Archive for June 6th, 2008

Freier Verband oder das Chaos trägt einen Namen

June 6, 2008

“FVDZ: Verkehrte Welt”

Wir veröffentlichen heute den sehr lesenswerten Leitartikel aus der jüngsten Ausgabe von „Bayern Aktuell“ (Unabhängige Pressestelle der Bayerischen Zahnärzte / UPZ). Der Leitartikel stammt aus der Feder der Chefredakteurin von „Bayern Aktuell“, Anita Wuttke.

Es mutet wie eine verkehrte Welt an: Kammern treten freiverbandlich auf, der FVDZ gibt sich KZV-nah und kämpft mehr gegen interne Kritik als für freiberufliche Konzepte. Kritik am Bundesvorstand des freien Verbandes gibt es aus Bayern schon lange — spätestens seit der Abwahl von Dr. Wilfried Beckmann. Dieser wurde nun in München zum Präsidenten der Privatzahnärztlichen Vereinigung (PZVD) gewählt, die sich gleichzeitig auch für Vertragszahnärzte geöffnet hat. Auf der anderen „Seite“ streckt die freiverbandlich geführte Bundes-KZV ihre Tentakel nach der GOZ aus — alles, was den Basistarif der PKV betrifft, bis hin zur Honorarabrechnung und Begutachtung, soll von den KZVen kontrolliert werden. In den Chor der Kritiker hat sich nun auch Kammerpräsident Michael Schwarz eingereiht. Wie jüngst in der DZW zu lesen war, beanstandet er den GOZ-Kurs des FVDZ. Und natürlich darf DZW-Chefredakteur Jürgen Pischel nicht fehlen, der dem Bundesvorstand gar allgemeine Konzeptlosigkeit bescheinigt.

Womit beschäftigt sich der FVDZ also intensiv? Der FVDZ will in seinem Landesverband Bayern aufräumen. Inzwischen ist nicht nur der bayerische Kernvorstand um Dr. Wolfgang Heidenreich betroffen, der Bundesvorstand unter Dr. Karl-Heinz Sundmacher hat im März gegen weitere 10 bis 15 namhafte Mitglieder den Ausschluss aus dem Verband eingeleitet. Ursache ist das anonym zugespielte Protokoll einer angeblich konspirativen Sitzung. Der Bundesvorstand vermutet, dass in dieser Sitzung ein Konkurrenzverband gegründet worden sei. Der Bundesvorsitzende fühlt sich hintergangen, schreibt im Editorial seiner Verbandszeitschrift von „Parallelwelten“ in Bayern. Seine „Säuberungsaktion“ weist Parallelen auf zur Hatz auf angebliche Kommunisten während der McCarthy-Ära der 50-er Jahre in den USA — mit dem Unterschied, dass man sich nicht die Mühe macht, die Betroffenen zu hören.

Welchen Einfluss hat der politische Meinungsführer der Zahnärzte in Deutschland noch, wenn KZV-Vorsitzende und Freiverbandsmitglieder wie Dr. Dietmar Gorski (Westfalen-Lippe) gegen den formulierten Willen des FVDZ eigene Versorgungsverträge innerhalb der GKV abschließen? Der Griff der Bundes-KZV nach der GOZ setzt dem Ganzen die Krone auf. Es ist nicht bekannt, dass gegen dafür verantwortliche FVDZ-Mitglieder ein Ausschlussverfahren eingeleitet wurde. Die Quittung: davonlaufende Mitglieder, nicht nur in Bayern. Der einst mitgliederstärkste Landesverband Bayern wird demnächst nur noch Platz 2 im Mitglieder-Ranking des FVDZ einnehmen, wie man aus gut unterrichteten Kreisen hört. In einem hat Sundmacher Recht: In Bayern wurde tatsächlich ein neuer Verband gegründet – allerdings nicht im September 2007, sondern erst im März 2008: Die Freie Zahnärzteschaft e.V.. Bezeichnenderweise ist ein ehemaliges Bundesvorstandsmitglied des FVDZ Gründungsvorsitzender der neuen Gruppierung: Peter Eichinger aus Passau. Wie erfolgreich der neue Verein sein wird, welchen Kurs er fährt, bleibt abzuwarten. Eines dürfte klar sein: Der Freie Verband wird schwächer, die berufspolitische Landschaft in Bayern dürfte bunter werden. Ob dies einer einigen und starken Zahnärzteschaft dient, sei dahin gestellt. Sundmacher hatte genügend Zeit, es nicht soweit kommen zu lassen. Er hat diese Zeit nicht genutzt.

Anita Wuttke

Quelle: “Bayern aktuell”, Ausgabe 1/2008 vom 10. April 2008

Advertisements