…mein Freund der Zahnarzt sagt….

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dass die Zeit so unverblümt ins Produktmarketing einsteigt, verwundert schon. Ich hab sie nicht gezählt, die Nennungen von Philips und Oral B, Braun und Procter und Gambler, aber es sind viele, sehr viele…

Mein Freund, der Zahnarzt, sagt: Vier Minuten mindestens für Vollbezahnte, am besten mit elektrischer Schallzahnbürste, Anpressdruck 70 bis 100 Gramm (das kann man mit einer Briefwaage testen), anschließend Zahnzwischenraumhygiene mit Interdentalbürste und Zahnseide, Mundspülung. Zungenhygiene alle zwei Tage. Bei gesundem Parodontium (vulgo Zahnfleisch) auch Munddusche geeignet. Nach jedem Putzen Bürstenköpfe mit ultraviolettem Licht reinigen.

Mein Freund predigt optimierte Zahngesundheit. Mein alter Zahnarzt hingegen sagt: Bürste und Wasser. Das reicht.

Bis gestern stand ich auf der Seite meines alten Zahnarztes und war überdies auch noch typisch deutsch, wenn man den Statistiken glaubt: benutzte selten die elektrische, öfter und kurz (maximal 90 Sekunden) die manuelle Bürste, und wenn ich zu müde, zu faul oder zu eilig war oder gerade einen besonders guten Nachgeschmack im Mund hatte, fiel das Putzen ganz aus. Seit mein Badezimmer aber vollgestopft ist mit den Testgeräten verschiedener Hersteller, haben sich mein dentalhygienisches Verhalten und insbesondere meine Zahnzwischenraumhygiene total verändert. Ich bin vorbildlich geworden!

Das Spitzenprodukt von Philips heißt Sonicare HX6932/10, eine Zahnputzanlage mit allerlei Zubehör, zum Beispiel einer einigermaßen mons- trösen UV-Licht-Bürstenreinigungsmaschine. Das motorisierte Handstück mit Bürstenaufsatz, einmal in Betrieb, gibt ein hochfrequentes Fiepen von sich. Viele Kunden glauben, diese »Schallzahnbürste« entferne den gefürchteten Belag (Plaque) mit Schallwellen. Was natürlich Quatsch ist, weil man sonst ja keine Zahnbürste mehr bräuchte, sondern nur noch einen Lautsprecher. Immerhin schwingt der große Bürstenkopf aber mit über 500 Hertz oder 31000-mal in der Minute – wenn der den Biofilm auf der Zahnoberfläche erreicht, reißt er ihn ab und spült ihn hinfort. Das kreischende Geräusch im Mund ist allerdings nicht jedermanns Sache, wie auch der Hersteller weiß – eine sogenannte Easy Start Funktion erleichtert den Einstieg. Sanft beginnt der Apparat, und erst nach 14-mal Putzen arbeitet er auf Hochtouren. Ich konnte mich dennoch nicht an das vom Zahnarzt bekannte Bohrgeräusch und das Zahnfleischkitzeln gewöhnen. Meine Frau fand es toll.

Loben dagegen will ich Oral-B Triumph 5000 von Philips’ Erzrivalen Braun (gehört heute zu Procter & Gamble). Oral-B hat mich und mein Kind verändert. Das liegt an einem kleinen Display, das man an den Spiegel kleben kann, um mit seiner Zahnbürste zu kommunizieren.

Man sagt: Das Auge isst mit. Hier gilt nun: Das Auge putzt mit! Ich starte die Zahnbürste. Ein – verglichen mit dem Sonicare – treckerartiges Brummen ertönt. Die Bürste rotiert und pulsiert zugleich, fegt also über den Zahnschmelz und stößt in die Tiefen der Zwischenräume vor. Auf dem Display – Smart Guide heißt das Ding – erscheint ein Symbol für den Putzmodus: Reinigen, Sensitiv, Massage, Polieren oder Tiefenreinigung. Und ein vierteiliger Ring, der symbolisch unsere Zahnreihen vierteilt. Das Viertel, das gerade geputzt werden soll, blinkt; wenn es Zeit ist, den Bereich zu wechseln, ruckelt die Bürste kurz, das nächste Viertel blinkt. Nach 120 Sekunden ist man fertig, und dann kommt das morgendlich-abendliche Highlight: Zur Belohnung erscheint ein großes Smiley, ein lachendes Gesicht. Dass mein Kind darauf reinfällt, ist verständlich. Dass auch ich mit diesem billigen Trick zu beeindrucken bin, fällt mir schwer einzugestehen.

Im Grundsatz hat mein alter Zahnarzt ja immer noch recht: Wer mit der guten alten Handbürste gründlich putzt, schafft genauso viel fieses Zeug von den Zähnen wie jemand mit Elektrobürste. In der Praxis aber ist das Fleisch schwach, und das Zeitgefühl trügt. Zahllose Elektrobürsten werden darum feilgeboten, sie schwingen hochfrequent oder rotieren oder wackeln auf und ab. Manch simple Bürste schmeißt man einfach weg, wenn die Batterie leer ist, andere sind multifunktional und voller Mitteilungsfreude. Die »Haushaltspenetration«, sagen Marketingleute, liege in Deutschland bei 30 Prozent. In Tests, in denen die weggeschaffte Plaque gemessen, die Zahnfleischschonung bewertet wird und Umweltverträglichkeit zählt, liegen oft Geräte aus dem Drogeriemarkt für unter 10 Euro gleichauf mit Markenprodukten für 150 Euro. Doch beim Zähneputzen geht es ja längst nicht mehr nur ums Reinemachen in der Mundhöhle, sondern um Erlebnis, Kommunikation, Fun. Und wer ein Kind von heute bei der Stange halten will, braucht nun mal einen Bildschirm.

