Fragebogen zur Mundhygiene erregt Ärger

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Statistiken sind nicht nur interpretierbar, sie können auch empören. Und das bereits bei ihrer Erhebung. So ging es einem Weimarer Vater mit einer Befragung durch das Gesundheitsamt.Weimar.  In der Landenbergerschule sagte sich diese Woche die Jugendzahnärztin an und gab den Kindern neben Pflegetipps einen Fragebogen zur Mundhygiene mit auf den Weg. Dieser erkundigt sich aber nicht nur nach Zahnputz-Gewohnheiten, sondern ebenso nach Schulbildung und Erwerbstätigkeit der Eltern. Das empfindet der Vater einer zwölfjährigen Schülerin als diskriminierend: “Soll etwa bewiesen werden, dass Kinder von Hartz-IV-Empfängern und weniger gebildeten Eltern schlechtere Zähne haben?” An Diskriminierung habe das Gesundheitsamt keineswegs gedacht, als es die Fragebögen ausgab, betont Weimars Amtsärztin Dr. Enikö Bán. Die Stadt sei zudem nur Mittler. Ihren Ursprung hat die Befragung an der Uni Jena und in Daten der Weltgesundheits-Organisation. Demnach seien Defizite der zahnärztlichen Betreuung bei Menschen mit Behinderungen größer als bei anderen. Die Forscher untersuchen nun, ob dies auch für die Region zutrifft. Schließlich gilt seit 2009 in Deutschland die UN-Behinderten-Konvention, die gleiche Teilhabe garantiert. Der Fragebogen basiere auf Standard-Kriterien der WHO. Sowohl die Ethikkommission der Jenaer Uni-Klinik als auch das Schulamt, freie Schulträger und Weimars Sozialdezernentin genehmigten ihn. Dass darin auch Fragen nach Bildung und Beruf der Eltern auftauchen, sei dem Brandenburger Sozialindex geschuldet. Dieses Analyseverfahren untersucht Gesundheits-Daten im Zusammenhang mit sozialer Ungleichheit. Weimars Amtsärztin betont aber, dass diese Punkte im Fragebogen nicht zwingend beantwortet werden müssen. Ohnehin sei die Teilnahme an der Befragung freiwillig. Die Eltern seien vorab schriftlich informiert worden. Die Auswertung erfolge zudem anonymisiert. Ein Problem, mit dem Thema offen umzugehen, hat der Weimarer Vater nicht. Ihm wäre eine namentliche Befragung sogar lieber. “Es kann doch am besten konkret geholfen werden, wenn bekannt ist, wer welche Probleme hat.” Er selbst hat einzig ein Problem damit, dass im Fragebogen die Zahngesundheit mit dem sozialen Status vermengt werde. Ob die Daten der Weimarer Familie ins Bild der Forscher passen, ist unklar. Die zwölfjährige Tochter jedenfalls, die mit einer leichten geistigen Behinderung lebt, hat perfekte Zähne. Und ihre Eltern sind obwohl beide arbeiten zusätzlich auf Hartz IV angewiesen.
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