Archive for February, 2008

Zahnarzt Dr. T. bohrt wieder – Angestellte zieht vor Arbeitsgericht

February 29, 2008

Die Patienten waren konsterniert, als sie Ende Januar in der City vor verschlossener Tür standen. Praxis ausgeräumt, Zahnarzt weg – so der Westen.

Inzwischen bohrt Herr Dr. wieder. So fleißig, dass er gestern nicht zum Termin ins Arbeitsgericht kam. Eine der ehemals sieben Zahnarzthelferinnen – mittlerweile assistiert lediglich eine Mitarbeiterin an einem Behandlungsstuhl – hat sich gegen die fristlose Kündigung vom 25. Januar gewehrt. Als Grund der Kündigung wurde genannt, dass eine Ausübung ihres Berufes nicht mehr möglich sei, da ja die Praxis leer sei. In einer Nacht- und Nebelaktion hatte die Leasingfirma, die vergeblich auf ihr Geld gewartet hatte, Behandlungsstühle und Gerätschaften abgeholt. Seitdem steht die 25-jährige Helferin auf der Straße. Ein Jahr lang war sie mit sechs ebenfalls gekündigten Kolleginnen in der Praxis beschäfttig. Vor Gericht kämpft sie jetzt um ihren Lohn. “Ich habe ja noch nicht mal das Geld für Januar, und da war ich ja fast den ganzen Monat da.” Was für sie undenkbar ist: “Dort noch einmal zu arbeiten. In dieser Praxis sehe ich für mich keine Zukunft.” Diese Konsequenz hat auch die ehemalige Geschäftspartnerin des Zahnarztes für sich gezogen. Die junge Zahnärztin – auch sie gehört als ehemaliger Arbeitgeber zu den Beklagten – versicherte gestern im Prozess, nichts von den finanziellen Schwierigkeiten ihres Kompagnons geahnt zu haben. Auch sie sei jetzt ruiniert. Im Gegensatz zu ihrem Partner erschien die Zahnmedizinerin gestern zum Gerichtstermin. Und hörte, dass die fristlose Kündigung, die sie Ende Januar mitunterschrieben hatte, aus formalen Gründen unwirksam sei. “Beide Gesellschafter müssen das Original unterzeichnen”, erklärte Gerhard Stiens, Direktor des Arbeitsgerichtes, in der Güteverhandlung. “Doch Sie haben die Kündigung nur auf einem Fax unterschrieben, das geht nicht.” Für die Helferinnen müsse nun eine “saubere, fristgerechte Kündigung” erreicht werden, erklärte Richter Stiens. Und empfahl der Mitarbeiterin, zum nächsten Mal auch mit einem Anwalt zu erscheinen. Am 9. Mai, zum Kammertermin, sollte dann auch der Zahnarzt den Bohrer aus der Hand legen. Für sein unentschuldigtes Fehlen gestern muss er bereits 50 Euro Ordungsgeld zahlen.

wie korrupt ist das System?

February 29, 2008

einen interessanten Kommentar dazu findet sich im dentalen blog

EU-Studie: und Amalgam ist doch unschädlich

February 28, 2008

Wahrlich sein Bestes hat der Autor in der Süddeutschen bei der Auseinandersetzung mit dem Thema mal wieder gegeben. Wenn man Fachbegriffe konsequent falsch anwendet, sollte man den Artikel in den Boulevardteil und nicht in den Wissenschaftsteil stellen. Aber das ist das Wenigste. Von einer Tageszeitung, die sich für seriös hält, sollte man zumindest eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema erwarten, aber das ist offensichtlich beim Thema Amalgam zuviel verlang: (more…)

Deutsche oralmedizinische Wissenschaft: Alte Probleme versus neue Perspektiven

February 27, 2008

Alte Probleme versus neue Perspektiven

Deutsche oralmedizinische Wissenschaft – eine Bestandsaufnahme

 und so schreibt Karl-Heinz Kimmel in der DZW darüber:

