Warum auch Pferde manchmal zum Zahnarzt müssen

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„Luca muss heute zum Zahnarzt. Möchtest Du dabei sein?“, fragt Pferdebesitzerin Doris Leipfinger aus Dietershofen, so die Augsburger Allgemeine.

„Wie?“, ist Paula ganz verdattert. „Luca ist doch ein Pferd. Müssen die etwa auch zum Zahnarzt?“

Klar, dass sich Paula den Besuch beim Pferdezahnarzt nicht entgehen lässt. Ganz aufgeregt ist die kleine Ente, als Tierarzt Dr. Martin Hofmann aus Memmingen im Stall ankommt. „Hallo Paula“, begrüßt er die Ente. „Du kannst mir gleich ein bisschen helfen und Luca beruhigen.“ Der Wallach hat inzwischen auch mitbekommen, dass etwas vor sich geht. Paula klopft ihm ein wenig das Fell und sagt: „Ruhig, Luca, ganz ruhig. Ich bin ja bei Dir.“

„Zuallererst müssen wir Luca eine Betäubung geben. Denn sonst würde er sich wehren“, erklärt Hofmann. „Tut ihm die Zahnbehandlung etwa weh?“, ist Paula besorgt. „Aber nein“, beruhigt der Tierarzt. „Das ist wie beim Nägelschneiden. Aber die Behandlung und die Geräusche sind für das Pferd unangenehm.“

Jedes Jahr wachsen die Zähne von Pferden um zwei Millimeter

„Warum brauchen Pferde überhaupt einen Zahnarzt?“, will Paula wissen, „die essen doch gar keine Süßigkeiten!“ Hofmann erklärt ihr, dass die Zähne von Pferden während ihres ganzen Lebens etwa zwei Millimeter pro Jahr wachsen. „Das Pferd war eigentlich ein Steppentier. Das bedeutet, es hat früher fünf bis zehn Kilometer am Tag zurückgelegt und dabei immer wieder trockenes Futter zu sich genommen und mit den Zähnen gemahlen. Dabei wurden die Zähne abgerieben.“ Heute würden die Tiere nur ein- bis zweimal am Tag Silo und Gras bekommen. „Klar“, weiß Paula, „weil sie dann nicht mehr so oft und lange kauen und das Futter Feuchtigkeit enthält, werden die Zähne weniger abgerieben.“

„Richtig“, meint Hofmann. „Dadurch bilden sich so genannte Haken und Wellengebisse, die verletzte und offene Stellen an der Mundschleimhaut hervorrufen.“ „Dann können die Pferde ja gar nicht mehr richtig fressen!“, stellt Paula fest. „Und so merkt der Pferdebesitzer dann bestimmt auch, dass das Tier einen Zahnarzt braucht, oder?“ „Das hast Du richtig erkannt“, sagt Hofmann.

Dann wird das Maul von Luca mit Hilfe eines Maulspreizers geöffnet. „Sieht ganz schön gefährlich aus!“, findet die kleine Zeitungsente. „Das sieht nur so aus, aber ich muss ungehindert an die Zähne rankommen. Da schau“, zeigt Hofmann, „das Zahnfleisch von Luca ist schon ein bisschen entzündet.“ Jetzt entfernt Hofmann mit einer elektrischen Schleifmaschine Haken an den Backenzähnen von Luca.

„Huhu! Luca sieht aus wie ein Drache!“, lacht Paula. Durch das Schleifen staubt es so aus seinem Maul, dass man meinen könnte, es sei Rauch. Als Hofmann mit den Backenzähnen fertig ist, gleicht er noch den Spalt, der jetzt zwischen Schneide- und Backenzähnen entstanden ist, aus. „Sonst können die Backenzähne nicht mahlen“, erklärt er.

„Müssen Pferde auch zur Kontrolle wie die Menschen?“, will die Ente noch wissen. „Ja“, sagt Hofmann, halbjährlich beim Impfen kontrollieren wir die Zähne. Und ungefähr alle zwei Jahre müssen sie geschliffen werden.“

Jetzt ist der Tierarzt mit der Behandlung fertig und Luca kann wieder in seine Box zurück. „So Luca, so lange die Betäubung anhält darfst Du noch nicht fressen, aber gleich morgen Früh komme ich vorbei und füttere Dich!“, freut sich die kleine Zeitungsente.

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