schwer kontrollierbarer Zahnarzt gegen stets auf Kontrolle erpichten Zahnarztgattin

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auf diesen Satz lässt sich der Artikel aus der Stuttgarter Zeitung über die FDP zusammenfassen:

Lange hatte Ulrich Noll (63) mit sich gerungen. Sollte er bei der Landtagswahl 2011 noch einmal antreten, ermuntert von vielen Unterstützern und in der vagen Hoffnung, vielleicht (Sozial-)Minister zu werden? Oder wollte er es nach seinem Höhenflug und dem jähen Absturz als Vorsitzender der Landtags-FDP im vorigen Sommer gut sein lassen mit der Landespolitik, in die er ohnehin erst als Spätberufener gefunden hatte?

Pünktlich zum Dreikönigsparteitag der Südwest-Liberalen traf Noll seine Entscheidung: nein, er werde 2011 nicht erneut kandidieren. Seiner Parteichefin Birgit Homburger, für die er eine – nun ja: begrenzte – Wertschätzung empfindet, teilte er das nicht etwa persönlich mit, sondern per Deutscher Presse-Agentur. Und auch seine Begründung war nicht dazu angetan, Homburger zu erfreuen. “Menschlich enttäuscht” sei er über die Art und Weise, wie er hinterrücks um sein Amt gebracht wurde.

Auch inhaltlich sehe er für sich “nur noch wenig Gestaltungsmöglichkeiten”, zumal in der Bildungspolitik, wo die FDP-Führung Reformen verhindere. Die Landesvorsitzende bekundete säuerlich Verständnis für den Rückzug, wies die Kritik aber deutlich zurück: Für seine Vorstellungen einer sechsjährigen Grundschule, so Homburger, habe Noll in Partei oder Fraktion nie eine Mehrheit gehabt.

Der FDP fehlen Kandidaten

Vielleicht zum letzten Mal durchkreuzte der schwer kontrollierbare Zahnarzt aus Aichtal damit das Kalkül der stets auf Kontrolle erpichten Zahnarztgattin aus Hilzingen. Über Personalien sollte beim Landesparteitag an diesem Dienstag, der traditionell der Kundgebung im Staatstheater vorausgeht, eigentlich nicht gesprochen werden. Hauptthema soll dort das in jahrelangen Beratungen erarbeitete, nicht eben aufregende Grundsatzprogramm sein. Nolls Abgang lenkt den Blick aber nun doch auf die Aufstellung der Südwest-Liberalen für die nächste Landtagswahl – und damit auf eine Blöße.

Während bei der CDU demnächst Stefan Mappus (43) als zweitjüngster Ministerpräsident des Landes den Dienst antritt, geht die FDP mit zwei Ministern ins Rennen, die in der nächsten Legislaturperiode das Rentenalter erreichen: der Spitzenkandidat Ulrich Goll (Justiz) wird im Frühjahr 60, Ernst Pfister (Wirtschaft) bereits 63 Jahre alt. Beide machen zudem keinen Hehl daraus, dass sie auch ein Leben ohne Politik durchaus lebenswert fänden.Mögliche Nachfolger in den Startlöchern?

Debatten darüber, wie lange Goll und Pfister – weiteres Mitregieren vorausgesetzt – noch Minister bleiben, versucht Homburger zwar zu unterbinden, aber intern sprechen führende Liberale bereits von einer “Periode des Wechsels”. Ob und wie man das dem Wähler sagen soll, scheint den Strategen noch ein gewisses Kopfzerbrechen zu bereiten. Für Pfister, immerhin, stünde Ersatz bereit: Nolls Nachfolger als Fraktionschef, Hans-Ulrich Rülke (48). Seinen Überlegungen, das Wirtschaftsministerium müsse dann aber aufgewertet werden, sprang Homburger gestern demonstrativ bei: In das Ressort gehöre auch die bisher beim Innenministerium angesiedelte Zuständigkeit für den Verkehr.

Ob die CDU die je hergäbe, steht auf einem anderen Blatt. Für Ulrich Goll drängt sich vordergründig kein Erbe auf. Aber in der Partei fällt immer öfter der Name eines Ziehsohnes: Johannes Schmalzl, nach einer steilen Karriere im Justizressort und beim Verfassungsschutz inzwischen Regierungspräsident in Stuttgart. Dieses Amt nutzt der 44-jährige Jurist weidlich zur Selbstdarstellung. “Glücklich und zufrieden” sei er darin, dementiert Schmalzl – ganz Profi – weitergehende Ambitionen. “Derzeit” sei eine Landtagskandidatur für ihn kein Thema. Aber was heißt das schon? Vielleicht, spekulieren Parteifreunde, reize ihn der frei werdende Wahlkreis von Ulrich Noll.

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