Der inzwischen deutlich zu erkennende wissenschaftliche Paradigmenwandel von der Zahnmedizin über die ZahnMedizin und Oralmedizin zur medizinischen Ganzheitsbetrachtung und damit zu einer engeren Verzahnung der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde mit anderen medizinischen Fachgebieten ist das Ergebnis eines evolutionären Denk- und Handlungsprozesses. Die damit vor allem für die Wissenschaft verbundenen Herausforderungen und Verpflichtungen sind aber auch mit einer heterogenen Fülle von Problemen verknüpft, die mehr oder weniger schnell und gründlich, aber – realistisch gesehen – zum Teil auch in absehbarer Zeit nicht gelöst werden können. Es fehlt beileibe nicht an Visionen und Initiativen, die aber oft nur von Einzelnen oder kleineren Gruppierungen auf Anhieb verstanden und in die Wirklichkeit umgesetzt werden können. Auch ökonomische Defizite belasten eine konstruktive Entwicklung. Alles in allem sehen wir uns einer Situation gegenüber, die einer detaillierten Analyse bedarf. Manches Faktum wird dabei vielleicht überraschen, weil es gemeinhin nicht als Problem oder Perspektive angesehen wird.

Umfassende Reformen für die Zahnmedizin an den Universitäten hat der Wissenschaftsrat Anfang 2005 gefordert und dabei die Meinung vertreten, dass an den 31 Standorten nicht ausreichend geforscht wird [1–3]. Ebenso wird eine bessere Interaktion zwischen der Zahnmedizin und anderen medizinischen Disziplinen gefordert. Eigenartig klingt es, wenn in diesem Zusammenhang einerseits von der Zahn- und andererseits von der Humanmedizin die Rede ist, als würden nicht beide den Menschen betreffen.

Dringend plädierte der Wissenschaftsrat für eine Novellierung der aus dem Jahr 1955 stammenden Approbationsordnung für Zahnärzte [3]. Inzwischen wurde ein Entwurf von Wissenschaft und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) erarbeitet und bereits im März 2005 dem Bundesgesundheitsministerium zur Genehmigung vorgelegt [4]. Weitere Problempunkte sind die postgraduale Weiterbildung nach internationalem Standard und die Ausbildung von Dentalhygienikern (DH) an Fachschulen, die an die Universitäten angekoppelt werden sollten, was aber aus überwiegend standespolitischen Gründen abgelehnt wird. Auf der Fortbildungsbasis – mit der Zahnmedizinischen Fachassistentin (ZMF) oder Zahnmedizinischen Prophylaxeassistentin (ZMP) als Ausgangsberufen – wurde jetzt die Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin (DH) auch von der LZK Rheinland-Pfalz eingeführt [5].

In vielfältigen, vor allem politischen Überlegungen waren die auch vom Wissenschaftsrat angesprochenen Bestrebungen ein Thema, die akademische zahnärztliche Ausbildung von der Universität auf die Fachhochschule zu verlagern. Erfreulicherweise hat der Wissenschaftsrat einer solchen Herabstufung der Zahnmedizin widersprochen („Um die Zahnärzte der Zukunft in wissenschaftlichem Denken […] zu schulen, ist ein universitäres Studium erforderlich.“) Wissenschaft und Standespolitik haben hier die Gefahr erkannt, so dass ausgerechnet zum Zeitpunkt der Publikation der Empfehlungen der Paradigmenwechsel von der Zahnmedizin zur „ZahnMedizin“ eingeleitet wurde [3, 4]. Einzelne Versuche, aus der Zahnmedizin eine Oralmedizin zu machen, blieben aus verschiedenen Gründen bisher erfolglos [6, 7].

