Zahnziehen im Schwarzwald

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gefunden im Blog der Schwarzwälder Zeitung:

Au Backe. Zähneknirschend muss ich erkennen: Der Zahn muss raus, samt Wurzel. Er schmerzt und ich habe es satt, dagegen Penicillin zu nehmen. Der Zahnarzt schildert, wie und was er alles anstellen will an meinem Kiefer. Er macht das so eindrucksvoll, dass ich schon vor der Behandlung in Schweiß ausbreche. Ein Loch im Kiefer, bei dessen Heilung es zu Entzündungen und noch schlimmeren Schmerzen kommen kann ist alles, was bei mir hängen bleibt.

Und schon kommt er mit einer Spritze, die nah vorm Gesicht so riesig aussieht, als ob sie für größere Lebewesen bestimmt ist. Viermal spritzt er das Betäubungsmittel ins Fleisch, zweimal direkt am Zahn. Dann spüre ich nichts mehr. Er fängt an zu graben, ich denke, er will den Zahn nur freilegen, um ihn besser zu erreichen. Doch er gräbt tiefer und tiefer, fachsimpelt mit der Zahnarzthelferin, die die ganze Zeit meinen Kopf festhält. Das wiederum hat auch etwas beruhigendes, obwohl ich mich anfangs wunderte, warum sie mir dabei die Ohren zuhält.

Der Zahnarzt fängt an zu graben, ich denke, er will den Zahn nur freilegen, um besser ihn zu erreichen. Doch er gräbt tiefer und tiefer. Foto: dpa

Nach quälenden Minuten, die ewig scheinen, ist der Durchbruch gelungen. Triumphierend hält der Zahnarzt das Beißerchen in der Hand, begutachtet es und lässt mich daran teilhaben, indem er mir das Objekt der Begierde ganz nah zeigt, direkt vorm Gesicht. Mit dem blutigen Zahn samt Wurzel kann ich wenig anfangen. Eine Demonstration des Doktors am Objekt des Übels ist zwar hilfreich, ich bin aber so fertig und Schweiß gebadet, dass ich nur noch heim will. Die klaffende Wunde versorgt der Profi mit einem in Antibiotika getränkten Tampon und fertig.

Feste Nahrung zu mir zu nehmen traue ich mich noch nicht so richtig, es könnte ja Essen auf die frische Verletzung kommen und das ist unangenehm. Als die Betäubung und das pelzige Gefühl nachlassen und Leben in meine Backe zurückkehrt, fühle ich eine ungewohnte Leere in meinem Mund. Schwer ist es, die Zunge im Zaun zu halten. Dass sie, neugierig wie sie ist, nicht tastet, wie sich die Lücke so anfühlt.

Dann zur Tagesschau ruft er an, mein Zahnarzt und erkundigt sich, wie es mir geht. Eigentlich ganz gut, die Schmerztablette musste ich noch nicht nehmen, was sicher auch an der guten Behandlung liegt. Das kleine Scheißerchen bin ich los – den Schmerz sicher auch bald.

Nächsten Donnerstag, 25.9., ist übrigens Tag der Zahngesundheit. Seit 17 Jahre soll er auf Vorsorge sowie auf Verhütung von Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen hinweisen.
Ich bin ihm zuvor gekommen.

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