Das Zahnarztmekka liegt jenseits von Rafzerfeld

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Unterländer sind gute Kunden der Zahnärzte im deutschen Grenzgebiet. Dort entwickelt sich indes ein regelrechtes Zahnarztzentrum – so der Tagesanzeiger.

Um es vorwegzunehmen: Harte Zahlen gibt es nicht. Keiner wollte sagen, wie viele Schweizer den Dienst eines Zahnarztes jenseits der Grenze in Anspruch nehmen. Weder der Kantonalzahnärztliche Dienst noch die Zahnärzte, die es betrifft. Aber es müssen viele Unterländer sein. Wie sonst erklärt man sich das Ungleichgewicht der Zahnarztdichte im Grenzgebiet? Während im Rafzerfeld mit seinen gut 9500 Einwohnern zwei Zahnärzte praktizieren, haben sich in den deutschen Nachbargemeinden Lottstetten und Jestetten zehn Zahnärzte niedergelassen. Das sei ungewöhnlich, heisst es dazu aus der Bundeszahnärztekammer in Berlin. Normalerweise behandle in Baden-Württemberg ein Zahnarzt durchschnittlich rund 1500 Patienten. Lottstetten und Jestetten müssten demnach ungefähr so gross wie Bülach sein. Tatsächlich leben jedoch in den beiden Gemeinden zusammen gut 7000 Einwohner.

Hauptsächlich Schweizer Patienten

«Unsere Hauptkunden sind die Schweizer», sagt Michael Grosse aus Jestetten. Er und sein Partner Peter Hafner sind Zahnärzte und praktizierten bis vor kurzem in einer Gemeinschaftspraxis in Lottstetten. Nun eröffnen sie ihre eigene Praxis in Jestetten. Zu 85 Prozent kommt ihre Kundschaft aus dem Zürcher Unterland, aus dem Oberland und aus dem Tessin. Warum? «Unsere Patienten profitieren von unserem deutschen Abrechnungssystem, der GOZ», sagt Michael Grosse. Diese Gebührenordnung für Zahnärzte legt den Tarif fest, nach dem Leistungen eines Zahnarztes abgerechnet werden. Diese Tarife sind im Vergleich zu den schweizerischen Tarifen günstig.

«Teilweise sind die Tarife bis zu 60 Prozent günstiger», sagt Oliver Wagner, Geschäftsführer der Firma Medikompass aus München. Sie betreibt seit zwei Jahren die Seite Arzt-Preisvergleich.ch. Pro Monat fragen dort durchschnittlich 100 Interessierte nach einem Preisvergleich einer Zahnbehandlung an. Es sind fast immer Schweizer, die im deutschen Grenzgebiet einen Zahnarzt suchen. Dass ein Deutscher nach einem Schweizer Zahnarzt suche, sei eine absolute Rarität, sagt Oliver Wagner.

Dass dies zum Problem für die Zahnärzte im Grenzgebiet werden könnte, weist man sowohl bei der kantonalen Gesundheitsdirektion als auch bei der Zahnärzte-Gesellschaft des Kantons Zürich von sich. «Wir haben wenige Rückmeldungen», sagt deren Präsident Beat Wäckerle.

Der Rafzer Zahnarzt Serge Ljubenovic erlebt vor Ort, wie sich die deutsche Konkurrenz vergrössert. Das Problem sehe er jedoch nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz selber. Hier gäbe es bereits zu viele Zahnärzte. Seine Strategie: hochstehende Arbeit und umfassender Service. So gibt er eine hundertprozentige Garantie auf seine Leistung ab, die sieben Jahre gültig ist, und er hat zusätzlich einen Notfalldienst für seine Patienten eingerichtet. «Sie können mich jederzeit und überall erreichen», sagt Serge Ljubenovic. Ausserdem hängt sein Taxpunktwert gut ersichtlich im Wartezimmer.

Diese Transparenz ist – obgleich gesetzlich vorgeschrieben – nicht immer vorhanden, beobachtet Alexander Pavlov, Gründer von Medicum, einem Preisvergleicher der Arztkosten innerhalb der Schweiz. Der Taxpunktwert sei der Schlüssel, sagt Alexander Pavlov. In der Schweiz werden die Leistungen nach dem Abrechnungssystem Tarmed verrechnet. Dieses gibt vor, wie viele Einheiten pro Zeit mal Taxpunktwert für eine Leistung abgerechnet werden dürfen. Die Krux: Den Taxpunktwert bestimmt der Zahnarzt selber. Kriterien für eine Festlegung dieses Werts gibt es nicht.

Ausbildung auf gleichem Niveau

Felix Adank von der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft findet, dass es Niveauunterschiede in den medizinischen Ausbildungen gibt. «Das ist ein vorgeschobenes Argument», sagt der Chirurg Oliver Wagner, der in beiden Ländern gearbeitet hat. Dazu gebe es in der Medizin einen viel zu regen akademischen Austausch zwischen Deutschland und der Schweiz. Der Preis sei das Argument für die Abwanderung von Patienten nach Deutschland.

Interessant sind auch die Kommentare auf der Seite des Tagesspiegels


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