„Haben die Kinder dort Spielzeug ?“

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Was für Tiere leben in Togo? Womit spielen die Kinder dort? Was essen die Menschen? Und gibt es auch einen Zahnarzt? Viele Fragen hatten die Mädchen und Jungen des Neerstedter Kindergartens „Unterm Regenbogen“ gestern an Ursula Jastrow. Die 86-jährige Oldenburgerin hatte zuvor über ihre Hilfsprojekte im afrikanischen Togo berichtet und stellte anschließend begeistert fest: „So interessierte Zuhörer hatte ich selten.“

Der Besuch von Jastrow, die seit vielen Jahren von der evangelischen Kirchengemeinde Dötlingen bei ihrer Arbeit für Afrika unterstützt wird, unter anderen durch Erlöse aus Festen und Basaren, hatte einen speziellen Grund. „Denn auch wir möchten helfen“, berichtete Kindergartenleiterin Marlies Schweers-Weihe. In der kommenden Woche wollen die Kinder Kekse backen, Adventliches basteln und Weihnachtskarten gestalten, die dann am Sonntag, 12. Dezember, im Anschluss an den um 10 Uhr beginnenden Familiengottesdienst zugunsten des Dorfes Sodo verkauft werden sollen.

Wie es in Sodo aussieht, das zeigte Jastrow den Kindern anhand von Dias. „Ich nehme euch jetzt mal mit auf eine Reise“, kündigte die Seniorin an. „Um in das Dorf zu kommen, fliegen wir zunächst mit dem Flugzeug in die Hauptstadt von Togo. Von dort fahren wir mit dem Auto etwa 120 Kilometer bis nach Sodo.“ Insgesamt 13 Mal hat die ehemalige Studiendirektorin der BBS Wildeshausen diese Reise bereits unternommen – zum ersten Mal vor 20 Jahren und zuletzt im Sommer vergangenen Jahres. „Da habe ich mich dann auch gleich verabschiedet. Ich bin inzwischen zu alt für solche Unternehmungen“, sagt Jas trow, die trotzdem als Mitglied der Gesellschaft der Togo-Freunde Hannover aktiv bleibt, Spenden sammelt und darauf achtet, dass die Gelder den Projekten in Sodo zugute kommen. „Hierfür stehe ich in enger Verbindung mit dem Entwicklungshelfer Koku Klutse, mit dem ich auch vor Ort schon zusammen gearbeitet habe“, berichtet Jas trow.

Anschaulich erklärte sie den Mädchen und Jungen, wie es in einem afrikanischen Dorf aussieht. „Seht mal, die Dächer der Häuser haben keine Ziegel, sondern sind mit Palmenblättern bedeckt.“ Das nächste Foto zeigte eine Frau, die ihr Baby auf den Rücken geschnallt hatte. „Kinderwagen gibt es in Sodo nicht, und auch keinen Supermarkt – könnt ihr euch das vorstellen?“, fragte Jastrow. Heftiges Kopfschütteln in den Reihen. „Aber was essen und trinken die Menschen dort?“, wollten die Kinder wissen. „Sie trinken Wasser, wenn sie Glück haben, und zu essen gibt es zum Beispiel Reis oder Yamswurzeln, die sind wie Kartoffeln“, so die Oldenburgerin, die während ihrer Hilfe für Sodo die dortigen Frauen in Handarbeit, Kochen, Backen und Gartenbau unterrichtete. „Seit ich in Sodo war, gibt es dort sogar Rote Beete. Die gehört nun dazu, obwohl sie am Anfang eigentlich keiner mochte“, erinnert sich Jas trow, die den Einwohnern auch zeigte, wie man Marmelade kocht, eine Schneiderei einrichtete und half, Backöfen zu bauen. „So haben sich neben einer Gartenbaugruppe auch Backgruppen gebildet“, erklärte sie den Kindern, denen sie sogar ein Produkt aus Sodo mitgebracht hatte. „Das hier ist Seife, die im Dorf hergestellt und dann verkauft wird. Ihr könnt euch damit ja mal die Hände waschen.“ Apropros: „Die Kinder in Sodo können das nicht. An ihrer Schule gibt es nicht mal eine Toilette“, berichtete Jastrow, die sowohl Bilder von der Schule, als auch von den Kindergärten im Ort zeigte, die mit Spenden aus Deutschland unterstützt werden. „Könnt ihr euch vorstellen, dass manche Kinder nicht zur Schule gehen, weil sie bei der Feldarbeit helfen müssen oder die Eltern kein Geld für Schulbücher haben?“

Auch Spielzeug hätten die Mädchen und Jungen nicht. „Also, wenn ihr noch Kuscheltiere habt, die ihr nicht mehr benötigt, die Kinder in Sodo würden sich freuen“, sagte Jas trow, die während ihrer Reisen nach Togo nichts abschrecken konnte. Zwei Mal erkrankte die Oldenburgerin bereits an Malaria, und auch Begegnungen mit der Grünen Mamba gab es. „Und gibt es dort Affen?“, fragten die Kinder. „Ja, die habe ich gesehen“, bestätigte die 86-Jährige, die gestern auch einen Häuptlingssitz mitgebracht hatte. „Den habe ich geschenkt bekommen. Das heißt, ich werde in Sodo anerkannt wie ein Häuptling.“ Bevor jedes Kind selbst auf dem Häuptlingssitz Platz nehmen durfte, beantwortete Jastrow noch die Frage von Schweers-Weihe, wobei die Einwohner von Sodo derzeit am dringendsten Hilfe benötigen. „Bei der Wiederaufforstung des Waldes. Diese ist notwendig, damit bei starken Regenfällen nicht das Dorf weggeschwemmt wird.“

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