Hausärzte sind froh, Kinderärzte stöhnen

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Fast ein Jahr ist es her, als in Lindau die meisten Hausarztpraxen geschlossen waren, weil die Ärzte auf dem Protesttag des Bayerischen Hausärzteverbandes in Nürnberg waren. Sie hatten sich damals gegen das Abrechnungssystem über die kassenärztlichen Vereinigungen (KV) ausgesprochen, das – so der Vorwurf damals – Fachärzte und Psychologen zu gut und Hausärzte zu schlecht behandele. Im Ergebnis haben die Hausärzte zwar nicht alle Ziele erreicht, aber vor gut zwei Wochen doch einen wichtigen Schritt gemacht: Sie verhandeln mit der AOK Bayern künftig ohne die KVs. Das, so Carl-Joachim Mellinghoff von der Lindauer Ärztevereinigung AGIL sei “auf alle Fälle eine gute Lösung” und nehme “den Druck aus den Hausarztpraxen”. Jetzt müsse es darum gehen, auch mit den anderen Krankenkassen zu einem ähnlichen Ergebnis zu kommen.

Gleichzeitig wird aber die Situation für andere Ärztegruppen deutlich schlechter. Erstens geht es dabei um Ärzte, die keine Allgemeinärzte sind, aber dennoch – wie es heißt – hausärztlich tätig. Das sind zum einen Kinderärzte, zum anderen beispielsweise Internisten. Zweitens sind es einige Fachärzte, da sich zum Jahreswechsel die Systematik zur Verteilung der Honorare geändert hat.

Die Kinderärzte beklagen sich , dass sie für die gleichen Leistungen wie die Hausärzte deutlich schlechter bezahlt werden. Vor allem sind das Präventionsuntersuchungen bei Kindern. Das sind die Routineuntersuchungen U 1 bis U 9. Hausärzte bekommen für eine solche Untersuchung, wie Kinderarzt Klaus Adams sagt, 45 Euro , Kinderärzte jedoch nur 29 Euro. Und dies, obwohl die Kinderärzte mit ihrer fünfjährigen Fachausbildung Spezialisten sind, die Hausärzte in diesem Fall nicht.

“Ich gönn den Hausärzten ja, dass sie besser bezahlt werden”, sagt der Lindauer Kinderarzt Klaus Adams zu der Situation, aber: “Das kann”s nicht sein!” Und sein Kollege Harald Tegtmeyer bringt es auf den Punkt: “Die AOK stellt sich offenbar eine Zukunft ohne Kinderärzte vor!”

Eigentlich wollten die Kinderärzte gemeinsam mit anderen Fachärzten ab dem 1. Januar gegen diese Schlechterstellung protestieren. Indem sie Kinder, die (meist über ihre Eltern) bei der AOK versichert sind, nur noch als Privatpatienten, also kostenpflichtig behandeln. Nach massiven juristischen Drohungen der AOK haben sie diesen Plan jedoch zurückgestellt und raten den Eltern jetzt, ihren Kindern zuliebe die Krankenkasse zu wechseln.

Narkose beim Kinderzahnarzt

Besonders haarsträubend ist die neue Honorierung bei einer speziellen ärztlichen Leistung, der Vollnarkose beim Kinderzahnarzt. Sie kommt relativ selten vor, ist aber bei Kindern mit massiver Angst vor dem Zahnarzt nötig oder wenn Zahnreparaturen in größerem Umfang nötig sind. In der Gemeinschaftspraxis der Lindauer Anästhesisten Michael G. Brandt und Erich Goldscheider kommen pro Jahr etwa 300 solcher Fälle zusammen. Der Arzt begibt sich dann gemeinsam mit einem Narkoseassistenten in die Zahnarztpraxis, und dort wird das Kind in Narkose versetzt und während der ein bis zweistündigen Behandlung ständig überwacht. Bislang konnten die Anästhesisten dafür etwa 300 Euro bei der Krankenkasse abrechnen, jetzt sind es nur noch 45 Euro. “Bei dieser Bezahlung zahlen wir bei jeder Behandlung drauf”, sagt Michael Brandt, denn allein für den Assistenten fällt ein Honorar von 25 Euro an, die von den 45 Euro abgehen. Dann kommen noch Medikamente, Maschinen und die Anfahrt dazu, so dass der Arzt, wenn er Glück hat, gratis arbeiten darf, wenn er Pech hat, ein paar Euro pro Stunde drauflegen muss.

Brandt und Goldscheider wollen die bereits gemachten Termine im Januar bei Lindauer Kinderzahnärzten durchziehen (“Notfalls auch für 45 Euro!”). Anschließend wollen sie aber vorerst keine weiteren Termine vereinbaren, sofern sich die Situation nicht zeitnah ändert.

