nicht so. Ich bemühe mich, meine schlechte Mundflora kennt jedoch keine Gnade. (Stichwort: Ausrede)

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