Patientin beißt beim Zahnarzt auf Granit

by

 so die NWZ Online

Gebiss löst beim Tragen Würgereiz aus – Prothetik-Einigungsausschuss stellt Mängel fest
MEHR ALS ZWEI JAHRE DAUERTE DER LEIDENSWEG. ZURZEIT IST DIE FRAU KRANK GESCHRIEBEN.

VON THOMAS HUSMANN

OLDENBURG – „Ich bin am Ende, ich kann nicht mehr.“ Die Stimme am anderen Ende der Telefonleitung klingt gebrochen, seit November ist Ellen O. krankgeschrieben. Mehr als zwei Jahre hat sie sich mit einer schlecht sitzenden Zahnprothese herumgequält, ist von Zahnarzt zu Zahnarzt gegangen, von Gutachter zu Gutachter. Bis diesen Mittwoch ohne Erfolg. Erst als die NWZ nachhakte erfuhr die Frau, dass der Prothetik-Einigungsausschuss der kassenärztlichen Vereinigung positiv für sie entschieden hatte. Der Zahnarzt muss den Kassenanteil für den Zahnersatz zurückzahlen, es wurde gepfuscht. Die Entscheidung fiel Ende Januar, die Nachfrage der NWZ beschleunigte das Benachrichtigungsverfahren.

Doch der Reihe nach: Im November 2005 ließ sich Ellen O. von einem Oldenburger Zahnarzt behandeln, der ihr zu einem neuen Gebiss für den Oberkiefer und einer Teilprothese im Unterkiefer riet. „Vom ersten Moment an spürte ich, dass das Gebiss oben nicht richtig saß“, beschreibt die 55 Jahre alte Frau den Beginn ihres Leidensweges. „Alles reine Gewöhnungssache“, entgegnete der Arzt. Ellen O. quälte sich weiter: „Ich bekam jedes Mal Würgereiz, wenn ich die Prothese trug.“ Der Arzt schliff mehrmals nach, es verbesserte sich nichts.

Schließlich verfasste die Frau im September 2006 eine an die AOK gerichtete Mängelrüge. Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes stellte einen Nachbesserungsbedarf fest. Die Frau wechselte den Zahnarzt und der erreichte zumindest eine Verbesserung. Acht Stunden konnte die Geplagte das Gebiss tragen, dann stellte sich der Würgereiz wieder ein.

Im April stellte sie bei der AOK einen neuen Antrag auf eine Mängelrüge, ein Gutachter der kassenärztlichen Vereinigung bestätigte im Mai die Mängel und Differenzen. „Der Prothetik-Einigungsausschuss forderte aber weitere Unterlagen an“, daher die Verzögerung, begründet Uwe Heep, Geschäftsbereichsleiter Zahnersatz bei der AOK, den Zeitverlust. Dann verlangte der Ausschuss im November ein weiteres Gutachten, das wieder zugunsten von Ellen O. ausfiel. „Mit diesem Gebiss können sie nicht beißen und essen“, bescheinigte ihr der als Gutachter bestellte Arzt.

Der Ausschuss trat Ende Januar erneut zusammen und entschied: Dem Mängelanspruch wird stattgegeben, es wurden umfangreiche Mängel festgestellt, der Arzt muss den Kassenanteil zurückzahlen. Ellen O. kann nun auch ihren Eigenanteil einfordern. 2373,41 Euro kostete der Zahnersatz, 1367,68 Euro schoss die Kasse dazu.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s


%d bloggers like this: