Archive for June 4th, 2008

ob sich Pischel damit viele Freunde gemacht hat?

June 4, 2008

Oh, oh, siehe Überschrift – wir zitieren mal den Kommentar aus der aktuellen DZW:

Es gibt kaum ein Gebiet in der Berufspolitik, in dem die Standesvertreter so sehr die Realität der Entwicklungen zu negieren suchen, um ihre überholten Dogmen von der Einzelpraxis und dem Zahnarzt, der qua Approbation das Recht erworben hat, alles zu können und jede Therapie leisten zu dürfen, weiter pflegen zu können, als in der Frage der Spezialisierung. Der Briefwechsel zwischen dem Vorsitzenden des Deutschen Zahnärzte-Verbands (DZV), ZA Martin Hendges, und dem Vizepräsidenten der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Dr. Dietmar Oesterreich, und vor allem die Diskussionen um den HTA-Bericht zur wissenschaftlichen Evidenz der Kieferorthopädie (die DZW berichtete) liefern eklatante Beweise für dieses Auseinanderklaffen von Realität und berufspolitischer Deutung und Zielfindung.

Der DZV will keinesfalls mehr das Wort vom „Hauszahnarzt“ vonseiten der BZÄK in den Mund genommen sehen, sei doch im allgemeinmedizinischen Bereich der „Hausarzt“ nur noch ein „Mediziner zweiter Klasse“. Wie kommt man zu dieser Deutung, ist doch der Allgemeinzahnarzt von der Politik künftig als „Lotse“ zur fachärztlichen Versorgung bestimmt?

Hat man sich im DZV-BZÄK-Disput auf den „Generalisten“ geeinigt, den es gemeinsam künftig zu fördern, ja zu schützen gelte, weicht man in der Auseinandersetzung um die wirklich zu lösenden Fragen – Weiterbildungsordnung, Leistungsabgrenzung Spezialist/Allgemeinpraktiker ja oder nein und in welchem Umfang und unter welchen Voraussetzungen, Vertrags- und Kooperations-/Überweisungsrichtlinien – gemeinsam den Themen aus. Bewusst, weil man das heiße Eisen, nämlich die Frage, ob trotz der ungeheuren medizinischen Entwicklungen, aber auch angesichts der Mankos in der universitären Grundausbildung jeder Zahnarzt jede Leistung – ohne besondere Voraussetzungen in Fort- und Weiterbildung erfüllt zu haben –, noch erbringen und erst in zweiter Linie auch abrechnen kann, nicht anpacken will. Eine Frage, die die Berufspolitiker unter dem Thema „Generalist“ und „Spezialist“ ohne jede nähere Ausdeutung und Anspruchsdefinition zu subsumieren versuchen und bei der sich jede Richtung ihre eigenen Luftschlösser baut.

Der Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden (BDK) als Vertretung der Fachzahnärzte für Kieferorthopädie versucht gemeinsam mit der wissenschaftlichen KfO-Gesellschaft den „Zahnarzt“ aus der KfO-Therapie zunehmend hinauszudrängen. Die KfO-Hochschulvertretung sagt offen, an der Universität hat kein Zahnarzt KfO gelernt, und der Berufsverband meint, die Kieferorthopädie sei so wissenschaftlich anspruchsvoll geworden, nur der „Fachzahnarzt“ kann das bewältigen. Der im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) erstellte HTA-Bericht stellt dagegen die Evidenz der Kieferorthopäden aufgrund mangelnder medizinisch-wissenschaftlicher Studien infrage. Ein Eindruck, den die Berufspolitik – Betriebswirtschaft im Hinterkopf – mit der nun langjährigen KfO/Ästhetik/Kosmetik-Leistungskampagne noch bestärkt, was wiederum eine Ausgrenzung weiterer Teile der KfO aus der Medizin provoziert.

Was die KfO braucht, ist eine verstärkte Reintegration in die Zahnmedizin als Partner in der Prothetik oder Parodontologie, der restaurativen Zahnheilkunde mit der Leistung des KfO-Spezialisten/Fachzahnarztes. Wobei der „Fachzahnarzt“ deutscher Provenienz weitgehend aus der Praxis und nicht aus der Universität – im Zuge des Bologna-Prozesses ebenso – noch auf den Prüfstand kommen wird. Ein Thema, das für die Kammern bisher völlig tabu ist.

Deshalb das Ausweichen hin zum „Spezialisten“. Das Bundesverfassungsgericht hat klare Anforderungen an den „Spezialisten“ gestellt: überwiegende Praxisleistung im Bereich der Spezialisierung, aufbauend auf einer gesicherten, überprüften Fortbildung im Fachgebiet. Wer hat nicht alles schon einen von Berufsverbänden und sogenannten Fachgesellschaften kreierten Spezialisten erworben – jede zweite Woche ein „Spezialgebietsfall“ – und führt ihn von der Kammer unbehelligt. Weil man sich in den Kammern nicht an das Problem heranwagt, müsste man doch klare Kriterien und Definitionen für den „Spezialisten“ formulieren, die künftig nur über eine postgraduale universitäre Fort- und Weiterbildung, ebenfalls als Ergebnis des Bologna-Prozesses, zu realisieren sind.

Natürlich wird damit aber auch das Leistungsbild des „Generalisten“ oder „Allgemein-/ Hauszahnarztes“ belastet, wenn nicht gar eben eingeschränkt. Das berufspolitische Dogma „jeder kann und jeder darf alles“, das forensisch längst höchst fragwürdig ist, würde durch die Körperschaften selbst zu Fall gebracht werden.

Darum das Herumeiern und Verschieben einer voraussetzungsorientierten Beratung einer verbindlichen Fort- und Weiterbildungsordnung in Kammern, Berufsverbänden und Fachgesellschaften. Nur vertreten diese bald nicht mehr die Mehrheit der Zahnärzte, denn heute sehen schon 40 Prozent aller Zahnärzte im „Spezialisten“ die Zukunft und unter dem Nachwuchs im Beruf ist es eine Mehrheit. Die entsprechenden Praxisorganisations- und Kooperationsformen existieren längst, die Möglichkeit zu Sonder- und Einzelverträgen mit Kostenträgern ebenso. Was fehlt, ist eine realistische, medizinisch-wissenschaftlich basierte, gesicherte und überprüfbare Weiterbildungsordnung.

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Auch die DZW nimmt Disput Hendges-Österreich auf

June 4, 2008

Sehr schön: endlich passiert etwas – die DZW greift den Streit um die Musterweiterbildung auf – auch wir berichteten (siehe unten):

Generalist ja, „Hauszahnarzt“ nein, keine weiteren „Fachzahnärzte-Gebiete“

Disput zwischen DZV und BZÄK um Fort- und Weiterbildungsordnung in der DZW

„Ich darf Sie eindringlich bitten, den Begriff des ,Hauszahnarztes‘ nicht mehr zu verwenden oder ihn gar aktiv zu promoten“, schreibt der Vorsitzende des Deutschen Zahnärzte Verbands (DZV), ZA Martin Hendges, an den Vizepräsidenten der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) Dr. Dietmar Oesterreich. Hendges fordert für den DZV, eine vornehmlich auf Nordrhein konzentrierte Frei-Verbands-Organisation, von Oesterreich, dass eine „offene und grundlegende wie sachliche Diskussion über eine Veränderung der Weiterbildungsordnung“ auf der Bundesversammlung der BZÄK im Herbst „in Gang gesetzt wird“. Oesterreich sieht im „Zahnarzt“ den „Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“, betont aber, dass eine Pflichtweiterbildung zum „Spezialisten für orale Medizin“ oder zum „Fachzahnarzt für allgemeine Zahnheilkunde“ nicht seinen berufspolitischen Vorstellungen entspricht. Angestoßen worden war der DZV/BZÄK-Disput durch einen DZW-Beitrag (Ausgabe 21/08) mit dem Titel „Überweiserkultur muss sich entwickeln – keiner kann mehr alles können“. Darin war Oesterreich zitiert worden, dass es für den „Hauszahnarzt“ und den fachlich spezialisierten Kollegen gleichermaßen gute Chancen gibt. Aufgrund der Diskussionen um die Rolle des „Hausarztes“ in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kritisiert Hendges vor allem die Nutzung des Begriffs vom „Hauszahnarzt“. Hendges: „Mediziner zweiter Klasse“ könne man auch all die nennen, die aufgrund des eingeschränkten (Be-)Handlungsspektrums nicht mehr allzusehr daran interessiert seien, sich in allen Bereichen fortzubilden. Ärzte, deren praktische Erfahrungen nicht größer werden, weil sie mehr und mehr beraten und den Patienten im System navigieren. Die Kassen würden den Kampf um die Budgetverteilung zwischen Hausärzten und Fachärzten mit Freuden aufnehmen und die einzelnen Gruppen gegeneinander ausspielen.

Der BZÄK-Vizepräsident bestätigt, dass er die „Tendenz zum selbst ernannten Spezialisten sehr kritisch sieht“. Die BZÄK habe vor dem Hintergrund der zahlreichen Entwicklungen und Diversifizierungstendenzen des Berufsstands im Rahmen des Konzeptes zur modularen Fort- und Weiterbildung Ordnungsprinzipien vorgelegt und durch die Bundesversammlung verabschieden lassen. Oesterreich: „Dies war notwendig geworden, um den Fachzahnarzt als höchste Stufe der Qualifizierung der Zahnärzte herauszustellen und gleichzeitig die zahlreichen Fortbildungsmöglichkeiten einzuordnen.“

Für Oesterreich ist der Zahnarzt der Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, er stellt aber eindeutig fest, dass „die Eigenständigkeit des zahnärztlichen Berufsstands durch das Zahnheilkundegesetz erhalten bleiben muss“. Der BZÄK-Vize will den Generalisten gestärkt sehen, glaubt aber dem vom DZV aufgezeigten Szenario zum „Hauszahnarzt“ nicht folgen zu können. Hier seien die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZVen) in einem „strategisch klugen Umgang in der verteilungspolitischen Debatte“ gefordert.

In einer weiteren Antwort des DZV-Vorsitzenden Hendges vom 29. Mai auf die Oesterreich-Replik vom selben Tag meint Hendges, dass vom Standesvertreter auch die „betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten“ besonders zu beachten seien. Der Zahnarzt müsse eigenverantwortlich entscheiden können, „wann, wofür und an wen er seine Patienten überweisen will. Keinesfalls darf dieses Miteinander so aussehen, dass Krankenkassen beziehungsweise private Kostenerstatter navigieren oder dass ,Spezialisten‘ einfordern, einzig und allein die ihrer Spezialisierung zuzuordnenden Leistungen erbringen zu dürfen. Hier spielen unter anderem forensische Aspekte eine große Rolle.“

Mit Nachdruck weist Hendges die „Vorstellungen“ von Prof. Dr. Michael Noack (Köln) im Weißbuch der ZahnMedizin (Band 2) zurück, der dort für den „Hauszahnarzt“ künftig nur ein „eingeschränktes Leistungsspektrum“ sieht. Das dürfe nicht Folge einer „fachlichen Weiterentwicklung“ sein.

Freier Verband kommt nicht zur Ruhe

June 4, 2008

Christian Berger über Ausschlüsse, Kompromissbereitschaft und Kritikfähigkeit im FVDZ zu adp

ADP veröffentlicht heute folgendes, soeben in den Zahnärztlichen Nachrichten Schwaben (ZNS, Ausgabe Juni 2008) erschienene, Interview:
„Auf der außerordentlichen Landesversammlung des FVDZ am 12. April 2008 in Ingolstadt hatte Bundesvorsitzender Dr. Karl-Heinz Sundmacher noch ein Aufeinanderzugehen der beiden Lager im FVDZ Bayern gefordert, dennoch haben er und sein Vorstand kurz danach langjährige Mitglieder aus Bayern aus dem Verband ausgeschlossen. Wird im FVDZ mit zweierlei Maß gemessen? Die Redaktion sprach mit einem der Betroffenen, Christian Berger aus Kempten.

Der Bundesvorstand hat im März fast den gesamten gewählten Landesvorstand des FVDZ in Bayern ausgeschlossen, was wird ihm zur Last gelegt?

Diese Ausschlüsse begründet der Bundesvorstand damit, dass einige Kollegen – u.a. Landesvorstandsmitglieder – einen Konkurrenzverband gegründet hätten und dass dem FVDZ Schaden zugefügt worden sei und er dadurch geschwächt werde. Diese Gründungsversammlung der „Freien Zahnärzteschaft“ soll im bayerischen Beilngries stattgefunden haben. Ich weiß zwar nicht, aus welcher Quelle der Bundesvorstand des FVDZ seine Informationen speist, denn angeblich soll es auch ein Protokoll geben, das ihm anonym zugespielt worden sei, mir ist im März die Gründung eines solchen Vereins angekündigt worden – vom genannten Zeitpunkt im September 2007 kann jedenfalls keine Rede sein.

Und warum hat man dann Sie ausgeschlossen?

Wenn Sie jetzt eine umfangreiche Anklageschrift erwarten, muss ich Sie enttäuschen. Bei mir gründet sich der Ausschluss allein auf das Editorial vom Oktober in den Zahnärztlichen Nachrichten Schwaben (ZNS), „Ist dieser Freie Verband noch mein Verband?“. Diese Aussage ist übrigens nicht von mir – Präsidenten sagen diesen Satz im Vorstand der Bundeszahnärztekammer, KZV-Vorsitzende sagen ihn in aller Öffentlichkeit. Im Übrigen ist diese Ausgabe der ZNS bewusst vor der Hauptversammlung in Halle veröffentlicht worden, denn ich hielt es nur für fair, die Diskussion offen anzustoßen. Das Editorial ist das Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses in Schwaben und Bayern und drückt, wie mir die Reaktionen gezeigt haben, die Haltung vieler Mitglieder des FVDZ in Schwaben, Bayern und in Deutschland aus. Unter den schwäbischen Freiverbandskolleginnen und -kollegen herrscht große Enttäuschung. Und das hat auch, aber nicht alleine mit der Situation in Bayern zu tun. Nach wie vor bin ich sehr stark in der sog. „Basis“ in Schwaben verankert und habe mehrfach diese Enttäuschung im Bezirks- und Landesvorstand in die Diskussion in Bayern eingebracht – häufiger, als es einem ZBV-Vorsitzenden und Kammer-Vizepräsidenten vielleicht gut tut. Interessanterweise hat der Bundesvorstand nie eine Distanzierung von diesem Editorial verlangt, sondern mir den freiwilligen Austritt nahe gelegt. Auch in der Diskussion auf der Hauptversammlung hat man keinen Ausschluss meiner Person in Erwägung gezogen. Jetzt plötzlich ist es der alleinige Grund.

Wird in Schwaben mit zweierlei Maß gemessen? Sie werden wegen einer Veröffentlichung in den ZNS ausgeschlossen, während Frau Dr. Elisabeth Müller gegen den FVDZ in den Kammerwahlkampf ziehen konnte, ohne dass es für sie Konsequenzen gegeben hätte.

Das müssen Sie den Bundesvorstand des FVDZ fragen, der diese Entscheidungen getroffen hat. Frau Müllers Verhalten ist nach wie vor ein sehr unerfreuliches Thema in Schwaben und darauf gründet hauptsächlich die Frustration der schwäbischen Kolleginnen und Kollegen in Bezug auf den FVDZ. Der Bundesvorstand hat das Verhalten von Kollegin Müller als nicht verbandsschädlich eingestuft, obwohl sie als FVDZ-Mitglied eine eigene Liste kreiert und gegen den FVDZ kandidiert hat. Letztlich hat es ihr in Schwaben nichts genutzt: Sie wurde nämlich nicht gewählt. Was ist denn schädlicher für einen Verband, frage ich Sie: Wenn jemand Kritik übt, oder wenn jemand alles tut, damit der eigene Verband die Wahlen verliert?

Zurück zur vermeintlichen oder erfolgten Gründung eines neuen Vereins. Was ist in Bayern denn anders als in anderen Bundesländern? Es gibt anderswo auch Vereine, die in friedlicher Koexistenz neben und mit dem FVDZ arbeiten, ohne dass dessen Mitglieder gleich ausgeschlossen werden.

Dem FVDZ laufen schlichtweg die Mitglieder davon – und das nicht nur in Bayern. Von 10 bis 20 Prozent ist laut Statistik die Rede – und davon sind alle Bundesländer betroffen. Ich plaudere damit keine Verbandsgeheimnisse aus, das pfeifen inzwischen die Spatzen von den Dächern. Welchen anderen Grund könnte es für die Austritte geben, wenn nicht die Unzufriedenheit mit der Verbandsarbeit? Der Mitgliederschwund beruht nicht nur auf Fehlern der Landesvorstände. In Bayern sind von über 12.000 Zahnärzten nur noch 1.700 selbstständige Zahnärzte Mitglied im FVDZ. Das ist ein Grund, warum ich die Politik des Bundesvorstandes kritisiere. Es fehlt an Perspektiven.

