Slowakische Klinik mit dubiosem Zahnarzt

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Zahnarztpraxis in Bratislava von Behörden angezeigt – Im Umfeld der Klinik agiert ein Betrüger, der sich als Zahnarzt ausgegeben haben soll

  • ArtikelbildDie “deutsche Zahnarztpraxis” in Bratislava ist gut versteckt – die Ungereimtheiten rund um den Betrieb dagegen offensichtlich.

Wien – Unter den Bohrer zu kommen ist bei der Firma “Inter Zahn Bratislava s.r.o.” (Name geändert)in der slowakischen Hauptstadt kein Problem. “Terminvereinbarung rund um die Uhr” steht auf dem Werbefolder, die Öffnungszeiten sind “von 9 bis 22 Uhr – an 7 Tagen in der Woche” . Damit nicht genug. Ruft man bei dieser “Deutschen Zahnarztpraxis” an und vereinbart eine Untersuchung, wird man mit dem privaten Sammeltaxi vom Wiener Südbahnhof in den Osten gebracht – kostenlos.

Kundenfreundlicher geht es kaum. Wäre nicht die slowakische Gesundheitsbehörde der Meinung, dass in der Praxis einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Das Amt erstattete Anzeige, da slowakisches Recht verletzt worden sein soll. Im Raum steht der Verdacht, dass ein falscher Zahnarzt etwas mit der Klinik zu tun hat.

Der Mann heißt Friedrich Klaus Detlef Grosz (Name geändert), ein 53-jähriger Deutscher, der im April 2007 vor einem deutschen Gericht seinen Beruf als “Zahntechniker” angegeben hat. Katharina K. von den Costa Blanca Nachrichten in Spanien verfolgt sein Wirken schon länger. In der Küstenregion ordinierte Grosz in drei Gemeinschaftspraxen. Und gab sich als Zahnarzt aus. Doch im Jänner 2007 wurde Grosz von der Polizei verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. K. machte den Standard darauf aufmerksam, dass die Spur des Mannes nach Bratislava führt.

Zu erkennen ist die Praxis in der Altstadt Bratislavas nicht. Keine prunkvolle Metallplatte an der Hauswand, kein Schild über der Türe. Lediglich “Klinika” steht neben der Klingel. Drückt man sie, kommt nach kurzer Zeit ein junger Mann und führt in die Ordination. Die ist modern und nüchtern eingerichtet, helles Holz, Obstschalen auf dem Tisch im Wartezimmer.

In den Behandlungsraum wird man von einem Doktor Gros gebeten. Klaus Detlef Gros. Ohne “Z” am Ende. Groß, blond, norddeutscher Dialekt.

Ob er der Mann ist, der ab dem Jahr 2000 in Spanien ordiniert hat, wo es zahlreiche Beschwerden wegen Behandlungsfehlern gab? Der Mann, den im Jahr 2005 ein Gericht in den Niederlanden zu 18 Monaten Haft wegen Betruges verurteilt hat? Der im Frühjahr 2007 in Deutschland ein Jahr Haft ausgefasst hat?

“Nein, Herr Doktor Grosz ist eine andere Person” , beteuert er. Ob dieser hier in Bratislava behandelt habe? “Nein, er hat mit der Praxis nichts zu tun. Er hat Anteile gehabt, aber die sind verkauft.”

Nur findet sich im Firmenbuch des slowakischen Justizministeriums kein Hinweis auf einen Verkauf. Ein halbes Jahr nach seiner Verurteilung in Deutschland gründet Friedrich Klaus Detlef Grosz die Firma “Inter Zahn Bratislava” . Mit einem Grundkapital von rund 7400 Euro. Im April 2008 war Grosz die Firma plötzlich mehr wert – er stockte das Kapital auf fast 370.000 Euro auf. Bis gestern, Donnerstag, gibt es in der Datenbank keinen Hinweis, dass Grosz Anteile an der Firma abgegeben hat.

Ob Gros Grosz kenne?”Ja, aber er lebt wieder in Deutschland” , erklärt er ruhig. Dass sein Name so eine erstaunliche Ähnlichkeit aufweist, sei Zufall? “Ja” , antwortet Gros und fährt sich über die Stirn. Zahnarzt sei er, er dürfe nur hier nicht arbeiten, da die slowakischen Gesetze Kenntnisse der Landessprache voraussetzen.

Zweifelhaftes Studium

Dass er promovierter Arzt sei, hatte auch sein Fast-Namensvetter in den Niederlanden und Spanien behauptet. Während er dem deutschen Richter sagte, er sei Zahntechniker, legte er im Ausland ein Zeugnis der Universität Mainz vor. Aus dem Jahr 1989. An der Uni wollte man aus Datenschutzgründen keine Auskunft geben, ob er eine Prüfung abgelegt habe. Die Costa Blanca Nachrichten berichten von einem Schreiben, aus dem hervorgeht, Grosz habe in der Stadt nicht einmal studiert.

Zurück nach Bratislava: Noch im vergangenen Herbst arbeitete in der Praxis ein Mann, der Visitenkarten mit der Aufschrift “DrDr. Friedrich Grosz” austeilte. Und der behandelte auch. Überraschenderweise Patienten, über deren Beschwerden Herr Gros nun sagt, es sei alles kunstgerecht durchgeführt worden, er habe auch Röntgenbilder, um das zu belegen.
Damit nicht genug: Die Behandlungen waren ganz offensichtlich nicht billig. Florian Müller, Zahnarzt in Oberösterreich, prüfte auf Bitte des Standard hin einige der Belege, auf denen die einzelnen Behandlungspunkte genau aufgelistet sind. Seine überraschende Erkenntnis: “Wenn man die gleichen Punkte in Österreich der Krankenkasse verrechnen würde, käme es um eine Spur günstiger.”

Akten werden durchforstet

Warum Patienten aber extra nach Bratislava fahren sollten, um sich die Zähne dort um teureres Geld als zu Hause richten zu lassen, ist ein Umstand, der mittlerweile auch die Wiener Gebietskrankenkasse interessiert. Die internen Ermittler durchforsten nun die Akten nach Auffälligkeiten in Zusammenhang mit der “Inter Zahn Bratislava” .

Ein neuerlicher Versuch, in der Praxis Stellungnahmen zu den Ungereimtheiten und zur Anzeige zu bekommen, wurde abgeblockt. Und einen Tag später mit einer Drohung, den Anwalt einzuschalten, beantwortet. (Michael Möseneder, DER STANDARD – Printausgabe, 3. April 2009)

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