Die Ergebnisse der oralbiologischen Forschung – an einzelnen universitären Schwerpunkten auch in Deutschland vertreten (zum Beispiel Bonn, Gießen, Göttingen, Regensburg, Ulm) – dient nicht zuletzt auch dem Trend, die zahnmedizinische Wissenschaft und letztlich auch den Zahnarzt in der Praxis in dieser Richtung zu motivieren. Vor allem in den USA und zum Beispiel in Finnland gewinnt dieser Forschungszweig zunehmend an Bedeutung, wobei in Europa die ZMK-Klinik Zürich eine wertvolle Pionierarbeit geleistet hat. Was zum Beispiel schon im Jahr 2000 von Elmar Reich – damals noch Klinikdirektor in Homburg (Saar) – mit aller Deutlichkeit beklagt worden war („Zahnmedizin an deutschen Universitäten: Gefahr der Zweitklassigkeit“ [12]), wurde auch von BZÄK, DGZMK und VHZMK gegenüber dem Gutachten des Wissenschaftsrats ins Feld geführt: die mangelnden Ressourcen für die zahn- beziehungsweise oralmedizinische Forschung.

Da Medizinprodukte de jure erst nach einer klinischen Prüfung, Risikobewertung und wissenschaftliche Dokumentation das CE-Zeichen erhalten dürften, sollten sich diese Erfordernisse nicht nur auf Füllungs- und andere Werkstoffe, sondern auch auf technische Arbeitsmittel erstrecken. Mit der Änderung der Europäischen Richtlinie 93/42/EWG durch den Artikel 2 der Europäischen Richtlinie 2007/47/EG in puncto Konformitätserklärung für Medizinprodukte der Klasse IIa (Bericht dazu folgt) entsteht hier ein erheblicher Handlungsbedarf für Industrie und Wissenschaft auch in Form von Dissertationen. Die bisherige Nicht-Berücksichtigung dieser Anforderungen wurde zwar in DGZMK-Stellungnahmen beklagt, ohne aber eine Änderung der Lage herbeizuführen [15].

Als ein ärztlicher Medizinjournalist in einem Zeit-Artikel mit der Schlagzeile „Zahnstatus: Mangelhaft“ [19] die Empfehlungen des Wissenschaftsrats dahingehend ausgelegt hatte, dass „die schlichte Lehre für die Praxis des Bohrens und Löcherstopfens an der Fachhochschule besser untergebracht wäre,“ konterte F. Blankenstein in einem Editorial erst einmal mit der Feststellung, dass auch bei der Ärzteschaft erhebliche Defizite hinsichtlich des medizinischen Wissens zu verzeichnen seien und diese auch von unserem Fachgebiet oft wenig verstehen würde.

Als eine der Konsequenzen auch aus neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen bahnt sich ein grundsätzlicher Dogmenwechsel insbesondere in der Standespolitik an, der auch zu einer Diskussion zwischen Wissenschaft und Berufsvertretung auf der Ebene von DGZMK, BZÄK und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV) geführt hat [21, 22]. Insgesamt gesehen – und dies zeigten auch die Deutschen Zahnärztetage 2005 (Berlin), 2006 (Erfurt) und 2007 (Düsseldorf) – befindet sich die ZahnMedizin in Deutschland in einem Umbruch, der dem Gesundheitswesen als Ganzem sehr wohl dienlich sein kann.

das Zahniforum

February 27, 2008

Interessant ist, wie junge Zahnärzte dabei sind, ein kostenloses Infoforum im Net aufzubauen.

Ohne irgendwelche Einflüsse von Versicherungen, Finanzdienstleister und Verbände wird hier nach und nach jede Menge information von und für junge Zahnärzte zusammengetragen – und jeder kann mitmachen!

weiter gehts im
Zahniforum

Selbstbedienung im Gesundheitssystem

February 26, 2008

Gierige Ärztefunktionäre hat Frontal21 gefunden

Sie beziehen hohe Gehälter und bekommen trotzdem nicht genug: Spitzenfunktionäre von Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen stehen bundesweit in Verdacht, sich durch falsche Abrechnungen, Vergünstigungen und Schmiergelder bereichert zu haben.

    Hannover, vergangene Woche: Etwa 30 Ermittler der Staatsanwaltschaft durchsuchen Wohnungen und Geschäftsräume in Niedersachsen. Der Verdacht: Zwei Funktionäre der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Niedersachsen sollen für die unrechtmäßige Zulassung von Zahnärzten Schmiergeld kassiert haben, bis zu 80.000 Euro pro Zulassung, so die Staatsanwaltschaft. Die Zahnärzte sollen Zulassungen bekommen haben, obwohl es gar keinen Bedarf an neuen Praxen gab.

