Mogelpackung bei Zahnspangen

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von Elisabeth Rizzi – Wer eine Zusatzversicherung für Zahnspangenbehandlung abschliesst, kann eine böse Überraschung erleben. Denn oft ist die Deckung tiefer, als ahnungslose Kunden glauben. Zahnspangenbehandlungen können ein Haushaltsbudget auf den Kopf stellen. Denn sie veranschlagen schnell mehr als10 000Franken. Viele Eltern schliessen deshalb eine Zusatzversicherung für mögliche Zahn- und Kieferfehlstellungen ihrer Kinder ab. Diese kostet bis rund 60 Franken monatlich für Kinder bis 18 Jahre.

Gartenhag und Headgear

Als wäre die Kindheit auf dem Pausenplatz nicht schon genug hart, vermiest eine Zahnspange im Mund fast jedes noch so hübsche Gesicht. Beim Monoblock kann man wenigstens noch cool mit dem farbigen Plättli am Gaumen rumspielen, wer jedoch einen Gartenhag montiert bekommt, hat für einige Jahre Pech gehabt. Doch mit etwas Abstand lässt sich zum Glück darüber lachen.
Bei Helsana besitzt ein Drittel aller Versicherten den Zusatz Dentaplus. Bei der ÖKK haben zwei Drittel eine Dental-Zusatzversicherung abgeschlossen. Bei Visana haben gar 80 Prozent der Grundversicherten eine oder zwei Zusatzversicherungen, in denen Zahnbehandlungen gedeckt sind.

Grosse Unterschiede bei der Deckung

Die Anbieter geben in ihren Verträgen an, zwischen 50 und 80 Prozent der anfallenden Kosten zu übernehmen. Doch es ist ein Irrglaube, dass eine Zusatzversicherung den im Vertrag angegebenen Kostenanteil tatsächlich deckt. Die Spanne der gedeckten Kosten ist in der Versicherungslandschaft riesig. Das zeigt eine in der Schweizerischen Monatsschrift für Zahnmedizin publizierte Studie.

Das Problem: Von den 24 untersuchten Krankenkassen rechnen 38,8 Prozent der 85 möglichen Zusatzversicherungen bloss den Suva-Taxpunktwert von 3.10 Franken. ab. Tatsächlich können die Zahnärzte aber mit einem Tapunktwert von maximal 5.80 Franken arbeiten. Das bedeutet, dass die entsprechenden Versicherer bloss durchschnittlich 54,1 Prozent des Rechnungsbetragsvergüten. Mit Ausnahme von sieben Versicherungen besteht zudem eine jährliche Kostenübernahmelimite oder eine Limite für die Gesamtkosten.

Das alles steht selbstverständlich in den jeweiligen Vertragsbedingungen. Wer allerdings das Kleingedruckte nicht akribisch studiert, fällt auf die Nase. So hat die Zeitschrift «Bon à Savoir» nun errechnet, dass angesichts aller Beschränkungsmöglichkeiten im schlimmsten Fall bloss 26,7 Prozent statt 50 Prozent der Behandlungskosten vergütet werden.

Wirrwar bei Angeboten

Allerdings ist das Wirrwarr auch bei den Versicherungsangeboten gross. Die im Test als schwarzes Schaf deklarierte Swica wehrt sich entsprechend: «Es wurde bloss unser Angebot Completa Top in den Vergleich aufgenommen», so Sprecherin Gaby Szöllösy. Hier übernimmt die Kasse nur für Kinder und nur zum Taxpunktwert von 3.10 Franken die Hälfte der Kosten für Kieferorthopädische Behandlungen bis10 000Franken. Daneben bietet die Versicherung aber auch die spezielle Zahnzusatzversicherung Denta an. Diese deckt laut Szöllösy zusätzlich zur Completa Top 75 Prozent der Behandlungskosten zu jedem Taxpunktwert bis 4000 Franken.

Der Angebotsdschungel ist auch bei anderen Versicherungen gross. «Es gibt ausser dem Taxpunktwert noch weitere Einschränkungen wie etwa Karenzfristen nach Abschluss einer Versicherung oder Begrenzungen der Versicherungsleistung mit einem fixen jährlichen Frankenbetrag», warnt Felix Adank, Sprecher des Zahnärzteverbandes SSO. Aus diesem Grund empfiehlt der Verband auch, die Offerten vor Abschluss einer Zusatzversicherung gründlich zu prüfen. Laut Adank sollten Eltern Kinder ab dem zweiten Altersjahr für eine Zahnzusatzversicherung anzumelden.

Gleich klingt es bei der Schweizerischen Stiftung Patientenschutz (SPO). «Vor allem wenn in der Familie Zahnfehlstellungen verbreitet sind, sollten Eltern sich schnell mit dem Thema befassen und Offerten einholen», rät SPO-Präsidentin Margrit Kessler. Daneben sei es aber auch in der Selbstverantwortung der Eltern, einen familienfreundlichen Zahnarzt zu suchen, der mit dem Suva-Tarif arbeitet. «Man muss das zwar bezahlen. Aber es ist durchaus möglich, sich bei verschiedenen Zahnärzten Offerten einzuholen», sagt sie.

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