Dem Gaul ins Maul geschaut

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Auch Pferde müssen zum Zahnarzt. Noch besser ist es jedoch, wenn der Arzt zu ihnen kommt. Und dann noch so gelassen ist, dass die Tiere die Behandlung ruhig über sich ergehen lassen.Dass Ruhe und Gelassenheit eines Arztes sich auf seine Patienten übertragen, ist allgemein bekannt. Dass dies aber bei 400 oder mehr Kilogramm Lebendgewicht sogar Beruhigungmittel unnötig machen können, wird deutlich, wenn man Dr. Christina Becker bei der Arbeit beobachtet.Die Tierärztin aus Borstel-Hohenraden verfügt über langjährige Erfahrung in der Zahnbehandlung von Pferden. “Die Pferde müssen mir glauben, dass ihnen nichts Schlimmes passiert”, erklärt sie. “Wenn ich das rüberbringen kann, lassen sie sich in den meisten Fällen geduldig behandeln”. Dabei arbeitet die Ärztin überwiegend mit dem Maulkeil. “Er ist allerdings sehr umstritten”, räumt sie ein. Wenn die Pferde nicht ruhig blieben, könnten Zähne abbrechen, außerdem werde das Pferdemaul einseitig belastet. Schaut man ihr allerdings zu, wie schnell und sicher sie die Kaufläche wieder plan macht, scheint diese Belastung nicht so sehr ins Gewicht zu fallen.

Nötig wird das Raspeln der Zähne, weil beim Pferd etwa acht bis zehn Zentimeter Zahn im Kiefer angelegt sind. Das Pferd kaut die Kronen ab, der Zahn wächst nach, aber am Außenrand im Oberkiefer und am Innenrand im Unterkiefer bleiben Haken stehen, die die Mahlbewegung einschränken und dem Pferd auch Schmerzen bereiten können.

Mit einem speziellen Aufsatz auf einer Bohrmaschine werden die Haken plan geschliffen. Immer wieder fühlt Christina Becker während der Behandlung, ob die Zahnflächen auch nicht zu heiß werden. Anschließend wird mit der Handfeile nachgearbeitet.

Mit ganz erstaunlicher Gelassenheit lassen die Pferde dies geschehen, obwohl die Bohrmaschine für die empfindlichen Pferdeohren sehr ungewöhnliche Geräusche produziert. Dazu trägt sicherlich die vertraute Umgebung bei, denn bei Christina Beckers Besuch in Gnutz war kein Pferd allein in Behandlung – vielmehr stand die gesamte Herde neugierig in Warteposition dabei und gab dem jeweiligen Patienten auf diese Weise Sicherheit. So blieb allen Pferden der Einsatz des sehr schweren Maulgatters erspart, das nur unter Sedierung angewendet werden darf, weil dem Pferd sehr viel Eisen ins Maul geschoben wird, um es offen zu halten. Schlägt das Pferd dann mit dem Kopf, kann es für die Umstehenden gefährlich werden.

Einmal im Jahr sollten die Zähne geraspelt werden, bei älteren Pferden wird dabei weniger abgeraspelt, da die Kronen nicht mehr so nachschieben. Bei Senior Migrant wurde außerdem noch Zahnstein entfernt, so dass er jetzt wieder blitzsaubere Zähne zeigen kann. (Schleswig Holstein)

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