Politische Ungereimtheiten um Kremser Zahnmedizin

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Angeblich finanziert das Land Niederösterreich die umstrittene Privatuni – Beschlüsse oder Informationen im Landtag dazu gibt es aber nicht Der Streit um die Danube Private University (DPU) in Krems, an der ab Oktober 40 Studenten mit dem Studium der Zahnmedizin beginnen sollen, bekommt eine größere politische Dimension. Nachdem die Zahnärztekammer, die Hochschülerschaft (ÖH) und das Gesundheitsministerium Bedenken gegen das neue Studium geäußert haben und an der Entscheidung von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) und dem Akkreditierungsrat – das Studium wurde von beiden im Juni 2009 genehmigt – Kritik geäußert haben, sehen nun die Grünen Niederösterreich Erklärungsbedarf vonseiten der Landesregierung so zumindest der Standard. Anfrage an Pröll Die Landtagsabgeordnete Helga Krismer will in einer Anfrage von Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) wissen, wie das Land Niederösterreich denn nun tatsächlich mit der DPU kooperiert. „In Niederösterreich schweigt man dazu und niemand weiß, wie viel die DPU das Land kostet. Einen Regierungsbeschluss gibt es nicht und auch keinen Antrag im Landtag. Das ist bei solchen Großprojekten aber ein Muss”, sagt Krismer im Gespräch mit derStandard.at. Auf der DPU-Homepage stand jedenfalls zu lesen, dass das Land Niederösterreich auf dem Campus der Donau-Universität Krems auf 7000 Quadratmetern ein eigenes DPU-Zentrum mit Hörsälen, Seminar-Praktika-Räumen und einer Uni-Klinik errichten will. Hilfe Prölls durch „Letter of Intents” Unklar sei, ob Pröll mit einem „Letter of Intent” die Bemühungen der DPU, akkreditiert zu werden, unterstützt habe. „Da die Entwürfe des Letter of Intents in der Fußzeile ‚NÖ Bildungsgesellschaft m.b.H für Fachhochschul- und Universitätswesen’ aufweisen, hatten offensichtlich viele Einzelpersonen im Land Niederösterreich Interesse an der DPU”, sagt Krismer. „Unter falschen Annahmen zugestimmt” Der Finanzplan der DPU wurde vom renommierten Wirtschaftsunternehmern Astoria erstellt und vom Akkreditierungsrat überprüft. „Für diesen Finanzplan von Astoria ist die Unterstützung des Landes Niederösterreich das Fundament schlechthin. Da es im Land aber keine Beschlüsse gibt, hat der Akkreditierungsrat unter falschen Annahmen die Entscheidung gefällt”, sagt die Politikerin. Existenz der Zahnärzte bedroht Das Prekäre an der Situation: Bei Vollbetrieb mit bis zu 350 Studierenden gebe es einen existenziellen Druck der niedergelassenen Zahnärzte in der Region, sagt Krismer. Die DPU legt dar, dass “mit den Landeskrankenanstalten Niederösterreich und den MKU-Schwerpunktzentren Kooperationsverträge für Famulaturen und Praktika” bestünden. “Das stimmt nicht, denn deratige Verträge gibt es nicht”, sagt ein Standesvertreter, der lieber anonym bleiben will. Die angehenden Zahnärzte würden also nicht in bestehenden Praxen ihre Ausbildung erlernen, sondern an der Uni. Sie sollen die Bevölkerung noch dazu gratis behandeln. “Keine Futterneid-Diskussion” Die Zahnärzte in der Region sind jedenfalls verzweifelt. „Es ist keine Futterneid-Diskussion, wie etwa die Präsidentin der DPU (Marga Brigitte Wagner-Pischel im derStandard.at-Interview, Anm.) behauptet. Es geht um die Existenz der Zahnärzte”, sagt er. “Die praktisch zahnärztliche Ausbildung umfasst 2175 Stunden der Patientenbehandlung (83 ECTS-Credits), mehr als 72 Wochen”, steht im Lehrplan zum Studium. Bei geplanten 50 Behandlungseinheiten in der Uni-Klinik würde das einen Bedarf an fast 1000 Patienten pro Woche ergeben, begründet der Zahnarzt seine Sorgen. Eine von derStandard.at angefragte Stellungnahme seitens der Landesregierung steht noch aus. (Marijana Miljkovic, derStandard.at, 16. September 2009) Hintergrund: Die Danube Private University (DPU), von Marga Brigitte Wagner-Pischel und deren Mann Jürgen Pischel gegründet, startet im Herbst die Ausbildug zum Dr. dent. med. Die Studiengebühr beträgt pro Studenjahr 24.000 Euro. Studierende sind vorläufig Kinder von Zahnärzten, nach Angaben der DPU auch Kinder von Zahnärztekammer-Funktionären. Die Zahnärztekammer hatte das Studium aus Qualitätsgründen immer abgelehnt.

http://derstandard.at

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