der Zahnarzt und die Hells Angels: Beginn einer wundervollen Freundschaft?

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Die Story klingt wie aus einem Groschenroman und ruft schon fast nach einer Verfilmung. Fragt sich nur, wer darf übernehmen? Barbara Salesch oder Lenßen, übernehmen Sie?

Mit Hilfe von „Hells Angels“-Mitgliedern wollte ein 61-jähriger Zahnarzt angeblich einer hohen Geldforderung an einen 53-jährigen Rumänen Nachdruck verleihen. Zwei Rocker, ein 45-jähriger Karosseriebauer und ein nicht identifizierter Mann, soll der Zahnarzt über einen 43-jährigen Model-Agenten gefunden haben. Ein Raubüberfall am 21. August 2009 auf den Rumänen in Reit im Winkl scheiterte allerdings. Drei der Beteiligten, alle aus dem Raum Koblenz, landeten vor dem Landgericht Traunstein. Bis auf den Model-Agenten schweigen bislang alle zu den Verwürfen.

Die Anlage wirft ihnen gemeinschaftlich versuchten besonders schweren Raub und gefährliche Körperverletzung bzw. zusätzlich versuchte besonders schwere räuberische Erpressung vor. Der Prozess wird am 27. Juli fortgesetzt, mit dem Urteil ist erst im Herbst zu rechnen.

Unter strengen Sicherheitsmaßnahmen stand auch der gestrige dritte Verhandlungstag. Allerdings war das Zuhörerinteresse gering. Fast nur Angehörige und Freunde der Angeklagten saßen im Zuhörerbereich, als der Model-Agent Teile der Anklage von Staatsanwalt Volker Ziegler bestätigte. Der 43-Jährige hatte mit einer früheren Firma eine Telefonanlage bei dem Zahnarzt installiert. Nach einigen Jahren Funkstille, als er die ModelAgentur „Agentur Abendstern“ betrieb, habe ihn der 61-Jährige wieder angerufen und ihm von der Sache mit dem 53-Jährigen erzählt. Bei ihm in Rumänien habe er 2,5 bis drei Millionen Euro in Firmenaktien angelegt und sei betrogen worden. Der Mann werde von der Leibgarde des rumänischen Präsidenten bewacht und sei unantastbar. „Der Zahnarzt sprach von einer großen Story, die Rumänien ins Wackeln gebracht hätte, von seinen Schreiben an die Justiz, an diverse Minister in Deutschland und auch an Frau Merkel. Das hat mich schon beeindruckt. Am meisten berührte mich, dass sein Sohn ständig mit dem Tod bedroht werde. Ich war betroffen“, so der Model-Agent.

Der 61-Jährige habe ihn gebeten, ihn mit den größten Medienleuten zusammen zu bringen, „um die rumänische Regierung zu bewegen, sich mit demFall zu befassen“. Zahlreiche Verfahren gegen den 53-Jährigen seien von rumänischen Staatsanwälten wegen Verjährung eingestellt worden. „Er wollte wenigstens 2,5 Millionen Euro zurückbekommen. Ich sollte davon zehn Prozent erhalten“, so der 43-Jährige gestern.

Irgendwie habe er die Geschichte nicht ganz geglaubt, sich aber dennoch darauf eingelassen – auch als Unterstützung für seinen eigenen „Medienfeldzug“ rund um Pädophilie. „Waren Sie bei TV-Sendern und Printmedien?“, wollte Vorsitzender Richter Werner Gruben wissen. Der Angeklagte bejahte entsprechende Gespräche zusammen mit dem Zahnarzt.

Der Agent, der nach eigenen Worten „noch nie im Leben in Reit im Winkl war“, schilderte die Folgeereignisse: Der 61-jährige Mitangeklagte habe erwähnt, der 53-jährige Rumäne habe „Geldwäscheobjekte in Reit im Winkl“ – dort besitzt der bei der Attacke durch Schläge und Reizgas verletzte 53-Jährige eine Pension, die seine Tochter betreibt. Der Zahnarzt benötige dringend Kontakte dorthin – zu Leuten, „die auf rumänische Autos achten“. Der 61-Jährige habe begründet: „Er wolle sehen, ob unter den Besuchern Staatsanwälte aus Rumänien seien, die auf der Korruptionsliste des 53-Jährigen stehen“.

Er selbst habe für die Überwachungsaktion keine Zeit gehabt, betonte der Agent gestern. Er habe sich an einen früheren Mithäftling erinnert und ihm von einem „Eifersuchtsdrama“ in Reit im Winkl erzählt. Der einstige Mitgefangene mietete sich dort ein, fotografierte eifrig und schickte Fotos. Zur Zeit des Überfalls sei er auf Geschäftsreise gewesen, beteuerte der Model-Agent.

In seine gestrigen Ausführungen flocht der 43-Jährige prominente Bekanntschaften ein, zumBeispiel Helmut Kohl, Paris Hilton und Prinz Michael von Anhalt, was Gruben aber nicht beeindruckte: „Das ist mir, ehrlich gesagt, wurscht!“ .“ Der ModelAgent ließ sich kaum beirren, schweifte immer wieder ab in Promikreise. Unter dem Strich bestätigte er viele Einzelpunkte der Anklage. Zu Kontakten mit Personenschützern in Frankfurt stand der Angeklagte. Allerdings sei es dabei nur um Bodyguards für den Zahnarzt gegangen, der Sorgen wegen Leibwächtern des Rumänen gehabt habe. Er selbst habe nie jemand beauftragt mit einem Überfall auf den 53-Jährigen. Was der 61-Jährige getan habe, wisse er nicht.

Die beiden Mitangeklagten machten auch gestern wieder von ihrem Schweigerecht Gebrauch, werden sich jedoch nach Auskunft ihrer Verteidiger zu gegebener Zeit äußern.

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2 Responses to “der Zahnarzt und die Hells Angels: Beginn einer wundervollen Freundschaft?”

  1. just me Says:

    Na, wurden ja alle frei gesprochen und für die Haft entschädigt; da sieht man mal wieder was Medien Leute teils vernichten; siehe Kachelmann…

  2. Wer ruft an Says:

    Die Anrufer wollen nur ein Ja hören um es später als Zustimmung ein zu setzen, einfach nie das Wort egal in welchem Zusammenhang erwähnen.

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