Patient belügt Zahnarzt: Und der Doktor wartet weiter auf sein Geld

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Einen Gerichtstermin zu «schwänzen», bewahrt vor Strafe nicht. Das erfuhr nun ein 55 Jahre alter Oberurseler. Der Mann sollte sich in Bad Homburg wegen Betrugs verantworten. Doch er erschien nicht zum angesetzten Termin. Für den bereits vorbestraften Mann gab es nun einen Strafbefehl von 1200 Euro, der sich aus 120 Tagessätzen zu je 10 Euro errechnet.

Da auch der zum Termin geladene Zeuge zunächst nicht auftauchte, erhielt dieser eine Ordnungsstrafe von 150 Euro, ersatzweise drei Tage Haft. Aber der Zahnarzt hatte Glück. Als er 30 Minuten später eintraf und eine glaubwürdige Entschuldigung für seine Verspätung vorbrachte, erließ Richter Jürgen Feuerherdt dem Mann das zuvor verhängte Ordnungsgeld.

Schmerzgeplagt

Der Zahnarzt hatte im Gegensatz zum Angeklagten ein großes Interesse daran, dass in dem Fall Recht gesprochen wird. Denn er hat noch Geld von dem 55-jährigen zu bekommen. Der Oberurseler hatte nämlich – schmerzgeplagt – im Jahr 2007 den Zahnarzt in der Brunnenstadt aufgesucht, für die umfangreiche Behandlung dann aber nichts gezahlt. Viel Zeit und Mühe hatte der Dentist damals offenbar aufgewendet. Und mit insgesamt 11 000 Euro geht es um eine erhebliche Summe.

Aus den Gerichtsakten ging hervor, dass der Angeklagte den Zahnarzt schon zu Beginn angeschwindelt hatte und vorgab, Privatpatient zu sein. Später musste er diese unwahre Behauptung korrigieren. Die umfangreiche Zahnbehandlung nutzte der Angeklagte laut Anklage darüber hinaus zum eigenen Vorteil. Er ließ sich nämlich von der Krankenkasse einen Vorschuss in vierstelliger Höhe auszahlen, den er aber für sich behielt.

Dass der Mann schon zu Beginn der Behandlung über wenig Geld verfügte, war offensichtlich. Denn er hatte zuvor schon eine eidesstattliche Versicherung (Offenbarungseid) ablegen müssen. Dies hat er seinem Zahnarzt aber verschwiegen, der davon ausging, einen solventen Patienten zu behandeln. Die Justiz sah deswegen im Verhalten des 55-Jährigen eine vorsätzliche Betrugstat.

Von den drei Jahre zurückliegenden Behandlungskosten hat der Zahnarzt bisher keinen Cent erhalten. Ob dieser Umstand mit dafür ursächlich ist, dass auch der Zahnarzt inzwischen Insolvenz anmelden musste, wurde im Gericht nicht erläutert.

Die jetzt verhängte Strafe, gegen die der Verurteilte Rechtsmittel einlegen kann, ändert an seiner Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Zahnarzt nichts. Diese Schulden bleiben über einige Jahre bestehen.

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