…wenns erst richtig schmerzt…

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davon berichtet der Autor, der sich nachts bzw. am Wochenende auf die Suche nach einer Notfallpraxis begeben musst und – oh Wunder – gar nicht mal schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Die meisten von uns werden sie kennen: die Angst vor dem Zahnarzt. Laut einer Studie haben über 70% der Deutschen Angst vorm Zahnarzt, 15% gehen aufgrund dessen nicht hin. Erschreckende Zahlen, wenn man bedenkt, wie wichtig ein intaktes Gebiss ist!
Auch ich gehörte lange Zeit zu den genannten 70%! Ich verbummelte absichtlich den einen oder anderen Kontrolltermin, weil die Angst dermaßen stark war. Gott sei Dank habe ich sehr gute Zähne, so dass ich das Ganze jahrelang ohne allzu großen Schaden überstand. Doch in diesem Jahr passierte es.

Ich wachte eines Nachts auf und konnte vor Zahnschmerzen kaum noch geradeaus sehen. Noch nie im Leben hatte ich solche Schmerzen gehabt! Die ganze Nacht lag ich zusammen gerollt auf dem heimischen Sofa und bereitete mich darauf vor, an den Zahnschmerzen zu sterben.
Gleich am nächsten Tag schleppte ich mich zum Zahnarzt. Er war mir von einer Bekannten empfohlen worden, da er sich auf „Angsthasen“ spezialisiert hatte. Mit pochendem Herzen fuhr ich hin und saß wenig später bereits auf dem Behandlungsstuhl. Allein der Geruch, der mich sofort umgab, ließ mich schaudern. Es ist ein ganz unverwechselbarer „Zahnarztgeruch“, den jeder von uns kennt und den die meisten mit unangenehmen Dingen verbinden.

Als der Arzt ins Behandlungszimmer kam, warf er nur einen kurzen Blick auf mich und vertiefte sich dann in meine Akte, in der die Angaben standen, die ich kurz zuvor bei den Sprechstundenhilfen hatte machen müssen. Ich sank tiefer in den Stuhl. Ich mochte den Arzt nicht und wollte nur noch weg.
Zu meiner Erleichterung schickte er mich erst zum Röntgen. Laut des Röntgenbildes sollten die Schmerzen vom vorletzten Zahn in der oberen Reihe kommen.
Als ich wieder auf dem Stuhl saß, verabreichte mir der Arzt wortlos eine Betäubungsspritze, wartete drei Minuten und begann dann den Zahn aufzubohren.

Ich schrie die gesamte Praxis in Grund und Boden. Meine verzweifelten Versuche, dem Arzt zu erklären, dass die Betäubung nicht wirke, prallten auf taube Ohren.
Es waren die schrecklichsten zwanzig Minuten des gesamten Jahres. Schweißnass und tränenüberströmt, die Häme der Sprechstundenhilfen noch im Rücken, schleppte ich mich zurück zum Auto, wo ich erstmal zusammen brach. Nachdem ich mich ausgeheult hatte, tröstete ich mich damit, dass die Tortur nun fürs Erste wenigstens überstanden sei und ich endlich meine Ruhe hatte.

Weit gefehlt.
Ich wachte noch in der gleichen Nacht auf und konnte vor Schmerzen kaum noch aus den Augen gucken. Am nächsten Tag beschloss mein Mann mit mir in die Notfallpraxis zu fahren, denn es war Sonntag, und keiner der herkömmlichen Zahnärzte stand zur Verfügung.
Als ich in die Praxis kam, war mir mittlerweile alles egal. Ich wollte nur, dass diese entsetzlichen Schmerzen aufhörten.
„Oh Gott, Sie sehen ja furchtbar aus!“ war das erste, was ich von der Zahnärztin hörte, als sie mich sah.
An den Rest kann ich mich nur noch schemenhaft erinnern. Sanfte, ruhige Hände, die mich zum Stuhl führen. Beruhigende Worte, als ich weinend meinen Mund öffne. Dann die Erleichterung, als Blut und Eiter aus dem entzündeten Zahn quellen und mir endlich Erleichterung schaffen.

Es stellte sich heraus, dass der angebliche „Angsthasendoktor“ den falschen Zahn bei mir behandelt hatte. Statt den kranken Zahn zu identifizieren, hatte er mir einen völlig gesunden Zahn aufgebohrt. Und noch etwas stellte sich bei der neuen Zahnärztin heraus: Betäubungsmittel brauchen bei mir tatsächlich bis zu drei Mal länger, bis sie anschlagen.
Insgesamt musste ich noch vier Mal auf den Stuhl, denn der Zahn erforderte eine Wurzelbehandlung. Und ob man es glaubt oder nicht: es hat nicht einmal wehgetan! Durch die ruhige und tolle Art meiner Zahnärztin mir zuzuhören und sich meine Sorgen zu Herzen zu nehmen, fielen alle Ängste von mir ab und ich konnte ihr bedingungslos vertrauen. Ich saß stundenlang auf dem Stuhl, ließ mir von ihr Nadeln in die Zahnkanäle stecken und bohren, bohren, bohren.

Jetzt, vor einer Woche, kam die schriftliche Erinnerung an die halbjährliche Kontrolluntersuchung. Und was soll ich sagen?
Ich freue mich darauf, meine Zahnärztin wiederzusehen. Denn ich weiß, dass ich bei ihr in den besten Händen bin!

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