Boykott der Ärzte in Nordrhein verhindert planmäßigen eGK-Start

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Der Protest der Ärzteschaft hat die offiziellen Pläne zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) offenbar durchkreuzt: Die Ausgabe der Karte wird nach Angaben der  Betreibergesellschaft gematik wahrscheinlich nicht im nächsten Jahr, sondern erst 2011 abgeschlossen sein, meldet die Nachrichtenagentur „AP“. In der offiziellen Startregion Nordrhein hätten die Praxen nach Angaben von Bundesärztekammer-Präsident Hoppe ihre Vorbereitungen erst einmal gestoppt. Auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein gehe nicht mehr davon aus, dass sich in diesem Sommer noch etwas bewegt.„Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe verlangte am Donnerstagabend in Berlin weitere großang­elegte Tests, die das Projekt um mindestens ein weiteres Jahr verzögern könnten. Das sei für die Ärzte Bedingung“, berichtet „AP“. Laut Hoppe seien bislang fast keine Karten-Lesegeräte für Praxen angeschafft worden. Nachdem die Ärztekammer Nordrhein eine „Denkpause“ empfohlen habe, hätten die Ärzte die Anschaffung der Geräte gestoppt.

Derzeit sei damit zu rechnen, dass die Karte in Nordrhein erst Ende dieses Jahres eingeführt werde, bestätigte Gematik-Sprecher Daniel Poeschkens der Nachrichtenagentur. Weitere Produktion und Verteilung der neuen Karte würden dann wahrscheinlich erst 2011 abgeschlossen sein. Dabei seien die technischen Hindernisse für die Einführung inzwischen überwunden, versicherte er: „Es gibt aus technischer Sicht nichts, was dem Roll-Out entgegenstünde.“ “Die Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte an die Versicherten macht vor Jahresende gar keinen Sinn. Die Voraussetzungen für den Betrieb fehlen ja noch, selbst in der Startregion Nordrhein”, kommentierte heute der Stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Dr. Günther E. Buchholz, die Lage.

Laut Buchholz sind die Heilberufe noch gar nicht auf die Verarbeitung der eGK eingestellt. So gebe es derzeit noch gar keine zugelassenen mobilen Lesegeräte, die zur Verarbeitung der eGK bei Hausbesuchen oder Besuchen in Heimen und Pflegeeinrichtungen notwendig seien. Auch die gematik selbst gehe in internen Dokumenten mittlerweile von November als frühestmöglichem Zeitpunkt für die Kartenausgabe aus. “Wenn man die Ernte schon einfahren will, bevor man das Korn gesät hat, dann kann das nicht funktionieren. Wir brauchen für den weiteren Projektverlauf ein zielgerichtetes Verfahren, das auch die Bedürfnisse der Ärzte und Zahnärzte berücksichtigt. Die Projektplanung muss angepasst werden. Dazu gehört eine realistische Zeitplanung. Ein entsprechender Auftrag an die gematik ist erteilt.”

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