Wellness-Termin beim Zahnarzt

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Wer eine Zahnarztpraxis betritt, dem vergeht meist das Lächeln. Zum einen haben viele Menschen schlechte Erinnerungen an frühere Besuche, zum anderen verursachen die nüchterne Atmosphäre, Geräusche und Gerüche der klassischen deutschen Praxis oft Unbehagen.

Doch das ändert sich: Nicht nur dass sich die Behandlungsmethoden stetig weiterentwicklen, auch das Design vieler Praxen tut es. Die neue Generation Zahnarzt sieht sich zunehmend als Gesundheitsdienstleister und den Besuch als Wellness-Termin. Zumal die gesetzlichen Leistungen der Krankenkassen rund um die Zahngesundheit beständig weniger werden und der selbstzahlende Patient entsprechend anspruchsvoll auftreten kann. So ist der Zahnarzt gut beraten, ein individuelles Image aufzubauen und den Kunden zu pflegen.

Der alte Charme hat ausgedient

„In Zeiten, da man beginnt, den Placebo-Effekt ernst zu nehmen, hat der Siebziger-Jahre-Charme vieler Praxen endgültig ausgedient“, beobachtet auch Kerstin Schulz, Inhaberin der Kommunikations- und Marketingberatung Dentcollege. „Viele Zahnärzte sind mittlerweile bereit, einen Innenarchitekten zu engagieren, um die Räume so zu gestalten, dass der Patient sich wohl fühlt. Das bedeutet einen klaren Bruch mit dem traditionellen Aussehen von Zahnarztpraxen.“

Beispielsweise könne der Zahnarzt die Übernahme einer bestehenden Praxis dazu nutzen, den Inhaberwechsel auch äußerlich zu demonstrieren und ein eigenes Image aufzubauen: „Wer einzigartig sein will, sollte auf Trendreise gehen und sich bei Kollegen auf aller Welt umschauen“, rät Marketingexpertin Schulz. Denn andernorts sei es durchaus üblich, Stararchitekten für den Bau eines Gesundheitszentrums oder einer Arztpraxis zu engagieren: „Architekten, die nicht aus der Branche kommen, bringen frischen Wind ins Design und planen aus der Patientensicht.“

Zahnärzte wollen sich in ihrer Praxis wohlfühlen

Nach frischem Wind sehnte sich auch der in Frankfurt tätige Zahnmediziner Steffen G. Tschackert. Er ist, wie er sagt, als einziger Deutscher für die Anwendung der sogenannten Las-Vegas-Methode ausgebildet, die schon Schauspieler Tom Cruise zu einem perfekten Lächeln verhalf. Der Zahnarzt nutzte im vergangenen Jahr einen Wasserschaden im Labor dazu, einen Praxisdesign-Wettbewerb zu veranstalten: „Die vorherige Praxiseinrichtung war auch sehr schön, aber weil der Boden ohnehin rausmusste, wollte ich eine Veränderung“, erläutert der Zahnarzt. „Schließlich bin ich 14 bis 16 Stunden am Tag in der Praxis, da muss zuallererst ich mich wohl fühlen. Aber die klare Raumaufteilung und Struktur in Verbindung mit speziellen Duftarrangements wirken auch beruhigend auf den Patienten.“

Tschackert entschied sich für das Raumkonzept des Architekturbüros Hollin und Radoske, das mit schwarzem Boden, viel verbautem Glas und Weißtönen sowie Lichtakzenten auf schlichte Eleganz setzt. Entsprechend der anspruchsvollen Klientel, die in ihr perfektes Lächeln investiert, ist allein das Wartezimmer mit einer integrierten Nespresso-Kaffeebar ein Kunstwerk für sich. Mit Warteräumen und Eleganz kennen sich die engagierten Architekten im Übrigen aus, denn sie haben unter anderem die Lufthansa-Lounge am Frankfurter Flughafen sowie Läden von Hugo Boss in Berlin und New York entworfen.

Organische Formen und warme Farben

„Hollins Ansatz war radikal einfach, damit traf er meinen Geschmack genau“, sagt Zahnmediziner Tschackert. „Ich finde die klare Sprache der Räume jeden Tag aufs Neue schön.“ Doch auch das Gegenprogramm zu der schlichten Eleganz kann beruhigend wirken: Stephan Ziegler von der Gemeinschaftspraxis „KU64“ in Berlin setzt auf organische Formen und warme Farben. Die Räume am Kurfürstendamm, bei denen auf zwei Etagen Spezialisten rund um den Mund vom Dentallabor bis hin zur Heilpraktikerin versammelt sind, wurden von dem Berliner Architekturbüro Graft gestaltet, die unter anderen für den Schauspieler Brad Pitt und die deutsche Botschaft in Tokio Häuser entworfen haben.

„Der Zahnarztbesuch wird durch die Kombination des originellen Designs und unseres neuen Behandlungskonzepts zu einem positiven Erlebnis“, gibt sich Petros Prontis von KU64 überzeugt. „Wer zu uns kommt, soll sich wie im Kurzurlaub fühlen.“ Auf den rund 1000 Quadratmetern der hochmodernen Praxis dominieren sonnig-sandige Farben. Boden und Decke sind in Form einer Welle gestaltet, die sich als dreidimensionale Raumfigur durch die gesamte Praxis zieht. Im Winter sorgt ein knisterndes Kaminfeuer für romantische Wärme, im Sommer wird das Wartezimmer auf die Dachterrasse verlegt. Hinzu kommen Licht- und Klanginstallationen in den Behandlungszimmern.

Cappuccino oder Champagner?

„Es duftet in der Wartelounge nach frischem Cappuccino, und wer mag, bekommt auch ein Glas Champagner“, sagt Petros Prontis. „Das gastronomische Ambiente macht aus den Patienten unsere Gäste. Man kann fast vergessen, dass man sich in einer Zahnarztpraxis befindet.“ Der Aufenthalt werde vielmehr zu einem Erlebnisbesuch inklusive zahnmedizinischer Heilung – auch für Kassenpatienten.

Für eine solche Wellness-Oase muss ein Zahnarzt allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen: Die Kosten für die „Dental-Spa-Praxis“ betrugen rund 1,5 Millionen Euro. Hinzu kommen noch einmal rund 100.000 Euro im Jahr Unterhaltskosten, etwa für den Kauf neuester technischer Geräte und die Fortbildung der Mitarbeiter.

Das Design muss zum Zahnarzt passen

Ist gutes Aussehen demnach florierenden Praxen in Großstädten vorbehalten? Nein, sagt die Marketingberaterin Schulz: „Veränderungen im Praxisdesign müssen weniger mit hohen Kosten als vielmehr mit Ideenreichtum und Mut zur Veränderung einhergehen. Die Investitionen müssen nicht zwangsläufig den Kostenrahmen einer Praxis sprengen.“ Schon ein anderer Farbanstrich oder ein neues Lichtkonzept können den Gesamteindruck der Praxis beeinflussen. Wichtig ist ihrer Meinung, dass der Zahnarzt authentisch bleibt: „Das visuelle Erscheinungsbild ist auch ein Mittel zur Kommunikation mit den Patienten. Da muss er sich genau überlegen, was er seinen Kunden mit seinem Auftritt mitteilen will.“

So hält es auch Zahnarzt Arthur Kotzor, der seine Praxis in Bad Homburg nach den Lehren des Feng-shui ausgerichtet hat: „Meine Praxis soll wie eine Wohnung wirken, in der ich Gäste empfange“, erläutert er. „Das bedeutet zum Beispiel, dass an den Türen keine Schilder sind. Wer das erste Mal bei uns ist, wird persönlich empfangen.“ Zu der Gestaltungslehre Feng-shui, bei der die Lebensenergie in Wohnräumen unter anderem durch die Farbwahl und dem energetischen Einfluss von Kristallen und Düften reguliert werden sollen, kam der Zahnmediziner durch Zufall: „Als ich vor rund drei Jahren meine Praxis nach Bad Homburg verlegte, traf ich auf einer Feier im Bekanntenkreis auf einen Bauingenieur, der mir von dem Prinzip erzählte“, berichtet Kotzor.

Plätschernder Brunnen am Eingang

„Die Idee war mir sofort sympathisch. Nicht zuletzt deshalb, weil man bei Angstpatienten jede Unterstützung zu deren Beruhigung brauchen kann.“ So ist der Empfang in sonnigen Farben gehalten, Korbstühle laden zum Verweilen ein, ein Brunnen plätschert. „Baumaterialien und Technik sind so ausgewählt, dass das harmonische Ganze stimmig ist. Sie schirmen zudem Erdstrahlen und Elektrosmog ab“, sagt der Zahnarzt. Die Geräte sind auf die sogenannte minimalinvasive Behandlung abgestimmt.

Von den positiven Einflüssen von Feng-shui ist Zahnmediziner Kotzor nach wie vor begeistert: „Der Effekt ist verblüffend. Viele meiner Patienten schlafen einfach während der Behandlung ein“, berichtet er. „Selbst bei einer Wurzelbehandlung tut das jeder zweite Patient.“

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One Response to “Wellness-Termin beim Zahnarzt”

  1. Boto Heidenreich Says:

    Ich habe die Vorgehensweise zwar nicht so ganz kapiert, sehe aber auf jeden Fall das Potential dahinter :-). Habt noch eine schöne Zeit bis Ostern (falls überhaupt 🙂 und viele Grüße, Boto Heidenreich

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