der Spritzebeimzahnarztverlanger

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Heute bin ich über einen Artikel in der Jungen Welt gestolpert. Ich hab ihn zweimal gelesen, aber würde nicht unbedingt behaupten, dass ich alles verstanden habe. Muss wahrscheinlich auch nicht sein. Um noch mehr Leser zu verwirren, stelle ich ihn einfach mal hier ein. Über den Link landet man auf der Seite der jungen Welt.

Wahrscheinlich sollte man auch noch auf den Artikel im Focus verlinken. Immerhin haben wir noch dies in den blogs gefunden

gibt  man allerdings Michael Klo­novsky bei einer Suchmaschine ein, wird man von den Ergebnissen erschlagen. Möge sich also jeder sein Bild davon machen….

Beim Zahnarzt

Wie Focus-Redakteur Michael Klonovsky Antisemitismusforschung und antifaschistische Pädagogik diffamiert

Thomas Wagner
Denkt man die jüngsten Äußerungen des Romanciers und Journalisten Michael Klo­novsky, seines Zeichens Chef vom Dienst im Nachrichtenmagazin Focus, zu Ende, müßte die Geschichte komplett umgeschrieben werden. »Wer von der Behandlung der deutschen Minderheit im Polen der Zwischenkriegszeit nicht reden will«, gebietet die Edelfeder aus dem journalistischen Flaggschiff des Burda-Konzerns, »der soll vom deutschen Angriff auf Polen schweigen.«

Zumindest in moralischer Hinsicht scheint er die Kriegsschuldfrage zugunsten Nazideutschlands geklärt zu haben. Hierhin paßt auch sein Insistieren darauf, daß »die ersten Massaker des Zweiten Weltkriegs« an »deutschen Zivilisten verübt« worden seien. Vor diesem Hintergrund kann es nicht mehr überraschen, daß Klonovsky auch die Bewertung des »Holocaust« als »Menschheitsverbrechen« für fragwürdig befindet: »Die Kriterien dafür ist man uns bis heute schuldig geblieben.« Er scheut auch nicht davor zurück, »die Juden« und »die Deutschen« als Opfer des Hitlerfaschismus auf eine Stufe zu stellen: als die »zwei Völker, denen Hitler explizit den Tod gewünscht hat«. Seine eigene Judenfeindschaft offenbart der Journalist spätestens dann, wenn er den Holocaust-Vergleich auf perfide Weise gegen den Zentralrat der Juden in Stellung bringt: »Die nur zu berechtigte Klage über die Ausmerzung des jüdischen Geistes durch Hitler und die Seinen erhält nahezu wöchentlich neue Nahrung durch irgendein Statement des Zentralrats.« Unlängst hat er zum Ausdruck gebracht, was er von der schulischen Aufklärung über die Verbrechen des Nazifaschismus hält: »Die echten Sadisten bringen Kinder in Konzentrationslager, die heimlichen Jahrzehnte später Schulklassen.«

Wer seine revisionistische Sicht auf die Geschichte nicht teilt, den will Klonovsky am liebsten juristisch verfolgt und entsprechend bestraft sehen. Er plädiert daher »für die Erweiterung des hiesigen Strafrechts um den Tatbestand der Tätervolksverhetzung«. Der 1962 im erzgebirgischen Schlema geborene Autor war 1991 zunächst mit einem Buch über »Stalins Lager in Deutschland 1945–1950« in Erscheinung getreten. Es folgten die Romane »Der Ramses-Code« (2001), »Land der Wunder« (2005). Nicht verschwiegen werden darf in diesem Zusammenhang eine obskure Ratgeberpublikation mit dem Titel »Welcher Wein zu welcher Frau?«. Bereits 1990 wurde Klonovsky für seine Berichte zur »Aufdeckung und Behandlung von Menschenrechtsverletzungen durch die DDR-Justiz« vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger mit dem »Wächterpreis der deutschen Tagespresse« ausgezeichnet.

Die oben zitierten Sätze stammen allesamt aus seinem Aphorismenband »Jede Seite ist die Falsche«, den Klonovsky dieser Tage in dem ebenfalls rechtsreaktionären Lichtschlag-Buchverlag (Grevenbroich 2008) veröffentlicht hat. Seiner extrem rechten Gesinnung hat er selten so deutlich Ausdruck verliehen wie hier.

Meist gab er nämlich vor, lediglich für die Sache der Meinungsfreiheit eintreten zu wollen. Mit dieser Begründung unterstützte er auch das Rechtsaußenblatt Junge Freiheit, als dieses 2006 von der Leipziger Buchmesse ausgeschlossen werden sollte. Ein Jahr später gab er im Reclam-Verlag eine Spruchsammlung des kolumbianischen Faschisten Nicolás Gómez Dávilas heraus. Wie er es selbst mit der Demokratie hält, läßt sich unschwer aus einer Bemerkung schließen, die er im Interview mit der Jungen Freiheit (Ausgabe vom 13.5.2008) machte: »Die größte geistige Freiheit hat vermutlich im Kaiserreich bestanden.« Sich selbst stilisiert Klonovsky zum eisenharten Macho, für den Frauen keine gleichberechtigten Subjekte, sondern bloße Genußmittel sind; »Ernst-Jünger-Gegner« verachtet er als »Typen«, »die sich beim Zahnarzt eine Spritze geben lassen«.

Auf seiner Homepage erfahren wir zudem, daß er die Antisemitismusforschung mitunter für noch stupider hält als den Antisemitismus. Demonstrationen engagierter Antifaschisten rückt er dagegen in die Nähe judenfeindlicher Pogrome. Beim Anblick jener Demonstranten, die sich dem Anti-Islamisierungskongreß in Köln entgegenstellten, fühlte er sich »an Bilder von amüsierten Menschenmengen erinnert, […] die 1938 in Wien zusahen, wie Juden die Straße schrubben mußten« (DLR Kultur, 22.10.2008). Die von der Bundesregierung geförderten »Projekte gegen Rechtsextremismus« diffamiert er im gleichen Radiobeitrag als »ABM-Maßnahmen« für »Linke und Linksextreme, die sich gegen rechts produzieren« und »sonst dem Staat direkt auf der Tasche liegen würden«.

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