einst Basketballmeister – heute Zahnärzte

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Zahnärzte und Anwälte erinnern sich sehr unterschiedlich

Meister von 1978 sind in ganz Deutschland verstreut – Augenzwinkern von Roland Peters

GIESSEN (wol). Mannschaftssport schweißt zusammen, Erfolge mit der Mannschaft verbinden die Sportler für ein Leben lang miteinander. Sagt man. Ebenso heißt es, dass ein und dieselbe Lebenssituation von jedem anders wahrgenommen und in Erinnerung behalten wird. Die letzte Gießener Basketball-Meistermannschaft von 1978 bestätigt beide Behauptungen. Was die Erinnerung angeht, fragten wir nach bei den Gefeierten vom 1978er-Meisterteam: Wie erinnerst du dich an den letzten Schritt zur deutschen Meisterschaft in Wolfenbüttel?
Zahnarzt Roland Peters, mittlerweile dreifacher Großvater, stolzer Vater eines dreijährigen Nesthäkchens und beheimatet im friesischen Saterland, war der Mann mit der goldenen Hand in den Schlussminuten von Wolfenbüttel. Mit einem Augenzwinkern und eigentlich nur für den Privatgebrauch denkt er gerne zurück an “die schreckgeweiteten Augen der Wolfenbütteler, als ich mit erschreckender Präzision das orangene Runde ins orangene Runde versenkte.” Danach erinnert sich Roland vor allem an “vernichtete” Jägermeisterflaschen in einem Gießener Balkan-Restaurant.
Alkohol spielt auch in den Erinnerungen des Wahl-Berliners Matzi Strauß, ebenfalls seit vielen Jahren Zahnarzt , eine herausragende Rolle – allerdings vor dem Spiel! Er habe an diesem Tag nicht so toll gespielt, doch “das einzige was ich nie vergessen werde, ist der Sch… Spruch vorm Sprungball: Wer hat den Sieg, die Niederlage – noch völlig offen ist die Frage – doch eines, das ist sonnenklar – ein Wolterspils schmeckt wunderbar.” Nach Meinung von Strauß, der nach seiner Gießener Zeit noch sehr erfolgreich in Berlin auf Korbjagd ging, sei dieser Spruch schon Grund genug gewesen, Wolfenbüttel den Allerwertesten aufzureißen.
Noch deutlich martialischer fallen die Erinnerungen von Bobby Minor aus. Der kampfstarke kleine Center, mittlerweile seit vielen Jahren im norddeutschen Ganderkese wohnhaft und in Delmenhorst als Rechtsanwalt und Notar tätig, denkt allerdings vor allem an die rauschhafte Zeit nach dem Schlusspfiff. Busfahrer Theo Esch hatte vor Beginn der Endrunde versprochen, seine Kopfbedeckung zu verbrennen, wenn der Coup gelingen sollte. Noch auf dem Parkplatz ging die Schiebermütze zur Melodie von “Theo, wir fahr´n nach Lodz” und der Zeile “Theo, jetzt brennt die Kapp´” in Flammen auf. Außerdem fällt Minor ein: “Theo versorgte die Wolfenbütteler Bevölkerung über die Außenlautsprecher des Mannschaftsbusses und mit Unterstützung der Gruppe ,Queen´ auch mit der Information über die wahren Champions.”
Die Erinnerung an das Spielgeschehen von Wolfenbüttel fällt bei den damals viel weniger eingesetzten Bankspielern Günther Lindenstruth, der als Oberstudienrat am Herder-Gymnasium Gießen treu geblieben ist, Auswechselcenter Ebi Bauernfeind (Risiko-Manager bei der Deutschen Leasing in Bad Homburg), Spielmacher und dem heutigen Kaffeehausbesitzer in Bayreuth Ingo Froese (“Es war ein tolles Gefühl. Die harte Arbeit hatte sich gelohnt. Das kleinste Team hat es den Großen gezeigt.”) weniger prägnant aus. Aber alle erinnern sich an die Bedeutung der mannschaftlichen Geschlossenheit über die gesamte Saison. Minor: “Wir waren als Mannschaft gereift.” Und auch Mannschaftskapitän Hansi Hess, als selbstständiger Versicherungs-Agent in Langgöns lebend, wie auch der Gießener Journalist Ulrich Strack wissen mehr von den Feiern danach als vom entscheidenden Spiel selbst. Hess: “Ich war an dem Tag nicht so gut”.
Aber alle signalisieren, dass diese Meisterschaft für immer ein Höhepunkt in ihrem Leben bleiben wird. Dass sie sich immer verbunden bleiben. Und geplant wird auch schon an einem Wiedersehen – vielleicht im Herbst, etwas mehr als 30 Jahre nach dem Coup von Wolfenbüttel.
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One Response to “einst Basketballmeister – heute Zahnärzte”

  1. Kalle Biskup Says:

    Hi Roland, bin heute früh mit Gedanken an unsere Zeit in Athen vor 40 Jahren aufgewacht und schau mich mal so ein wenig um, wen ich hier im Internet finden kann. Sehr gut geschrieben und trifft die Zeit von damals sehr gut. Ich hatte in dieser Saison ja bei Wolfenbüttel gespielt und in der Saison hingeschmissen.
    Lieben Gruß Kalle

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