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Zwei Auswanderer und ihre unglaubliche Pechsträhne

January 29, 2008

so schreibt der Südkurier. Vor allem den Satz: Schütz dich vor Sturm und Wind und vor Landsleuten, die im Ausland sind!” fandich bemerkenswert

Am Anfang war es Abenteuerlust und Bürokratiefrust, als Dieter und Christa Faden den Übersee-Container packten: Raus aus der Enge, der Kühle, dem deutschen Vorschriftenwald, hinein in eine grenzenlos weite Welt voller Möglichkeiten. Am 26. Oktober 2001 winkten der Frau aus Kreuzlingen und dem Mann aus Wolterdingen bei Donaueschingen ihren erwachsenen Kindern und den Familien ein letztes Mal zu. Eine Auswanderergeschichte begann, mit glücklichen Momenten und fantastischem Pech.

Zwei Jahre lang hatten sie sich vorbereitet. Der Maschinenmechaniker, der am Bodensee gearbeitet und dort die Friseurin Christa Kueng kennen gelernt hatte, seine spätere Frau, in Steckborn geboren und in Oberhofen bei Kreuzlingen aufgewachsen. Hier hatte das Paar auch den letzten Wohnsitz vor dem Aufbruch.

Kelowna (British Columbia/Kanada), 120000 Einwohner, viele Deutsche, 8300 Kilometer weg von der Heimat. Das war die erste Station. Von Kanada-erfahrenen Deutschen hatten sie ein Restaurant gekauft. Aber bald schon zeigte sich, die rosigen Bilanzen waren geschönt worden, das Geschäft lief nicht. Zwei Jahre lang mussten sie trotzdem durchhalten, um die Einwanderungsbedingungen perfekt zu machen. Dann verkauften sie alles wieder – mit 200000 Dollar Verlust. Damit nicht genug. Beim Verkauf mit Hilfe einer deutschen Maklerin gab es Fehler – nochmals 20000 Dollar weg. Das Budget der Fadens war bedrohlich angeschlagen, die erste Fadensche Kanada-Lektion perfekt: “Hüte dich vor Sturm und Wind und Landsleuten, die im Ausland sind!” Nächste Pannenstaffel. Noch während das Restaurant lief, zogen sie in ein neues Wohnhaus, gekauft wieder von einem Deutschen. Eine Woche waren sie drin, da kam die Sofortrechnung: 8000 Dollar Kanalanschlussgebühren, über die der Verkäufer geschwiegen hatte. Die Lust am Haus war dahin, als eines Abends das Erdgeschoss unter Wasser und Fäkalien stand, weil die Sickergrube übergelaufen war. Also wieder verkaufen. Doch drei Tage vor dem Umzug ins neue Haus kamen Einbrecher, 80000 Dollar Schaden.

<%TBR from=”inject”%>Umzug an den Lake Okanagan, grandioser Blick auf viel Natur. In dieser Traumkulisse kauften die Fadens sich ihr großes neues Haus und machten ein “Bed & Breakfast”-Übenachtungshotel draus. Kein billiges Unterfangen, Dieter nahm deshalb einen Nebenjob in Naramanta an, täglich 200 Kilometer Fahrstrecke. Das “B&B” lief gut, neue Pläne reiften: Wenn wir ein “B&B” in der Nähe eines Skigebiet hätten, wäre sommers wie winters Publikum da. Also das Hotel verkauft, ein halb fertiges Haus in den Bergen von Kelowna günstig gekauft, weil dem Bauherrn das Geld ausgegangen war. Dann die kalte Dusche: Teils fehlten Baugenehmigungen, teils waren sie abgelaufen, der Makler hatte es “vergessen” zu erwähnen. Alles musste neu beantragt werden. Schließlich eröffnete das Hotel, lief nicht schlecht, aber die Grundstückssteuern fraßen zu viel auf. Und der Winter war härter als gedacht, Dieter erkrankte an Rheuma und Polyarthritis, musste kapitulieren und verkaufen. Die Pechsträhne wollte nicht enden.

Und heute? Dieter (54) und Christa (55) haben ein Blockhaus in dem 2000-Seelen-Dorf Lumby zwischen Calgary und Vancouver gekauft. Und Beide hoffen, dass der Traum vom neuen Leben doch noch sein ruhiges und bescheidenes Happy End findet.

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