Lieber zum Zahnarzt als zur Bank

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Die Deutschen gehen lieber zum Zahnarzt als zu ihrem Bankberater. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt der Fondsbranchenverband BVI in einer repräsentativen Umfrage unter 1000 Befragten, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa durchführte. 88 Prozent der Befragten vereinbaren demnach regelmäßig, also mindestens einmal im Jahr einen Termin beim Zahnarzt, doch nur 11 Prozent bei ihrem Bank- oder Finanzberater.

Während dieser Befund in den Bereich des Anekdotischen abgetan werden könnte, sind andere Erkenntnisse beunruhigender: Nur 11 Prozent der Befragten halten es für wichtig, ihre Geldanlage zu verstehen. Den restlichen 89 Prozent kommt es nicht so sehr darauf an, nachzuvollziehen, in welche Produkten ihr Erspartes angelegt ist. Diese Einstellung birgt Risiken, weil Anleger dann unter Umständen nicht einschätzen können, wie sich ihre Geldanlagen in Krisensituationen verhalten. Immerhin haben nur 20 Prozent der Befragten schlechte Erfahrungen mit Finanzgeschäften gemacht.

61 Prozent der Befragten gaben an, Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch seien geeignet, um für das Alter vorzusorgen. In der Altersgruppe der jüngeren Menschen zwischen 18 und 29 Jahren gaben sogar 80 Prozent an, mit diesen Sparformen ließe sich gut fürs Alter vorsorgen. Doch nur rund ein Viertel der Jüngeren halten die betriebliche Altersvorsorge, Fondssparpläne oder Kapitallebensversicherung für geeignet.

„Ich habe in Finanzinstitute kein Vertrauen“

Auch bei der Zusammenstellung der Geldanlage tun sich enorme Wissenslücken auf: So sagten 48 Prozent der Befragten, Sicherheit sei ihnen bei der Geldanlage am wichtigsten. Doch das einfachste Mittel dazu, nämlich die Risikostreuung, halten nur 6 Prozent für wichtig. Gleichzeitig ist der Ertrag einer Geldanlage ebenfalls nur für 6 Prozent der Befragten von Bedeutung. Dies stellt die verbreitete Ansicht in Frage, wonach Finanzprodukte in Deutschland nur über ein hohes Renditeversprechen zu verkaufen seien.

Die mangelnde Beschäftigung mit dem Thema Geld führt dazu, dass die Deutschen zu wenig, falsch oder mit ungeeigneten Instrumenten ihre Sparziele verfolgen. Immerhin 90 Prozent der Befragten halten es für immer wichtiger, sich selbst um die Altersvorsorge zu kümmern. Knapp die Hälfte von ihnen behauptete, sich einmal im Monat oder häufiger mit dem Thema Sparen und Geldanlage zu befassen. Wichtigster Grund, warum die Deutschen sich nicht mehr mit ihrem Geld beschäftigten: „Es macht mir keinen Spaß“, gaben 43 Prozent der Befragten zu. Weitere Gründe: „Ich habe in Finanzinstitute kein Vertrauen“ (40 Prozent), „ich bin stark verunsichert, was ich tun soll“ (37 Prozent), und „ich verstehe nicht die Infomaterialien der Finanzinstitute“, sagten ebenfalls 37 Prozent.

Immerhin sehen sich die Deutschen nach dieser Umfrage selbst in der Pflicht, sich zu informieren. 87 Prozent der Befragten gaben an, jeder sei selbst für unzureichendes Finanzwissen verantwortlich. Diese Meinung vertraten 89 Prozent der Männer und 85 Prozent der Frauen. 59 Prozent sahen die Ursache in der Tatsache, dass man in Deutschland über Geld nicht gern spricht.

Mehr Finanzinformationen an Schulen

Die Ergebnisse der BVI-Umfrage decken sich mit denen anderer Studien. So haben rund 60 Prozent der erwerbstätigen Deutschen im Zusammenhang mit der Altersvorsorge noch nie vom Drei-Säulen-Modell gehört. Dies war das Fazit einer repräsentativen Befragung von 1000 erwerbstätigen Personen im Alter von 18 bis 55 Jahren, die der amerikanische Vermögensverwalter Fidelity in Auftrag gegeben hatte. Damit fehlen ihnen grundlegende Kenntnisse über die Altersvorsorge, da die drei Säulen aus der gesetzlichen, der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge bestehen. Eine von Axa Investment Managers in Auftrag gegebene Umfrage kam zum Ergebnis, dass sich 66 Prozent der Deutschen wünschen, die Schulen sollten mehr Finanzinformationen vermitteln.

Der BVI sieht sich aufgrund dieser Ergebnisse darin bestätigt, verstärkt produktunabhängiges Finanzwissen in der Bevölkerung und in Schulen zu verbreiten. Für die Informationskampagne „Investmentfonds, nur für alle“ stelle die Fondsbranche ein Budget von 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Damit steht der Fondsbranchenverband nicht allein. Viele Akteure aus der Finanzbranche, etwa der Versicherungskonzern Allianz, betreiben Kampagnen, in denen sie verschiedene Zielgruppen über Geldanlage und Zusammenhänge im Finanzgeschehen informieren wollen.

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