    Udo von Langsdorff. Quelle: ZDF

    Handel mit Zulassungen

    Nur mit einer Zulassung können Ärzte bei der Krankenkasse abrechnen. Es geht also um viel Geld. Dubiose Wirtschaftsberater, so genannte Zulassungshändler, dealen mit diesen Zulassungen. Für Udo von Langsdorff, ehemaliger Justiziar einer Kassenzahnärztlichen Vereinigung in Ostdeutschland, ist das nichts Neues. Er kennt das System: “Manche Zulassungshändler besitzen sogar so viel kriminelle Energie, dass sie zu einzelnen Mitgliedern von Kassenzahnärztlichen Vereinigungen hingehen, diese bestechen, um Zulassungen in die Welt zu bringen. Was macht dann das einzelne Mitglied der Kassenzahnärztlichen Vereinigung? Es manipuliert, es manipuliert die Budgetplanung beziehungsweise Bedarfsplanung und legt vielleicht gute Worte bei den Zulassungsausschüssen ein.”

    Hintergrund: Kassenärztliche Vereinigungen

    Kassenärztliche und Kassenzahnärztliche Vereinigungen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Jeder Arzt, der eine kassenärztliche Zulassung hat, ist automatisch Mitglied der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) seiner Region. Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben den gesetzlichen Auftrag, die ärztliche Versorgung für die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen sicherzustellen. Auf Bundesebene schließt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen Vereinbarungen über die Organisation der vertragsärztlichen Versorgung ab. Auf Landesebene einigen sich die einzelnen KVen mit den Landesverbänden der Krankenkassen auf die Vergütung der ärztlichen Leistungen, welche die KVen dann unter ihren Mitgliedern verteilen. Das gleiche gilt für Zahnärzte, die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung.

    Quelle: Bundesministerium für Gesundheit

    Sind die neuen Zulassungen erteilt, kann abgerechnet werden. Und manche Ärzte seien unersättlich, weiß von Langsdorff. “Die werben einfach eine weitere Zulassung in Form eines Strohmannes hinzu, erwerben dessen Budget, damit sie einfach mehr Leistung generieren können, obwohl ihnen das überhaupt nicht zusteht. Man kann da schon sagen: Das ist einfach schlichtweg grober Betrug.”

    Funktionäre sollen sich bereichert haben

    Auch die KZV Berlin ist im Visier der Justiz. Seit 2005 ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen dortige Spitzenfunktionäre. Das bestätigt Michael Grunwald von der Staatsanwaltschaft Berlin gegenüber Frontal21: “Der erhobene Vorwurf ist der der Untreue. Dem Tatverdacht wird nachgegangen. Es geht um die Frage, ob Spesen und Spendengelder in Höhe von 65.000 Euro richtig verwendet worden sind.”

    Zusätzlich offenbart der jüngste Rechnungsprüfungsbericht der Berliner Zahnärzte schwere Vorwürfe gegen ihre Funktionäre. Sie sollen Gelder abgerechnet haben, die ihnen nicht zustehen. Es geht um vorteilhafte Dienstverträge, zweifelhafte Sitzungsgelder, Zulagen- und Reisekostenabrechnungen. Trotz eines üppigen Jahresgehaltes sollen Sitzungsgelder, die eigentlich für ehrenamtliche Funktionäre vorgesehen waren, abgerechnet worden sein.

    Betrugsverdacht in Schleswig Holstein

    Zudem stellte der Rechnungsprüfungsausschuss fest, dass bei Reisekostenabrechnungen “überaus häufig Belege fehlen”. Die Funktionäre weisen die Vorwürfe zurück. Alle Abrechnungen seien in Ordnung, es fehlten keine Belege. Außerdem sähen ihre Dienstverträge neben der Grundvergütung auch Sitzungsgelder vor.

