Zahnärzte zanken um einen Apfel

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die Schwäbische Zeitung hat in einem umfangreichen Artikel die Sache aus der Sicht von der Kieferorthopädin Dr. Dorothea Laupheimer dargestellt, was wir unseren Lesern natürlich nicht vorenthalten wollen:

Zahnärzte zanken um einen Apfel

LAUPHEIM – Ein knackiger grüner Granny Smith ist in der Zahnarztwelt zum Zankapfel geworden. Die Kieferorthopädin Dr. Dorothea Laupheimer hat sich solch einen Apfel für ihre Praxis beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen lassen. Zahnärzte in ganz Deutschland sind darüber empört.

Es herrscht Aufruhr in der Welt der Zahnärzte, und alle Blicke sind derzeit auf Laupheim gerichtet. Die Kieferorthopädin Dr. Dorothea Laupheimer hat sich einen grünen Apfel schützen lassen, ihre Anwälte haben seither rund zehn Kollegen die Nutzung eines solchen Emblems untersagt. Ein Thema, das die zahnärztliche Fachpresse seit einigen Wochen rauf und runter hechelt. In Leserbriefen und Internetforen machen Kollegen der Laup-heimer Kieferorthopädin ihrer Empörung Luft. Dass man sich das Bild eines Apfels schützen lassen kann, wollen sie schlichtweg nicht einsehen.

Der grüne Granny

Aber der Reihe nach. 2006 hat Dr. Dorothea Laupheimer den Apfel beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen lassen. “Der Apfel soll für unsere ganzheitliche Behandlung stehen, für unser ganz spezielles Angebot im Bereich der Kieferorthopädie”, erklärt Laupheimer. Stoßen die Patienten künftig etwa im Internet oder in Anzeigen auf den grünen Granny, dann sollen sie das mit der Laupheimer Praxis in Verbindung bringen.

Ein Patient aus dem Schwarzwald machte Dr. Laupheimer nun darauf aufmerksam, dass ein Arzt im Badischen mit eben solch einem Apfel wirbt. Laupheimers Anwalt forderte ihn daraufhin auf, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben; er solle künftig nicht mehr mit dem Apfel werben. So erging es inzwischen rund zehn weiteren Kollegen. Einer hatte empört argumentiert, andere Zahnärzte würden ebenfalls und schon seit Jahren mit dem Apfel werben. Er nannte 28 entsprechende Internetseiten. Bei sieben erkannten Experten Verwechslungsgefahr mit Laupheimers Granny. Auch diese Kollegen bekamen den Brief von Laupheimers Anwalt. “Ich habe nicht gezielt im Internet nach Äpfeln gesucht”, versichert die Kieferorthopädin. “Aber in so einem Fall war ich gezwungen zu handeln. Hätte ich es nicht getan, hätte die Gefahr bestanden, dass ich das Recht auf die Marke verliere.”

Anrufe in der Nacht

Für Dorothea Laupheimer hagelt es seither Kritik. “Ich bekomme Drohmails und -briefe, Anrufe mitten in der Nacht”, sagt sie und sieht sich einer Hetzkampagne ausgesetzt. Kann man sich einen Apfel tatsächlich schützen lassen? Diese Frage treibt die Zahnarztkollegen um. Das Patent- und Markenamt hatte zumindest keine Einwände und erteilte den Markenschutz. “Frau Laupheimer hat einfach die geniale Idee gehabt, das als Marke einzutragen”, sagt Dr. Joachim Schmid, Anwalt der Kieferorthopädin. Er wundert sich über die Wellen, die das Thema schlägt, und argumentiert: “Bei der Firma Apple fragt sich doch auch keiner, ob das geht oder nicht.” Teil des Problems ist seiner Ansicht nach, dass es “unter Zahnärzten einfach nicht üblich ist, markenrechtlich zu denken”.

Frische und kraftvolles Zubeißen

Auch eine Firma für zahnärztliches Zubehör, Dentsply Friadent aus Mannheim, hat sich der Sache angenommen. Sie hat beim Patent- und Markenamt inzwischen einen Antrag auf Löschung der Apfel-Marke gestellt. “Wir sind der Rechtsauffassung, dass solch ein Apfel nicht schutzfähig ist”, sagt Stephan Jorewitz von der Marketingabteilung. “Es ist schon seit Jahren so, dass ein Apfel bei Zahnärzten für Frische und kraftvolles Zubeißen steht.” Über den Antrag auf Löschung ist noch nicht entschieden.

Empört hat die abgemahnten Zahnärzte nicht nur, dass sie nicht mehr mit dem saftig-frischen Obst werben dürfen. Sie mussten auch einige tausend Euro an Anwaltsgebühren bezahlen. “Viele denken, ich profitiere finanziell von der Sache, aber von dem Geld geht kein Cent an mich. Im Gegenteil, ich habe eine Menge Arbeit und Ärger damit”, rechtfertigt sich Laupheimer. Ihr Anwalt riet ihr, ihr Recht mit den Schreiben an die Kollegen durchzusetzen. “Es ist ja nur normal sich zu regen, wenn jemandes Markenrecht verletzt wird. Wer eine Marke hat, kann schließlich nicht zulassen, dass sie verwässert wird”, sagt der Anwalt. Die Zahnärzte wussten offenbar nicht, dass es sich bei dem Apfel um eine geschützte Marke handelt. “Unwissenheit schützt aber vor Strafe nicht”, findet Schmid. Die Kritik an seiner Mandantin versteht er nicht: “Hier wird das Opfer zum Täter gemacht.”

Dorothea Laupheimer versichert, dass sie mit vielen der abgemahnten Zahnärzte versucht hat Kontakt aufzunehmen. “Die meisten wollten aber gar nicht einsehen, dass sie im Unrecht sind. Sie pochten einfach darauf, dass ein Apfel nicht schützbar sei.”

Und so bleibt der knackige Grüne weiterhin ein Zankapfel. Für den sich übrigens auch schon das Fernsehen interessiert. Vergangene Woche drehte ein Team der ZDF-Sendung “Wiso” in Laupheim. (Text dazu weiter unten)

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One Response to “Zahnärzte zanken um einen Apfel”

  1. der badisch-schwäbische Apfelkrieg « aus Baden und für Badner Says:

    […] der Beteiligten nicht schon längst zum finanziellen Albtraum geworden wäre. Der badische Blog und dental!fe kennt die […]

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