Kommt der Aufstand der „Generalisten“?

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Endodontie und Parodontologie: Aufstand der „Generalisten“?

so der Kommentar in der aktuellen DZW. Allerdings  ist mir der Sinn dieses Beitrags nicht so ganz geläufig. Glaubt der Autor tatsächlich, dass der DAZ eine fachinterne Diskussion anzetteln kann, oder gar zur Meinungsbildung beitragen kann. Ich weiß nicht so recht…Der aktuelle Stand von Wissenschaft und Technik in den Bereichen „Endodontologie“ und „Parodontologie“ nähert sich einem Stadium, das man mit Fug und Recht als sehr gut ansehen kann. Profunde wissenschaftliche Erkenntnisse und eine fortschrittliche technologische Entwicklung würden dann eine weitgehende Umsetzung in der Praxis erlauben, wenn (1.) die Mehrheit der Zahnärzteschaft vom Wissen und Können her idealerweise die Methoden der Prävention, Diagnostik und Therapie kennen und ausführen könnte und wenn (2.) die dafür notwendige Honorierung vom System her verfügbar wäre. Hier aber besteht – aus welchen Gründen auch immer – derzeit eine unüberbrückbare Diskrepanz zwischen dem Optimum (ein Ideal gibt es nicht) und den wirklichen Verhältnissen in praxi.

Realität ist, dass – grob gesehen – drei grundsätzlich verschiedene Gruppierungen existieren: (1.) Die echten Paro- und Endo-Spezialisten mit einem anerkannt hohen Qualitätsniveau, was aber nur durch ein Gemisch von Idealismus und vom Patienten vielfach privat zu leistendem finanziellen Ausgleich erreicht werden kann; (2.) die „Generalisten“, die sich bemühen, die Anforderungen – je nach Wissen und Können – im Rahmen ihrer ökonomischen Möglichkeiten zu erfüllen, und (3.) die Zahnärztinnen und Zahnärzte, denen es an Impulsen zur Anpassung an die Entwicklung fehlt, die (notgedrungen?) die Extraktion einer mühsamen Endo- oder Paro-Behandlung vorziehen, die sie auf Basis der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht für adäquat zu honorieren halten. Allein die KZBV-Statistik zeigt, dass insbesondere der Verhinderung und Therapie der Parodontitis zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird.

Jetzt ist die Szene – zumindest auf der Ebene des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ) – nach dem gemeinsamen AGET-, DGEndo- und VDZE-Kongress in Wiesbaden Mitte November (siehe Seite 9 ff. dieser Ausgabe) – erheblich in Bewegung geraten. Die „Generalisten“ befürchten und wehren sich gegen anscheinend oder nur scheinbar noch höher geschraubte Ansprüche, die von den „Spezialisten“ mehr oder weniger inzwischen als Selbstverständlichkeit angesehen werden: Die Anwendung von Kofferdam, Mikroskop, Endo-Messgeräten und -Mikromotoren – Dinge, die zum Teil erhebliche Investitionen erfordern.

Wenn die DAZ-Mitglieder eine zunächst interne Diskussion entfachen, ist der Weg zu einem Aufstand auf breiterer Basis nicht weit. Und da erhebt sich die Frage, ob es auch nur annähernd eine vernünftige Lösung für die unübersehbar vorhandenen Probleme in der Praxis gibt. Ist es die neue Gesundheitspolitik der Einsicht, dass eine optimale Leistung auch entsprechend honoriert werden muss? – Das scheint angesichts der Querelen in der Koalition und der gesetzlichen Kassen und privaten Versicherer, die sich hier schon in Position bringen mit dem einzigen Ziel, Kostensteigerungen unbedingt zu vermeiden, derzeit eher unwahrscheinlich.

Ist es die nicht jedem gegebene Möglichkeit, vom betroffenen Patienten einen Ausgleich für den nötigen Mehraufwand zu verlangen? Manche Patienten können sich das nötige „Mehr“ einfach nicht leisten, daran wird auch das von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) derzeit favorisierte Festschuss-Modell nichts ändern.

Oder soll man einfach „zur Tagesordnung“ übergehen und beim jetzigen Status quo verbleiben? Letzteres wäre im Interesse einer guten ZahnMedizin und der ja entsprechend durch den ZahnArzt zu versorgenden Patienten die schlechteste Lösung.

Aus meiner Sicht sind die Bundeszahnärztekammer, die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und die KZBV herausgefordert, ja verpflichtet, sowohl der „Politik“ als auch der Öffentlichkeit klar zu machen, dass die Anpassung der Arbeitspraxis an den Stand von Wissenschaft und Technik nicht dem „Generalisten“ alleine und ohne entsprechenden wirtschaftlichen Ausgleich aufgebürdet werden darf. Er muss sich schon genug mit den Kosten für den (unbezahlten) Infektionsschutz herumschlagen. Aber das ist ein weiteres Thema, das in aller Klarheit und Offenheit zu diskutieren ist.

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