wo Hitlers Zahnarzt einsaß

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Zur Nazi-Prominenz gehört Hugo Blaschke, der mit selbst gebastelten Instrumenten die Mitgefangenen behandelt. Als Zahnarzt Hitlers spielt er eine wichtige Rolle bei dessen Identifizierung – in Oberursel hat er das Gebiss des „Führers“ in Gips nachgebildet und gezeichnet.

Hitlers Zahnarzt im Käfig

Schicksale und Verstrickungen: Der Oberurseler Heimatforscher Manfred Kopp kennt die komplizierte Geschichte des ehemaligen Militärgeländes Camp King wie kein Zweiter.

Hitlers Finanzminister Hjalmar Schacht.

Hitlers Finanzminister Hjalmar Schacht.
Foto: Bundesarchiv/wikipedia
Hitlers Finanzminister Hjalmar Schacht.

Hitlers Finanzminister Hjalmar Schacht.
Foto: Bundesarchiv/wikipedia

Mit Wing Commander Harry Day fängt alles an. Der Brite ist der erste Flieger, der nach seinem Absturz in das Durchgangslager Luft nach Oberursel gebracht wird. Mit seiner Ankunft beginnt im Oktober 1939 die Aufklärungsarbeit der deutschen Luftwaffe – in dem nationalsozialistischen Vorzeigeprojekt „Reichssiedlungshof“ ist unwiderruflich der Krieg angekommen.

Für die kommenden drei Jahrzehnte sollte das Oberurseler Lager in den Händen von Soldaten und Geheimdienstlern bleiben: Eine Geschichte, reich an menschlichen Schicksalen und internationalen Verstrickungen. Heimatforscher Manfred Kopp kennt die komplizierte Camp King-Historie wie kein Zweiter, hat Aufsätze dazu veröffentlicht und führt Gruppen durch das einst abgeschottete und heute weitgehend bebaute Areal.

Camp King

Charles B. King, 1944 in der Normandie gefallen, wurde zum Namensgeber des Lagers im Oberurseler Norden. Nach Kopp „ein herausragendes Lernfeld“, das internationale Politik-und lokale Alltagsgeschichte vereint. Zuerst als Reichssiedlungshof geplant, wurde es ab 1939 als Durchgangslager für ausländische Kriegsgefangene genutzt.
Nach Kriegsende diente Camp King als Internierungslager und Sitz des US-Geheimdienstes. Von 1968 bis 1993 war hier der Verkehrsführungsstab für Westeuropa untergebracht.
Manfred Kopp, 1933 in Frankfurt geboren, lebt in Oberursel und erforscht die Stadtgeschichte. Der ehemalige Landesjugendpfarrer verantwortet seit 2005 das Projekt „Erinnerungsort der Zeitgeschichte: Das Gelände Camp King 1933 – 1993“. 2008 wurde ihm der Saalburgpreis verliehen. ov

Stets interessieren ihn die Menschen, die zwischen die Mahlsteine der Politik geraten sind, die alltäglichen Begebenheiten hinter den strategischen Planungen und irrationalen Winkelzügen. Von einem strikten Schwarz-weiß-Denken will der Saalburgpreisträger nichts wissen – „wichtig sind die Grauwerte“. Folgerichtig handelte sein jüngster Vortragsabend in seiner Forschungszentrale im Rosengärtchen 37 von neun Lebensläufen.

Das Leben im Lager

Über die Lebensbedingungen im Lager berichtet der US-Pilot Jacob E. Smart, dessen „Fliegende Festung“ im Mai 1944 abgeschossen wurde. Untergebracht wird der Gefangene in einem schmalen Raum, das Mobiliar besteht aus einem Tisch und einer Pritsche mit Strohmatratze. Während der Verhöre durch deutsche Luftwaffenoffiziere herrscht ein kollegiales Klima – es kommt weder zu „Misshandlung oder gar Folter“.

SS oder Gestapo hatten hier nie das Sagen. Aufseiten der Deutschen arbeitet Albert Nagel, ein studierter Minnesangexperte mit hervorragenden Englischkenntnissen. Weil er bei den Leibesvisitationen aus Shakespeare-Dramen rezitiert, bleibt er vielen Inhaftierten unvergessen. Bis zum Kriegsende werden 40 000 Flieger in Oberursel festgehalten und ausgefragt.

Vor sechs Jahren hat Manfred Kopp mit den Recherchen begonnen – ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. 2005 bekam er noch wichtige Informationen von zwölf Zeitzeugen. Am 1. April feiert der oft befragte Franz Gajdosch, einst Barkeeper im Camp King, den 90. Geburtstag.

1945 übernehmen US-Militärs das Kommando und beschlagnahmen auch angrenzende Gebäude und Einrichtungen. Aus den mobilen Aufklärungseinheiten wird das European Military Intelligence Center. Bevor er nach Nürnberg überstellt wird, landet zum Beispiel der ehemalige Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht in Camp King. Er kommt von der Außenstelle Schloss Kransberg und beklagt sich in seinen Memoiren über den Oberurseler „Käfig“: „Es war die scheußlichste Unterkunft, die ich je in meinen Gefängnissen gehabt habe.“

weiter zum kompletten Artikel in der Frankfurter Rundschau

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