    Ermittelt wird auch gegen einen Funktionär der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig Holstein (KVSH). Er steht unter Betrugsverdacht. Der Allgemeinmediziner soll als Hausarzt den Krankenkassen medizinische Leistungen in Rechnung gestellt haben, obwohl er an den angegebenen Tagen in seiner Eigenschaft als KVSH-Funktionär unterwegs gewesen sein soll. Er bestreitet die Anschuldigungen und spricht von einer Kampagne gegen ihn. Die Vorwürfe seien nachweislich falsch, so der Mediziner.

    Fehlende Kontrolle

    Die Kieler Sozialministerin, Gitta Trauernicht (SPD), fordert im Fall der KVSH eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe. Im Interesse der Versicherten und der Kassenärztlichen Vereinigung sei es wichtig, jeglichem Verdacht falscher Abrechnungen nachzugehen, so die Ministerin. Die Kassenärztliche Vereinigung habe die Aufgabe, die Ärztehonorare ordnungsgemäß abzurechnen und zu verteilen.

    Uwe Dolata.

    Dolata hält das System der KVen für überholt.
    Stattdessen aber scheint es nach Aussagen der Ermittler an einer Kontrolle der Kontrolleure zu fehlen. Uwe Dolata vom Bund deutscher Kriminalbeamter ist Experte zum Thema “Korruption und Betrug im Gesundheitswesen”. Er hält das System der Kassenärztlichen Vereinigung als Kontrollorgan für längst überholt: “Wenn ein Arzt allein einen Arzt kontrolliert, das wäre ungefähr so, als wenn wir den Parlamentarischen Kontrollausschuss für Geheimdienstler im Bundestag mit lauter Geheimdienstlern besetzen würden. Das traut sich keine Organisation, keine Ermittlungsbehörde, keine Polizei, kein Niemand, sich selber zu kontrollieren, nur die Kassenärztliche Vereinigung besteht aus

    BVAZ, FVDZ und die Mitgliederzahlen

    February 26, 2008

    ob man Hurrameldungen, vor allem wenn sie aus der eigenen Pressestelle  immer glauben schenken darf? Wohl kaum! Nachdem wir mehrfach kritisch über den einen Verband berichtet hatten, soll nun der andere auch zu Wort kommen. Prüfen wollen und können wir die Zahlen nicht, aber immerhin hat der BVAZ ein konkretes Ziel, mit dem er an die Öffentlichkeit geht. Wir sind sicherlich nicht strikt auf der Seite eines Verbandes, im Gegenteil. Aber wir wollen die Diskussion anregen und finden, dass die folgenden Aussagen es zumindest wert sind, dass man sich als betroffener Feld-, Wald-, und Wiesenzahnarzt damit auseinandersetzt:

    Arbeit des BVAZ erfolgreich: Mitgliederzahl innerhalb von nur sechs Monaten mehr als verdoppelt!

    Die Pläne, die Weiterbildungsordnung zu Lasten der Allgemeinzahnärzte zu kippen, haben dem Berufsverband der llgemeinzahnärzte BVAZ eine rasant steigende Zahl von Mitgliedern beschert.

    In einer konzertierten Aktion war Ende 2007 von Bundeszahnärztekammer BZÄK), Deutscher Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde DGZMK) und Vereinigung der Hochschullehrer (VHZMK) ohne Diskussion it den Betroffenen beschlossen worden, den Weg für postgraduierte, ebenberuflich und universitär zu erwerbende Master- und
    Fachzahnarzttitel zu ebnen. Diese Vorschläge sollen Ende 2008 von der Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer abgenickt werden, in der die Allgemeinzahnärzte die erdrückende Mehrheit stellen. Durch die Veröffentlichungen des BVAZ wird es offensichtlich einer zunehmenden Zahl von Allgemeinzahnärzten bewusst, wohin für sie die eise gehen soll: Hintergrund der Vorschläge der Hochschullehrer sind
    offensichtlich Wünsche und Hoffnungen, materiell von den Bestrebungen der Fachgesellschaften zu profitieren, eine spezialisierte Teilgebietszahnheilkunde nach US-amerikanischem Muster zu etablieren, und nach erfolgter Öffnung der GOZ mit privaten Versicherungen Gruppenverträge zugunsten ihrer Mitglieder und zu Lasten der
    Allgemeinzahnärzte abschließen zu können.

