Vier Jahre Haft für Chefarzt nach Klinikskandal

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Monatelang entnahm er Menschen gesunde Organe, verwendete Zitronensaft als Desinfektionsmittel und ordnete ohne Anlass eine Chemotherapie an. „Sehr geehrte Damen und Herren von der Staatsanwaltschaft! Ich bitte Sie inständig, dem Treiben des Dr. Pier in der St.-Antonius-Klinik in Wegberg ein Ende zu setzen!“, formulierte Ende 2006 ein anonymer Mitarbeiter in einer Anzeige. Der Schreiber berichtete von vermehrten Todesfällen, überflüssigen Operationen und fehlenden Medikamenten, von groben medizinischen Fehlern und fahrlässigen Behandlungsmethoden. Grausame Bedingungen brachte der Verfasser in der rheinischen Klinik zum Vorschein. Der Verdacht fiel sofort auf den neuen Eigentümer, seit dessen Übernahme sich die Vorfälle im Krankenhaus schlagartig vermehrt hatten.

Jetzt wurde Arnold Pier, ehemaliger Chefarzt und Geschäftsführer jener Klinik, zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht Mönchengladbach sprach den Angeklagten gestern gleich in mehreren Punkten schuldig: Körperverletzung mit Todesfolge, fahrlässige Tötung, schwere Körperverletzung und fahrlässige Körperverletzung. Neben der Haftstrafe verhängten die Richter ein vierjähriges Berufsverbot gegen den Mediziner. Außerdem muss der 54-Jährige 30.000 Euro an Hinterbliebene zahlen.

Einer der größten Krankenhausskandale der Bundesrepublik ging somit am Montag zu Ende. Eine ganze Karriere ebenso. Nach Angaben des Gerichts handelte es sich um das umfangreichste Verfahren im Fall einer Arzthaftung in der deutschen Geschichte. Der Prozess in Mönchengladbach erstreckte sich insgesamt über rund 40 Verhandlungstage.

Der Arzt Arnold Pier hatte Patienten ohne Not operiert und zum Teil tödliche Behandlungsfehler begangen. Er „habe Organe entfernt, die nicht hätten entfernt werden müssen“, sagte der Vorsitzende Richter Lothar Beckers.

Chemotherapie – ohne Grund

Eine Patientin starb nach Angaben des Gerichtssprechers nach einer Nierenentnahme, eine andere nach einer unnötigen Entfernung des Blinddarms. Eine Patientin behielt ein steifes Knie zurück, einem weiteren Patienten wurde ein fehlerhafter Darmausgang gelegt.

Das Gericht hob den Fall eines Mannes hervor, der sich den Daumen abgesägt hatte. Anstatt ihn zwingend an einen Spezialisten, einen Handchirurgen, zu überweisen, hatte Pier ohne mikrochirurgische Ausrüstung und Kenntnisse einfach die Daumenhaut äußerlich angenäht. Ein Gutachter hatte diese Methode als „Warten auf ein Wunder“ beschrieben. Der Daumen war abgestorben und hatte amputiert werden müssen: „Weshalb er geglaubt hat, den Finger so wieder annähen zu können, ist nicht begreiflich“, sagte Richter Beckers.

Die Behandlung einer Patientin habe Pier trotz Heilungschancen auf eigene Faust abgebrochen – die Frau sei deswegen gestorben. Eine andere Patientin habe er ohne Not einer Chemotherapie unterzogen. Wunden hat der nun verurteilte Arzt mit Zitronensaft anstatt mit isotonischer Kochsalzlösung ausgespült. Ein Pfleger wollte damals wissen warum. Weil man das in Peru immer so mache, soll Pier daraufhin geantwortet haben. weiter

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