Der FVDZ regt sich fürchterlich darüber auf, was die eigenen Amtsträger in Körperschaften machen, wenn sie beispielsweise als KZV-Chefs Versorgungsverträge mit einzelnen Kassen abschließen, oder wenn die BundesKZV sich über den Basistarif in die GOZ einmischen will – aber zu Ausschlussverfahren führt das nicht. Der Freie Verband sollte sich auf sein eigenes Grundsatzprogramm besinnen und wieder die direkte Beziehung zwischen Zahnarzt und Patient in den Mittelpunkt stellen. Davon ist er meilenweit entfernt, ich weiß wovon ich rede, schließlich habe ich jahrelang im Grundsatzausschuss mitgearbeitet.

Trifft es zu, dass Sie den FVDZ – wie Ihnen vorgeworfen wird – „schlecht geredet und der Leserschaft den Verbandsaustritt nahe gelegt“ haben?

Wenn man das aus dem Editorial herauslesen will, zeigt das, welche Unsicherheit in der Bundesspitze herrscht. Da liegen die Nerven blank. Es gibt ständig Austritte aus dem FVDZ, selbst konstruktive Kritik wird da als destruktiv empfunden. Die Harmoniewelle, auf der der FVDZ in seinem Freifax reitet, bricht schnell zusammen, wenn er im Freifax-Bayern Ende April verkündet, dass wieder „Harmonie in Bayern“ eingekehrt sei, mit gleichem Datum aber Mitglieder im Dutzend ausgeschlossen werden. Harmonie ist doch, wenn ein Kompromiss gefunden wird, mit dem alle leben können. Der Bundesvorsitzende hat auf der außerordentlichen Landesversammlung in Ingolstadt Kompromissbereitschaft gefordert. Wort und Tat passen nicht zusammen, das ist der Grund für viele Austritte. Ich habe im Editorial die durch den Bundesvorstand geschaffene Situation in Bayern kritisiert. Er hat im Spätsommer 2007 die vom Landesvorstand angestrengten Ausschlussverfahren gegen die Dres. Kinner, Schott, Zajitschek und Müller, die dem bayerischen FVDZ und damit auch dem FVDZ allgemein enorm geschadet haben, abgelehnt. So wie sich der Bundesvorstand verhalten hat – da kann man nur den Kopf schütteln: Er hat die Brandstifter laufen lassen und einen Teil der Feuerwehr verhaftet.

Es sieht so aus, als sei Kritik im Freien Verband unerwünscht. Warum ist das so?

Der FVDZ steht nicht mehr für das, wofür er vor über 50 Jahren einmal angetreten ist. Ich habe es ja bereits erwähnt, dass er nicht analog zu seinem Grundsatzprogramm agiert. Er fährt in einem veränderten Umfeld einen Schlingerkurs. Die Kolleginnen und Kollegen an der Basis trauen ihm einfach nicht mehr zu, gegenüber Politik und Gesellschaft die berechtigten Anliegen der Zahnärzteschaft verwirklichen zu können – zumal er offensichtlich nicht einmal seine eigenen Leute im Griff hat.

Wohin geht denn Ihr Weg und wohin geht der Weg des FVDZ?

Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, wofür ich gewählt wurde: Nämlich die Zahnärztinnen und Zahnärzte in Schwaben dahingehend zu unterstützen, den Patienten in den Mittelpunkt der zahnärztlichen Versorgung stellen zu können. Jeder Bürger hat das Recht, über seine Gesundheit selbst zu bestimmen, die Verantwortung hierfür zu übernehmen und Arzt, Therapie und Mehrkosten frei zu wählen. Die Grundlage für eine gute Patienten/Arzt-Beziehung ist ein enges persönliches Vertrauensverhältnis. Und die besten Voraussetzungen für die Verwirklichung der Patientengrundrechte bietet die zahnärztliche Versorgung durch freiberufliche Zahnärzte. Ich zitiere dabei frei aus dem Grundsatzprogramm des FVDZ, das wir 2001 in Würzburg beschlossen haben. Ich hoffe, dass sich auch der FVDZ seiner Grundsätze entsinnt.

Herr Berger, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Anita Wuttke