Morgens Zahnarztgattin, mittags Fotomodell und abends im Verdacht,

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…..heimlich Hausfrauenträume zu hegen.

Mir träumte, ich hätte mich in einen Zahnarzt verliebt. Das kam so. Meine Mutter und ich betraten das Praxiszimmer und sofort breitete sich eine wohlige Wärme aus, was meine Mutter auch sofort bemerkte und sie zog sich dezent zurück. Es fühlte sich alles sehr leicht an, und der Zahnarzt und ich waren sehr glücklich, obwohl ich sein Gesicht nicht sehen konnte, das war hinter einer weißen Maske verborgen. Aber er hatte wunderschöne Hände, braungebrannt und sehr grazil. Ich legte mich auf den Zahnarztstuhl und er untersuchte meine Zähne. Alle wackelten und waren braun, aber das machte nichts. Der Zahnarzt liebte mich trotzdem. Er sagte, das er mir nicht helfen könne, nur ein Pronathäsist könne mir helfen. Der müsste mir dann alle Zähne ziehen. Meine Mutter fuhr den Zahnarzt und mich zum Pronathäsisten, wir saßen auf der Rückbank und ich lag in seinen Armen. Mein Eckzahn links unten war besonders locker, ich bog ihn ein bisschen hin und her und plötzlich hielt ich ihn in der Hand. Im Kiefer war ein Loch. Der Zahn war innen hohl und hatte schwarze Flecken, aber die Sonne schien durch und das sah sehr schön aus. Der Zahnarzt streichelte mir über den Kopf. Gerade als ich darüber nachgrübelte, ob ich als Zahnarztgattin dann auch Bilder malen und im Wartezimmer aufhängen würde, wachte ich auf.

Dann fuhr ich zur Arbeit, das wohlige Gefühl hielt noch an. Seit einer Woche war die Chefin nicht ansprechbar, weil die berühmteste Fotografin der Welt zu Besuch kommen würde. Wir hatten schon öfters berühmteste Fotografen der Welt zu Besuch. Es ist dann immer etwas befremdlich, wenn eine Horde schnöseliger Charlottenburger sich aufführt wie kleine Mädchen beim Tokio-Hotel-Konzert. Sie kam um ihre neuestes Buch zu signieren. Alles ging drunter und drüber, jeder wusste am besten wie man es machen sollte und jeder wies mir etwas anderes zu, ich sollte fotografieren, obwohl ich das gar nicht kann, aufpassen, dass niemand vergisst zu zahlen und der berühmtesten Fotografin der Welt die Bücher anreichen. Zum Schluss kam man überein, ich soll der Hüpfer sein. Also gucken, wo was gemacht werden muss. Eine halbe Stunde vor dem Termin, wurde das Konzept noch mal völlig umgeschmissen, wir räumten alles um und alle prophezeiten völlig genervt eine Katastrophe. Dann kam sie. Und alles lief wie am Schnürchen, sogar die lieben Kunden stellten sich anständig in die Reihe.

Ich hatte nichts zu tun, ich stand neben der berühmtesten Fotografin der Welt und stellte mir vor, wie sie danach sagen würde, that she would like to have a foto session with me. Sie würde mich fotografieren und ausnahmsweise sähe ich gut aus und danach würden wir Tee trinken und tiefsinnige Gespräche führen und sie fände es charmant, dass mein Englisch so schlecht ist. Das war ausgesprochen albern, aber ich glaube, das lag daran, dass sie aus Amerika kam und ich schon zu viele Hollywoodfilme mit grauen Mäuschen gesehen habe.

Abends versuchte mir ein Dinosaurier aus den 80ern die Welt zu erklären. Um ehrlich zu sein, ich mache mir keine großen Gedanken über Emanzipation. Ich mache das, worauf ich Lust habe. Ich wurde nie aufgrund meines Geschlechts benachteiligt. Ich will nicht in die Führungsetage irgendeines Konzerns um diese Erfahrung zu machen und mich dann darüber aufregen zu können. Keinen Finger würde ich rühren um einer Firma zu nützen, die Frauen benachteiligt. Ich bin schon gar nicht bereit, so genannte männliche Verhaltensweisen an den Tag zu legen um in einer Firma aufzusteigen, in der ich überhaupt nicht arbeiten will. Ich habe nicht das Bedürfnis in einer Firma aufzusteigen nur um dann den nächsten Aufstieg zu planen. Wenn ich Personalleiter oder Chef-Einkäufer werden will, muss ich nur in einen kleinen Betrieb gehen, da ist man, schneller als einem lieb ist, beides. Ich habe auch keinen missionarischen Eifer, wenn jemand in eine männerbesetzte Führungsetage aufsteigen will um zu zeigen, dass Frauen genauso gut sind wie Männer, können das die betreffenden Personen gerne tun, mir ist das zu anstrengend. Unsere Geschäftsführung besteht aus vier Frauen, und nein, das hat keine frauenrechtlichen Gründe, es könnten auch vier Männer sein. Leider fielen mir all diese herrlichen Aussagen erst ein, als ich völlig betrunken im Bett lag und mich über den Dinosaurier ärgerte.

Ich hatte nie darüber nachgedacht, aber plötzlich wurde mir klar, dass ich großes Glück habe, weil ich meine Arbeit gerne mache und auch meine Kollegen gerne mag. Zumindest wenn keine berühmtesten Fotografen der Welt zu Besuch sind.

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