KZBV – man gönnt sich einfach mehr Geld

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Interessanter Kommentar von Chefredakteur und Mitherausgeber Jürgen Pischel in der DZW:

Der Zahnarzt bekommt als „Vertragszahnarzt“ von seiner Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) aus den von ihm am GKV-Versicherten erbrachten Leistungen immer weniger Geld. Nicht nur wegen der alljährlich kläglich ausfallenden Bema-Punktwertanhebung, die längst nicht der Höhe der Preissteigerung entspricht, also nicht einmal einen Inflationsausgleich bringt, sondern auch aufgrund der Regelungen der Budgetierung.

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Will er für den Patienten eine gute Zahnheilkunde erbringen, ob in der Füllungstherapie oder bei Zahnersatz, aber auch bei vielen anderen Leistungen, zum Beispiel in der Endo- oder PAR-Therapie bis hin zur Implantologie, muss er mit dem Patienten eine Privatvereinbarung treffen. Gute Praxen machen schon heute mit den Patienten mehr als die Hälfte ihrer Honorarumsätze auf diesem Weg. Aber für den Kassenanteil ihrer Leistungen müssen sie immer mehr an die KZV und nun indirekt vor allem an die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), ihre „Spitzenvertretung“, bezahlen. Denn diese hat auf der letzten Vertreterversammlung (VV) in Stuttgart Ende Oktober die Beiträge für 2009 um satte 11 Prozent erhöht, um bald eineinhalb Millionen Euro mehr von den Praxen kassieren zu können. Die Begründung: Wir brauchen mehr Personal, eine viel teurere Berlin-Repräsentanz für die KZBV, die ebenso wie die Redaktion der Zahnärztlichen Mitteilungen (zm) in neue Räume näher an den „Puls der Nation“ ziehen wird.

So wird allein die Kaltmiete für die ZM-Redaktion einen sechsstelligen Mehraufwand erfordern, statt 15 Euro sollen es künftig 25 bis 28 Euro pro Quadratmeter sein. Wozu eigentlich? Noch dazu, wenn man bedenkt, dass sich laut KZBV-Haushalt die ZM-Redaktion nicht aus Anzeigenerlösen finanziert wie jede andere Fachredaktion – dafür erhalten die ZM-Herausgeber KZBV und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) zu geringe Anteile vom Verlag refundiert – sondern aus den Zwangsbeiträgen hoch subventioniert werden muss.

Einige Gegenstimmen und Enthaltungen vermerkt das Protokoll zum Griff in die Beitragskasse des einzelnen Zahnarztes. Warum wurde angesichts der erheblichen Finanzrücklagen, die die KZBV-Spitze besitzt, von den Delegierten Sinn, Zweck und Notwendigkeit der Beitragserhöhungen nicht weiter hinterfragt? – Ganz einfach: Die Mehrheit in der KZBV-VV stellen sogenannte Hauptamtliche, also eigentlich Angestellte der KZVen, und die können nun mit dem Rollgriff der KZBV beim Beitrag – das mehr als Zehnfache der letzten durchschnittlichen Bema-Punktwertanhebung – nach Hause in die eigene VV gehen und dort mit Verweis auf die Bundesspitze zwecks Beitragserhöhung einen eigenen kräftigen Angriff auf die Kassen der Kassenzahnarztpraxis starten.

Wie sah der KZBV-Vorsitzende Dr. Jürgen Fedderwitz auf der gleichen VV die Zukunft der KZVen und damit seiner KZBV? Bei steigendem finanziellen Druck könne auch die Begehrlichkeit der Politik steigen, die Zahnmedizin aus der GKV auszugliedern. Die Zahnmedizin, so sieht der „Boss der Kassenzahnärzte“ die Realität der nächsten Jahre, werde Zug um Zug in das Privatverhältnis Zahnarzt/Patient verschoben. Dies natürlich nicht, so der KZBV-Chefbürokrat, ohne „stringente Auflagen an die Leistungserbringung, zum Beispiel gebundene Gebühren nach bematisierter GOZ“.

Übrigens: Mit der Prognose der zunehmenden GKV-Ausgrenzung der Zahnheilkunde steht Fedderwitz nicht alleine. Auch wissenschaftliche Institute sehen mit der schon heute absehbaren Notwendigkeit, die Beiträge zum Gesundheitsfonds ab 2010 anzuheben, den Ruf lauter werden, weitere Teile der Zahnheilkunde der Privatabsicherung mit einem Zwangsbeitrag zuzuführen.

Das politische Szenario hatte man richtig erkannt, also hieß es in der KZBV, jetzt schon vorzusorgen. Solange es noch eine gewisse Berechtigung gibt: Die Beiträge kräftig rauf, jetzt mehr Personal herein, weil man ja für künftig weniger Aufgaben vorbeugen muss – das ist das Grundprinzip jeder Bürokratie. Und mit der Hauptamtlichkeit der KZV-Vorstände hat man – im Gehaltsschema die Spitzeneinkommen der Bosse der allergrößten Krankenkassen, deren Verwaltungskosten man früher so gerne geißelte, übertrumpfend – schnell gelernt. Man geht ja, siehe Ausbau der eigenen politischen Repräsentanz in Berlin, wöchentlich mit den Ministerial-, Kassen- und anderen Verbandsbürokraten um.

Fazit: wie in der „großen Politik“, so in der zahnärztlichen Berufspolitik. Immer weniger Leistung für die Kassenzahnärzte von der Zwangskörperschaft, die aber immer noch mehr Geld will, um dieses Weniger an Leistung zu erreichen und zu verwalten. Das ist dann der von der Politik verkündete Segen der „Professionalisierung“ der Standespolitik durch „Hauptamtlichkeit“ der Vorstandsbürokratie. Je mehr Macht sie hat, umso breiter und besser kann sie sich selbst verwalten. So können die Zahnärzte nur hoffen, dass „hinten“ – wie Altkanzler Kohl mal sagte – „etwas rauskommt“.

Natürlich Gescheites

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