Hausärzte sind froh, Kinderärzte stöhnenLINDAU – Für Lindauer Ärzte hat das neue Jahr durchwachsen angefangen. Einerseits haben sich die Hausärzte im Dezember mit der AOK auf einen neuen Abrechnungsmodus geeinigt , der die Existenz der Praxen sichert. Andererseits stehen Kinderärzte und Anästhesisten schlechter da als vorher.

Fast ein Jahr ist es her, als in Lindau die meisten Hausarztpraxen geschlossen waren, weil die Ärzte auf dem Protesttag des Bayerischen Hausärzteverbandes in Nürnberg waren. Sie hatten sich damals gegen das Abrechnungssystem über die kassenärztlichen Vereinigungen (KV) ausgesprochen, das – so der Vorwurf damals – Fachärzte und Psychologen zu gut und Hausärzte zu schlecht behandele. Im Ergebnis haben die Hausärzte zwar nicht alle Ziele erreicht, aber vor gut zwei Wochen doch einen wichtigen Schritt gemacht: Sie verhandeln mit der AOK Bayern künftig ohne die KVs. Das, so Carl-Joachim Mellinghoff von der Lindauer Ärztevereinigung AGIL sei “auf alle Fälle eine gute Lösung” und nehme “den Druck aus den Hausarztpraxen”. Jetzt müsse es darum gehen, auch mit den anderen Krankenkassen zu einem ähnlichen Ergebnis zu kommen.

Gleichzeitig wird aber die Situation für andere Ärztegruppen deutlich schlechter. Erstens geht es dabei um Ärzte, die keine Allgemeinärzte sind, aber dennoch – wie es heißt – hausärztlich tätig. Das sind zum einen Kinderärzte, zum anderen beispielsweise Internisten. Zweitens sind es einige Fachärzte, da sich zum Jahreswechsel die Systematik zur Verteilung der Honorare geändert hat.

Kinderärzte benachteiligt

Die Kinderärzte beklagen sich , dass sie für die gleichen Leistungen wie die Hausärzte deutlich schlechter bezahlt werden. Vor allem sind das Präventionsuntersuchungen bei Kindern. Das sind die Routineuntersuchungen U 1 bis U 9. Hausärzte bekommen für eine solche Untersuchung, wie Kinderarzt Klaus Adams sagt, 45 Euro , Kinderärzte jedoch nur 29 Euro. Und dies, obwohl die Kinderärzte mit ihrer fünfjährigen Fachausbildung Spezialisten sind, die Hausärzte in diesem Fall nicht.

“Ich gönn den Hausärzten ja, dass sie besser bezahlt werden”, sagt der Lindauer Kinderarzt Klaus Adams zu der Situation, aber: “Das kann”s nicht sein!” Und sein Kollege Harald Tegtmeyer bringt es auf den Punkt: “Die AOK stellt sich offenbar eine Zukunft ohne Kinderärzte vor!”

Eigentlich wollten die Kinderärzte gemeinsam mit anderen Fachärzten ab dem 1. Januar gegen diese Schlechterstellung protestieren. Indem sie Kinder, die (meist über ihre Eltern) bei der AOK versichert sind, nur noch als Privatpatienten, also kostenpflichtig behandeln. Nach massiven juristischen Drohungen der AOK haben sie diesen Plan jedoch zurückgestellt und raten den Eltern jetzt, ihren Kindern zuliebe die Krankenkasse zu wechseln.

Narkose beim Kinderzahnarzt

Besonders haarsträubend ist die neue Honorierung bei einer speziellen ärztlichen Leistung, der Vollnarkose beim Kinderzahnarzt. Sie kommt relativ selten vor, ist aber bei Kindern mit massiver Angst vor dem Zahnarzt nötig oder wenn Zahnreparaturen in größerem Umfang nötig sind. In der Gemeinschaftspraxis der Lindauer Anästhesisten Michael G. Brandt und Erich Goldscheider kommen pro Jahr etwa 300 solcher Fälle zusammen. Der Arzt begibt sich dann gemeinsam mit einem Narkoseassistenten in die Zahnarztpraxis, und dort wird das Kind in Narkose versetzt und während der ein bis zweistündigen Behandlung ständig überwacht. Bislang konnten die Anästhesisten dafür etwa 300 Euro bei der Krankenkasse abrechnen, jetzt sind es nur noch 45 Euro. “Bei dieser Bezahlung zahlen wir bei jeder Behandlung drauf”, sagt Michael Brandt, denn allein für den Assistenten fällt ein Honorar von 25 Euro an, die von den 45 Euro abgehen. Dann kommen noch Medikamente, Maschinen und die Anfahrt dazu, so dass der Arzt, wenn er Glück hat, gratis arbeiten darf, wenn er Pech hat, ein paar Euro pro Stunde drauflegen muss.

Brandt und Goldscheider wollen die bereits gemachten Termine im Januar bei Lindauer Kinderzahnärzten durchziehen (“Notfalls auch für 45 Euro!”). Anschließend wollen sie aber vorerst keine weiteren Termine vereinbaren, sofern sich die Situation nicht zeitnah ändert. (SZON)

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