    Nachdem bereits die Diskussion über fragwürdige Stellungnahmen und Leitlinien der DGZMK für einen steilen Anstieg gesorgt hatte, beschleunigte sich der Mitgliederzuwachs noch einmal erheblich, nachdem Pläne der Hochschulen bekannt geworden waren, einen Teil der Honorare der Allgemeinzahnärzte über die Schaffung so genannter „sektoraler Budgets“ in die Taschen der von ihnen kostenpflichtig weitergebildeten „Spezialisten“
    umzuleiten. er Berufsverband der Allgemeinzahnärzte ist deutschlandweit der einzige
    zahnärztliche Verband, der die Kolleginnen und Kollegen mit lauter Stimme aufruft, sich zu organisieren, um die Pläne zu vereiteln, das  Behandlungsspektrum der Allgemeinzahnärzte durch praxisferne Leitlinie einzuengen und ihr Honorar durch Umverteilung zu Gunsten von Teilgebietszahnärzten zu beschneiden.

    Deutschland droht der “Brain Drain”

    February 25, 2008

     Das Ergebnis ist erschütternd: Im vergangenen Jahr durften sich laut Zeitungsbericht nicht mal 500 Hochqualifizierte in Deutschland niederlassen – dabei suchen etliche Firmen verzweifelt Fachkräfte. Experten werfen der Großen Koalition Versagen bei der Zuwanderung vor – so Spiegel online.

    Hamburg – Deutschland braucht dringend mehr qualifizierte Einwanderer, doch die bleiben der Republik nach wie vor fern. Eine Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zählte im vergangenen Jahr gerade 466 Hochqualifizierte aus Nicht-EU-Ländern, die sich in Deutschland niederlassen durften, berichtet die “Süddeutsche Zeitung”. Das seien gerade zehn Fälle mehr als im Vorjahr.

    Die Erlaubnis, sich in Deutschland niederzulassen, gilt nur für Angestellte mit einem Jahresgehalt von mindestens 85.000 Euro. Die Regelung ist für Wissenschaftler, Professoren und Führungskräfte gedacht.

    Stagnierte die Zahl der Hochqualifizierten Einwanderer nur, nahm die Zahl der eingereisten Ingenieure und Spezialisten laut Studie sogar ab. Mit einer nur befristeten Arbeitserlaubnis kamen im letzten Jahr gut 22.700 Menschen nach Deutschland, berichtet die “SZ”. Im Vorjahr waren es noch 32.600.

    Lediglich bei den Selbständigen stieg die Zahl der Einwanderer leicht an, berichtet das Blatt. Waren es 2006 noch 2370, sind es im letzten Jahr 2850 gewesen. Grund für den Anstieg dürfte die Lockerung des Zuwanderungsrechts sein. Bis Sommer 2007 musste ein Selbständiger eine Million Euro investieren und zehn Arbeitsplätze schaffen, um mindestens drei Jahre in Deutschland bleiben zu dürfen. Inzwischen hat die Große Koalition die Anforderungen halbiert – auf eine halbe Million und fünf Arbeitsplätze.

    Dennoch: Die Fachkräfte kommen nicht im gewünschten Maße ins Land, Unternehmen haben erhebliche Probleme, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Für 61 Prozent der Firmen endet die Suche mit einem unbefriedigenden Ergebnis, wie eine Umfrage unter 1300 Entscheidern quer durch alle Branchen ergab, die manager-magazin.de und die Kommunikationsagentur Fischer Appelt in Auftrag gaben.

    Problematisch ist es demnach vor allem, den hohen Bedarf an gut ausgebildeten IT-Spezialisten und Ingenieuren zu decken. Etwa jeder zweite Arbeitgeber hat Schwierigkeiten bei der Suche nach diesen Berufsgruppen.

    Der Fachkräftemangel bremst die deutsche Konjunktur erheblich: Laut einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums kostet das Fehlen von qualifiziertem Personal die Unternehmen jedes Jahr gut 20 Milliarden Euro. Besonders akut sind die Engpässe in Maschinenbau, Metall- und Elektroindustrie, dem Fahrzeugbau, Informatik und Naturwissenschaften.

    Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, sagte der “SZ”, man müsse die aktuellen Zahlen als “Warnsignal” sehen. Der Großen Koalition warf er Versagen bei der Zuwanderung vor. Sie habe “alles getan, um das Image eines reservierten Landes aufrechtzuerhalten”.

    Ein Zahnarzt als “Düsentrieb” des Nordens

    February 25, 2008

    Kontaktlinse im Waschbecken, dicke Wange nach dem Zahnarztbesuch? Dr. Bernd Stöver hat pfiffige Ideen, die das Leben erleichtern. In dieser Woche tagt wieder sein Erfinderclub Schleswig-Holstein so SHZ.de.

    Eher zufällig wurde Dr. Bernd Stöver Erfinder. “1998 wollte meine Tochter unbedingt ein Piercing haben”, erzählt der Zahnarzt aus Schenefeld (Kreis Pinneberg). “Da war sie zehn Jahre. Ich fand das gar nicht witzig.” Aber als verständnisvoller Vater begann der Zahnmediziner mit chirurgischem Garn zu experimentieren, um seiner Tochter die Schmerzen zu ersparen. Stöver wollte das Piercing lieber annähen. “Im Nachhinein betrachtet war das ein Flop, aber ich habe viel über Patentrecht gelernt”, sagt er heute. Außerdem bekam er Kontakt zum Erfinderclub Schleswig-Holstein, dessen erster Vorsitzender er inzwischen ist.

    Bis heute hat der “Daniel Düsentrieb des Nordens” jede Menge praktische Dinge erfunden. “Meine besten Ideen kommen, wenn ich mich über etwas ärgere”, sagt er und packt seine erste wirklich erfolgreiche Erfindung aus. Es ist ein Waschbeckenverschluss, der bald auch im Baumarkt zu kaufen sein wird. Der “Excenterventileinsatz” ist im Grunde ein Rohr, das unten ein Sieb und oben eine wasserdichte Klappe hat. Dieser Einsatz soll normale Waschbeckenstöpsel ersetzen. Was dann ins Waschbecken fällt, wird vom Sieb aufgefangen: Ohrschmuck, Eheringe, Zahnkronen – alles was mal so aus den Fingern gleiten kann. “Die Idee kam mir, als ich in einem Hotel in London meine Kontaktlinsen einsetzen wollte und kein Stöpsel da war”, sagt der Zahnarzt. Noch hat auch Stövers eigenes Bad nur normale Waschbeckenstöpsel, aber: “Sobald ich nicht nur ein Ansichtsexemplar habe, tausche ich alle aus.”

    Silbermedaille für selbsthaftendes Kühlkissen

    Für das “hautoberflächenfixierte Thermoelement”, ein Kühlkissen, das man auf der Haut fixiert, wurde Stöver mit der Silbermedaille des “Institutes der deutschen Wirtschaft” ausgezeichnet. Auch hier war es wieder Tochter Tina, die den Denkanstoß gab. Ihr Weisheitszahn musste heraus, und die Wange schwoll ganz gewaltig an. “Ich sagte ein bisschen vorwurfsvoll: ‘Du hast nicht richtig gekühlt.’ So habe ich das als Zahnarzt 20 Jahre gesagt. Aber da hat mir meine Tochter richtig Contra gegeben”, sagt Bernd Stöver. “Die Finger würden sofort kalt, lahme Arme bekäme man auch, außerdem müsse sie auch noch Hausaufgaben machen und im Schlaf würde das Kühlkissen sowieso verrutschen.”

    Stimmt, dachte Stöver und erfand ein selbst klebendes Kühlkissen. Dazu setzt man sich vier bis sechs Klettverschlusspunkte auf die Haut. Das Kühlkissen kommt in ein Baumwolltäschchen, das ebenfalls mit Klettpunkten ausgestattet ist. “Das funktioniert auch bei Sportverletzungen oder Insektenstichen”, versichert Stöver.

