Ohne Biss bis ins neue Jahr ?

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Es passierte unglücklicherweise an Heiligabend. Zu einem Zeitpunkt, zu dem in diesem Jahr in Wildeshausen kein Zahnarzt geöffnet hatte, brach bei Heinz Jüchter in der Kreisstadt die Prothese. Seitdem suchte die ganze Familie händeringend nach einem Labor, das die Prothese wieder kleben könnte. Erst gestern Mittag gab es Entwarnung – mit viel Glück.

„Wir haben gleich am Freitag versucht, einen Notdienst zu erreichen, aber es hat niemand abgenommen“, erzählt Brigitta Jüchter. Also hätten sie und ihr Mann sich entschieden, einen Tag zu warten und es dann bei der in der Zeitung angegebenen Notdienstpraxis Carsten Hansen an der Bahnhofstraße zu versuchen. „Der Doktor konnte uns jedoch nicht helfen, weil er kein Labor hat“, so Brigitta Jüchter. „Er hat noch versucht, jemanden zu finden, aber er hatte keinen Erfolg.“

Für Heinz Jüchter war die Situation misslich. Beißen konnte er über die Feststage nicht. Also gab es nur Brei aus Gemüse und Kartoffeln. Für einen Diabetiker, der regelmäßig essen muss, um den Blutzuckerspiegel zu halten, keine gute Lösung.

Also versuchte seine Frau weiter, einen Arzt an die Strippe zu bekommen. In Wildeshausen offenbar ein hoffnungsloses Unterfangen. Bei der behandelnden Arztpraxis Rinne/Sturm lief nur der Anrufbeantworter. Alle anderen Ärzte verwiesen ebenfalls auf Vertretungsärzte. Das war gestern Stephan Riesenbeck am Marschweg. Aber auch der konnte nicht weiterhelfen, weil er kein Labor hat. Der Notfalldienst, so die Auskunft, könnte ohnehin nur in Anspruch genommen werden, wenn es sich um einen Schmerzpatienten handele. Das sei bei einer gebrochenen Prothese jedoch nicht der Fall.

In ihrer Not wandte sich Brigitta Jüchter an unsere Zeitung. Die Redaktion versuchte nun, über die Krankenkassen einen Ansprechpartner zu finden. Während bei der DAK kein Anschluss herzustellen war, wollte die Servicestelle der AOK gerne weiterhelfen. „Wir verweisen normalerweise auf die Notdienste“, erklärte die Mitarbeiterin. „Wenn die kein Labor haben, sieht es natürlich schlecht aus.“ In diesem Falle könne man dann nur auf die Kassenärztliche Vereinigung in Oldenburg verweisen.

Interessanterweise ergab ein Anruf unter der angegebenen Nummer, dass die Verwaltungsstelle dort seit zehn Jahren nicht mehr ansässig ist. Immerhin stellte die Praxis Dr. Manken in Oldenburg in Aussicht, die Prothese reparieren zu können, denn die richtige Verwaltungsstelle in Oldenburg war gestern ebenfalls telefonisch nicht zu erreichen. Es lief ein Band, weil die Praxis bis Neujahr geschlossen ist. Eine ähnliche Ansage erhält der gebisslose Patient auch bei der Zahnärztekammer Nidersachsen, Kreisstelle Oldenburg-Land, die den zahnärztlichen Notdienst organisiert.

„Wir wissen jetzt nicht mehr weiter. Soll das heißen, dass mein Mann nun bis Neujahr ohne Gebiss herumlaufen muss?“, empörte sich Brigitta Jüchter, denn auch bei einer Delmenhorster Zahnarztpraxis mit Labor, die im Internet mit „Wir sind auch im Notfall für Sie da“ wirbt, lief das bekannte Band: „Geöffnet erst wieder im Januar 2011.“

Die Rettung kam dann über den mittlerweile nicht mehr praktizierenen Zahnarzt, der Heinz Jüchter damals die Prothese angepasst hatte. Er rief bei seinem Praxisnachfolger Heiner Rinne an und der erklärte sich bereit, die Prothese zu reparieren.

„Ich bin überglücklich“, so Brigitta Jüchter. „Da haben wir noch mal richtig Glück gehabt.“

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