Nandri, German Dentist: über die Feiertage zum Behandeln nach Indien

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Der Xantener Zahnarzt Manhardt Barthelmie verbringt die Feiertage in Indien. Seit mehreren Jahren engagiert er sich in der Organisation “Ärzte für Indien”´und behandelt bedürftige Kinder und Jugendliche. Neugierde und ein bisschen Lust am Risiko gehören dazu. Die Freude daran, fremde Länder kennenzulernen, auch wenn dort Cholera, Malaria und andere Gefahren drohen. Es ist aber nicht die bloße Abenteuerlust, die Manhardt Barthelmie über die Feiertage 7500 Kilometer weit weg von zu Hause treibt. “Ich fahre wegen der lachenden Augen der Kinder”, sagt der Zahnarzt aus Xanten. Durch Zufall ist Barthelmie vor ein paar Jahren auf das Projekt “Zahnärzte für Indien” der Kindernothilfe gekommen. “Ein alter Freund hatte die Leitung inne, ich schaute mir die Internetseite an und fand es toll.”

So kommt es, dass der 63-Jährige nun schon zum dritten Mal für die Kindernothilfe nach Indien reist. Es sei seine Art, etwas von dem vielen Guten, das ihm widerfahren ist, zurückzugeben. Und Indien – das Land hat ihn, der viel in der Welt herumgekommen ist, schon früher fasziniert. “Modernität und alte Kultur stehen dort nebeneinander.”

Einen Monat lang bleibt Barthelmie in Indien. Ein paar Tage Urlaub mit seiner Frau, dann geht’s in die südindische Stadt Mysore, wo die Kindernothilfe ein neues Projekt eröffnet: eine “Zahnstation” in einem College. Barthelmie soll das dortige Personal einarbeiten. Eine Assistentin aus der Xantener Praxis, Kristina Rotz, fährt mit und wird ihm dabei helfen. Zwar entspreche die Medizin in Indien teils europäischen Standards. “Wie in London”, sagt Barthelmie. “Aber die Zahnärzte wollen Geld verdienen.” Die vielen Mittellosen blieben dabei auf der Strecke, gäbe es keine Hilfsprojekte.

Wie in den Vorjahren wird Barthelmie auch herumreisen. Dafür steht ihm ein “Dentomobil” zur Verfügung; ein Lastwagen, der in eine rollende Zahnarztpraxis umgebaut wurde. Barthelmie besucht katholische Missionskrankenhäuser. “Die katholische Kirche Südindiens ist sehr aktiv”, sagt der Arzt. Nirgendwo in Indien gebe es so viele Christen, wenngleich sie insgesamt eine verschwindende Minderheit bildeten. Auch Weihnachten werde gefeiert – mit indischen Gesängen und Tänzen. Und Weihnachtsschmuck? Kein Problem: “Es gibt dort eine richtige Weihnachtsindustrie.”

In den kirchlichen Heimen und Schulen wird die Geburt Jesu Christi natürlich ebenfalls gefeiert. Die Heime bieten Waisen und Straßenkindern eine Unterkunft, Essen, Schulbildung und ärztliche Behandlung. Viele Kinder und Jugendliche mit Handicaps sind darunter; bis Mitte der 90er Jahre war die Polio verbreitet. Es gibt auch Taubstumme, junge Menschen, die an Folgen der Lepra leiden und solche mit schrecklichen Brandwunden. Vor allem Mädchen könne es passieren, dass sie von zornigen Vätern mit heißem Öl übergossen werden.

Kommt Barthelmie in ein Heim, gibt es zuerst eine halbe Stunde Aufklärung: Wie putzt man die Zähne und warum? Dann verteilt der Xantener Zahncreme und -bürsten, die er vorher in indischen Läden gekauft hat: “Eine Zahnbürste kostet dort umgerechnet fünf Cent.” Schließlich macht er sich an die Untersuchung und Behandlung der Jungen und Mädchen. Ein Dolmetscher steht ihm zur Seite, ein paar Worte in der Landessprache Tamil hat Barthelmie aber eigens gelernt: “Vaaya thera” (Mund öffnen), “Ingepare” (hierher sehen), und am Ende der Behandlung “Mudunchu poche” (alles überstanden, fertig ). Und am Ende ist dem “german dentist”, dem deutschen Zahnarzt, ein “Nandri” (Danke) sicher.

An Privatklinik eingeladen

Diese Kinder begeistern Barthelmie immer wieder. “Deren Neugierde und Charme, Konzentration und meist fehlende Wehleidigkeit machen den Einsatz zu einem Vergnügen, lassen die Schwierigkeiten vergessen.” Rund 1000 Kinder und Jugendliche hat Barthelmie bei seinem Besuch im vergangenen Winter untersucht und 700 behandelt. Doch dabei bleibt es nicht. “Es spricht sich schnell herum, wenn der german dentist – der deutsche Zahnarzt – da ist. Dann kommen auch die Erwachsenen und Alten.” In diesem Jahr wurde Barthelmie zudem an eine Privatklinik in der Stadt Bangalore eingeladen. “Ich soll dort zeigen, wie in Europa implantiert wird.”

Schon jetzt steht für den 63-Jährigen fest: Im nächsten Jahr sieht ihn Indien wieder. So lange er könne, wolle er die Kindernothilfe dort unterstützen. “Ein älterer Kollege hat das bis zu seinem 80. Lebensjahr gemacht. Das hat mir sehr imponiert.”

 

http://www.kindernothilfe.de/Gruppe/Ehrenamt/Aktionsbeispiele/Zahn%C3%A4rzte+f%C3%BCr+Indien.html

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