    Erfinderclub trifft sich einmal im Monat

    Nur bei der Vermarktung ist der Zahnarzt zurückhaltend: “Ich empfehle jedem Erfinder, vorsichtig zu sein. Man sollte nicht Haus und Hof verschulden, weil man glaubt, man habe die Erfindung seines Lebens gemacht.”

    Der Erfinderclub trifft sich jeden letzten Mittwoch im Monat, um 19 Uhr in der Gaststätte “La Perla”, Dorfstraße 2, in Flintbek bei Kiel. Gäste und neue Mitglieder sind herzlich willkommen.

    Patientin beißt beim Zahnarzt auf Granit

    February 24, 2008

     so die NWZ Online

    Gebiss löst beim Tragen Würgereiz aus – Prothetik-Einigungsausschuss stellt Mängel fest
    MEHR ALS ZWEI JAHRE DAUERTE DER LEIDENSWEG. ZURZEIT IST DIE FRAU KRANK GESCHRIEBEN.

    VON THOMAS HUSMANN

    OLDENBURG – „Ich bin am Ende, ich kann nicht mehr.“ Die Stimme am anderen Ende der Telefonleitung klingt gebrochen, seit November ist Ellen O. krankgeschrieben. Mehr als zwei Jahre hat sie sich mit einer schlecht sitzenden Zahnprothese herumgequält, ist von Zahnarzt zu Zahnarzt gegangen, von Gutachter zu Gutachter. Bis diesen Mittwoch ohne Erfolg. Erst als die NWZ nachhakte erfuhr die Frau, dass der Prothetik-Einigungsausschuss der kassenärztlichen Vereinigung positiv für sie entschieden hatte. Der Zahnarzt muss den Kassenanteil für den Zahnersatz zurückzahlen, es wurde gepfuscht. Die Entscheidung fiel Ende Januar, die Nachfrage der NWZ beschleunigte das Benachrichtigungsverfahren.

    Doch der Reihe nach: Im November 2005 ließ sich Ellen O. von einem Oldenburger Zahnarzt behandeln, der ihr zu einem neuen Gebiss für den Oberkiefer und einer Teilprothese im Unterkiefer riet. „Vom ersten Moment an spürte ich, dass das Gebiss oben nicht richtig saß“, beschreibt die 55 Jahre alte Frau den Beginn ihres Leidensweges. „Alles reine Gewöhnungssache“, entgegnete der Arzt. Ellen O. quälte sich weiter: „Ich bekam jedes Mal Würgereiz, wenn ich die Prothese trug.“ Der Arzt schliff mehrmals nach, es verbesserte sich nichts.

    Schließlich verfasste die Frau im September 2006 eine an die AOK gerichtete Mängelrüge. Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes stellte einen Nachbesserungsbedarf fest. Die Frau wechselte den Zahnarzt und der erreichte zumindest eine Verbesserung. Acht Stunden konnte die Geplagte das Gebiss tragen, dann stellte sich der Würgereiz wieder ein.

    Im April stellte sie bei der AOK einen neuen Antrag auf eine Mängelrüge, ein Gutachter der kassenärztlichen Vereinigung bestätigte im Mai die Mängel und Differenzen. „Der Prothetik-Einigungsausschuss forderte aber weitere Unterlagen an“, daher die Verzögerung, begründet Uwe Heep, Geschäftsbereichsleiter Zahnersatz bei der AOK, den Zeitverlust. Dann verlangte der Ausschuss im November ein weiteres Gutachten, das wieder zugunsten von Ellen O. ausfiel. „Mit diesem Gebiss können sie nicht beißen und essen“, bescheinigte ihr der als Gutachter bestellte Arzt.

    Der Ausschuss trat Ende Januar erneut zusammen und entschied: Dem Mängelanspruch wird stattgegeben, es wurden umfangreiche Mängel festgestellt, der Arzt muss den Kassenanteil zurückzahlen. Ellen O. kann nun auch ihren Eigenanteil einfordern. 2373,41 Euro kostete der Zahnersatz, 1367,68 Euro schoss die Kasse dazu.