Archive for June 3rd, 2008

Briefwechsel Hendges – Oesterreicher geht auf adp weiter

June 3, 2008

Hendges: „Hauszahnarzt mit eingeschränktem Leistungsspektrum unerträglich“

Originaltext ist auf adp-medien zu finden

Zu der in dieser Woche vom Vorsitzenden des Deutschen Zahnärzte Verbandes e.V. (DZV) Martin Hendges angestossenen öffentlichen Diskussion über die wichtigen Themen zahnärztliche Fort- und Weiterbildung (Stichworte „Hauszahnarzt“, „Spezialisierung“, weitere Fachzahnarztbezeichnungen) gab es eine sehr schnelle und ausführliche Reaktion des Vizepräsidenten der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) Dr. Dietmar Oesterreich (siehe Meldungen unter „Aktuell“ am 28. und 30.05.08). Ergänzend veröffentlichen wir heute auch noch das Antwortschreiben des DZV-Vorsitzenden vom 29. Mai 2008:

Fort- und Weiterbildung

Sehr geehrter Herr Dr. Oesterreich,

herzlichen Dank für die schnelle Beantwortung meines offenen Briefes an Sie in Sachen Fort- und Weiterbildung. Ich freue mich sehr, dass Sie zum einen klar herausgearbeitet haben, den Generalisten stärken zu wollen und zum anderen mit Sorge dafür tragen wollen, dass die Diskussion über eine mögliche Änderung der Musterweiterbildungsordnung offen und sachlich geführt werden kann.

Das von Ihnen angesprochene Miteinander von „Zahnärzten“ und „Spezialisten“ kann nach meiner Auffassung nur funktionieren, wenn der Zahnarzt eigenverantwortlich entscheiden kann, wann, wofür und an wen er seine Patienten überweisen will. Keinesfalls darf dieses Miteinander so aussehen, dass Krankenkassen bzw. private Kostenerstatter navigieren oder dass „Spezialisten“ einfordern, einzig und allein die ihrer Spezialisierung zuzuordnenden Leistungen erbringen zu dürfen. Hier spielen u.a. forensische Aspekte eine große Rolle.

Wenn Sie in dem Zusammenhang die Vorstellungen von Prof. Noack im Weißbuch der ZahnMedizin Band 2 mit in die Diskussion einbeziehen, wird deutlich, welch Zündstoff in dem Begriff „Hauszahnarzt“ steckt. Die Rede ist von einem wie bereits von mir im offenen Brief zitierten „eingeschränkten Leistungsspektrum“. Genau das kann nicht die Folge einer von Ihnen aufgeführten fachlichen Weiterentwicklung im Bereich der Zahnmedizin sein.

Bei allem Verständnis für die fachlichen Aspekte in Sachen Fort- und Weiterbildung ist es für mich als Standesvertreter in gleichem Maße wichtig, die betriebswirtschaftlichen Interessen der Zahnärzteschaft zu vertreten und sich mit allen Kräften und Mitteln dafür einzusetzen, akzeptable Rahmenbedingungen für die Berufsausübung in selbstständig und freiberuflich geführter Praxis schaffen zu können. Insofern müsste die derzeitige Entwicklung im Gesundheitswesen genug Anlass zur Sorge geben, wenn wir zur Kenntnis nehmen müssen, wie despektierlich die Politik mit Ärzten, Zahnärzten und anderen Leistungsträgern im System umgeht.

Daraus erwächst meine Forderung, nicht jetzt auch noch aus den eigenen Reihen eine weitere Differenzierung des Berufsstandes voranzutreiben. Damit meine ich nicht Sie persönlich, sondern diejenigen, die im Markt „Fort- und Weiterbildung“ ihr Heil suchen und wie z.B. viele Hochschullehrer überhaupt nicht die Probleme der täglichen freiberuflich geführten Zahnarztpraxis kennen! Wer nicht selbst fühlen muss, was er einfordert, hat gut reden. Insofern ärgert es mich über alle Maßen, wenn solche „Gralshüter der Fort und Weiterbildung bzw. Spezialisierung“ im Zusammenhang mit dem Begriff „Hauszahnarzt“ dann auch noch von sektoralen Budgets sprechen.

Von daher wünsche ich mir, dass genau diese Aspekte mit in die Diskussion einbezogen werden. Wer diese außen vor lässt, handelt der Kollegenschaft gegenüber fahrlässig und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, wohl eher die eigenen Interessen in den Vordergrund rücken zu wollen.

Ich bin mir aber sehr sicher, dass wir auch bei diesem Punkt nicht auseinander liegen, sondern vielmehr gemeinsam versuchen, die Interessen der Zahnärzteschaft breit gefächert zu vertreten.

Herzliche und kollegiale Grüße

Martin Hendges

DZV-Vorsitzender“

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Tausende Patienten klagen über Behandlungsfehler

June 3, 2008

so Spiegel Online unter der Berufung auf Bild

Patienten wehren sich immer häufiger, wenn sie sich falsch behandelt fühlen. Laut Presseberichten wurden im vergangenen Jahr 10.432 Beschwerden gegen Ärzte eingereicht – 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Fehler passierten bei Hüft- und Kniegelenksoperationen.

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Berlin – Patienten sehen ihre Ärzte immer kritischer: Zeitungsberichten zufolge setzen sie sich immer häufiger zur Wehr, wenn sie den Verdacht eines Behandlungsfehlers haben. So nahm die Zahl der Beschwerden wegen möglicher Fehler des Arztes im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent auf 10.432 zu, berichten die “Bild”-Zeitung und die “Frankfurter Rundschau” unter Berufung auf die Bundesärztekammer. 2006 seien 10.280 solcher Begutachtungsanträge eingegangen.

Die ärztlichen Prüfstellen trafen den Angaben zufolge im Jahr 2007 insgesamt 7049 Sachentscheidungen, schreibt die “FR” weiter. Bei knapp einem Viertel davon, in 1717 Fällen, seien Behandlungsfehler oder Mängel bei der Risikoaufklärung der Patienten nachgewiesen worden, die “ursächlich für einen Gesundheitsschaden” gewesen seien. In diesen Fällen hätten sich nach Angaben der Ärztekammer für die Patienten Ansprüche auf Entschädigung ergeben.

Am häufigsten kommt es der “Bild” zufolge bei Hüft- und Kniegelenksoperationen zu Fehlern. 228 Mal hätten die Gutacher Patienten Recht gegeben, die wegen Hüftgelenksarthrose in Behandlung waren, 194 Mal habe es Schadenersatz wegen einer fehlerhaften Behandlung bei Kniegelenksverschleiß gegeben.

“Was die Schlichtungsstellen veröffentlichen, ist nur die Spitze eines Eisberges”, sagte Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, in der “FR”. Viele Behandlungsfehler würden gar nicht erst begutachtet, “weil es schwer ist, zweifelsfrei festzustellen, dass ein Fehler vorliegt”. Auch berichteten viele Patienten, dass es “ganz schwierig” sei, unabhängige Gutachten zu bekommen.