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Praxis leer – Zahnarzt verschwunden

February 2, 2008

Die Praxis ausgeräumt  – waren da Heuschrecken am Werk?

so berichtet die WAZ

Margret M. wollte sich von ihrem Zahnarzt die Fäden ziehen lassen. Doch als sie zum ausgemachten Termin erschien, war die Gemeinschaftspraxis Dr. Martin Tigges und Katharina Fischer leer geräumt. Von heute auf morgen. …

… Zurück bleiben Patienten, die weder über die Gründe informiert wurden noch darüber, wie die Behandlung weitergeht. “Ich fühle mich als Patientin im Stich gelassen”, sagt Margret M., die mitten in einer Behandlung bei Dr. Tigges steckt. Am 21. Januar bekam sie ein Zahnimplantat eingesetzt, am Montag sollten die Fäden gezogen werden. Diesen Eingriff hat M. inzwischen woanders durchführen lassen. Am Montag hatten M. und ihr Ehemann vor der ausgeräumten Praxis am Westenhellweg Dr. Tigges sogar noch getroffen. “Er wirkte völlig konsterniert”, sagt Walter M.. Ergiebige Erklärungen habe er aber nicht geliefert.

Seitdem ist Dr. Tigges nicht zu erreichen. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) Westfalen-Lippe in Münster versucht seit vergangenem Samstag vergeblich, mit Dr. Tigges zu sprechen. “Er ist für uns zurzeit nicht erreichbar”, sagt Sprecher Manfred Sietz. Und: “Die Praxis wurde am 26. Januar aufgelöst.”

Anscheinend wegen finanzieller Probleme. Sietz erzählt, dass die Gerätschaften der Praxis geleast gewesen seien. “Und am Freitag sind diese Gerätschaften offensichtlich von der Leasing-Firma wegen Zahlungsproblemen abgeholt worden.” Vieles deutet also auf eine Pleite der Praxis hin. Sieben Angestellte sollen dort gearbeitet haben. Beim Dortmunder Amtsgericht ist aber kein Insolvenzantrag gestellt worden, wie ein Sprecher auf WAZ-Anfrage sagte.

Die KZV Westfalen-Lippe ist höchst interessiert, Kontakt zu Dr. Tigges herzustellen, weil sie um ihr Geld fürchtet. Sietz erklärt warum: Die KZV macht für die Zahnärzte die Abrechnungen mit den Krankenkassen. Dabei zahlt die KZV den Zahnärzten vorgezogene Abschläge. Erst wenn später von den Zahnärzten die Abrechnungen geschickt werden, kann sich die KZV das Geld von den Krankenkassen zurückholen. “Wenn keine Abrechnungen kommen, bleiben die Kosten an uns hängen, und letztlich an der Allgemeinheit der Zahnärzte”, sagt Sietz.

Er kündigt eine baldige Anzeige gegen Dr. Tigges an: “Damit werden wir nicht sehr, sehr lange warten. Aber vielleicht kommen uns die Krankenkassen noch zuvor.”

Pleiten von Zahnärzten seien nicht ungewöhnlich. “Wir haben in Westfalen-Lippe fünf bis zehn Insolvenzen pro Jahr”, sagt Sietz. Derzeit gebe es 5030 Mitglieder. Die Einkommen der Zahnärzte würden sinken, u. a. weil die Gebührenordnung seit 19 Jahren unverändert sei.

Das Ehepaar M. weigert sich nun, offenstehende Rechnungen von Dr. Tigges zu begleichen. Erst wollen die beiden wissen, wo die Patientendaten geblieben sind. Derweil gibt es für alle Patienten die Hoffnung auf eine adäquate Weiterbehandlung: Dr. Fritz-Reinhard Kruse, Vorsitzender der KZV-Bezirksstelle Dortmund, bietet die Vermittlung eines Vertretungs- und Notdienstes an (Tel: 8 96 18).

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