Die Möglichkeiten einer »intelligenten« Zahnbürste sind erstaunlich und zum größten Teil noch gar nicht realisiert. Heute weiß die Oral-B-Anlage über einen Funkchip in der Bürste schon, wann es Zeit ist, diese auszutauschen, weil die Borsten an Spannkraft verloren haben. Dann gibt es eine Meldung im Display. Das neueste Feature der Maschine ist eine Druckkontrolle, die sowohl mittels eines Lämpchens in der Bürste wie auch durch ein Signal auf dem Bildschirmchen warnt, wenn man sein Zahnfleisch ruiniert.

Doch das ist erst der Anfang. In den Forschungsabteilungen der Hersteller denkt man zum Beispiel auch über einen Hinweis auf zu geringen Druck nach. Mittelfristig plant man gar die Einzelzahn-Erkennung. Fast trivial ist ein Hinweis auf den fälligen Zahnarztbesuch. In gar nicht so weiter Zukunft mag die Bürste selbst dentalmedizinische Aufgaben wahrnehmen. So könnte sie über Sensoren eine beginnende Gingivitis (eine Entzündung des Zahnfleischs) detektieren und umgehend warnen. Ein geradezu lächerlich kleiner Schritt wäre schließlich das Kommunizieren des individuellen Zahnstatus übers Internet (einschließlich Ernährungstipps und Parodontose-Selbsthilfegruppe). Gut wäre übrigens, wüsste die Zahnbürste Bescheid über die gerade genossene Nahrung. Denn so gründlich die Elektrobürste reinigt, so desaströs wirkt sich ihr Rubbeln und Schrubben auf Zähne aus, die soeben in einen Apfel gebissen haben oder an denen just ein Orangensaft vorbeispülte. Von der Fruchtsäure angreifbar gemacht, leidet der Zahnschmelz dann unter der Reinigung.

Doch bis es so weit ist, müssen wir beim Zähneputzen noch mitdenken. Und uns mit kleinem Spaß begnügen. Wenn man zum Beispiel die Triumph 5000 überlang benutzt, reißt das Smiley – eine Minute nachdem es uns angelacht hat – plötzlich den Mund auf und kneift ein Auge zu.

Irgendwann wird das Lachgesicht wohl gar übertriebenen Putzwahn erkennen. Und finster dreinschauen oder wütend. So lange habe ich es aber noch nicht ausgehalten.

Die Möglichkeiten einer »intelligenten« Zahnbürste sind erstaunlich und zum größten Teil noch gar nicht realisiert. Heute weiß die Oral-B-Anlage über einen Funkchip in der Bürste schon, wann es Zeit ist, diese auszutauschen, weil die Borsten an Spannkraft verloren haben. Dann gibt es eine Meldung im Display. Das neueste Feature der Maschine ist eine Druckkontrolle, die sowohl mittels eines Lämpchens in der Bürste wie auch durch ein Signal auf dem Bildschirmchen warnt, wenn man sein Zahnfleisch ruiniert.

Doch das ist erst der Anfang. In den Forschungsabteilungen der Hersteller denkt man zum Beispiel auch über einen Hinweis auf zu geringen Druck nach. Mittelfristig plant man gar die Einzelzahn-Erkennung. Fast trivial ist ein Hinweis auf den fälligen Zahnarztbesuch. In gar nicht so weiter Zukunft mag die Bürste selbst dentalmedizinische Aufgaben wahrnehmen. So könnte sie über Sensoren eine beginnende Gingivitis (eine Entzündung des Zahnfleischs) detektieren und umgehend warnen. Ein geradezu lächerlich kleiner Schritt wäre schließlich das Kommunizieren des individuellen Zahnstatus übers Internet (einschließlich Ernährungstipps und Parodontose-Selbsthilfegruppe). Gut wäre übrigens, wüsste die Zahnbürste Bescheid über die gerade genossene Nahrung. Denn so gründlich die Elektrobürste reinigt, so desaströs wirkt sich ihr Rubbeln und Schrubben auf Zähne aus, die soeben in einen Apfel gebissen haben oder an denen just ein Orangensaft vorbeispülte. Von der Fruchtsäure angreifbar gemacht, leidet der Zahnschmelz dann unter der Reinigung.

Doch bis es so weit ist, müssen wir beim Zähneputzen noch mitdenken. Und uns mit kleinem Spaß begnügen. Wenn man zum Beispiel die Triumph 5000 überlang benutzt, reißt das Smiley – eine Minute nachdem es uns angelacht hat – plötzlich den Mund auf und kneift ein Auge zu.

Irgendwann wird das Lachgesicht wohl gar übertriebenen Putzwahn erkennen. Und finster dreinschauen oder wütend. So lange habe ich es aber noch nicht ausgehalten.

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