20. Zahnärztetag in Rostock-Warnemünde eröffnet – Mundgesundheit hat sich verbessert

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Mundgesundheit der Kinder und Jugendlichen hat sich deutlich verbessert –  „Wir können mit Stolz darauf verweisen, dass sich die Mundgesundheit der Kinder und Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern seit der Wende deutlich verbessert hat“, sagt der Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Dietmar Oesterreich, anlässlich der Eröffnung des 20. Zahnärztetages in Rostock-Warnemünde.

Lag der „DMF T-Wert“ (das Maß für erkrankte, fehlende und gefüllte Zähne) 1995 bei den 6- bis 7-Jährigen noch bei 4, so beträgt er heute nur noch 2,26. „Damit verzeichnen wir bei dieser Altersgruppe einen Kariesrückgang um 43,5 Prozent im Vergleich zu Ergebnissen im Jahre 1995. Bei den 12-jährigen Jugendlichen ist die Kariesreduktion um 72 Prozent im gleichen Zeitraum noch sehr viel deutlicher“, freut sich der Zahnarzt.

Der Präsident warnt vor einer Polarisierung des Erkrankungsrisikos, also der Verteilung der Krankheitslast einseitig zu Lasten von Bevölkerungsgruppen mit niedriger Bildung und in sozial schwierigen Lebenslagen. „Die Polarisierung beobachten wir über alle Bevölkerungsgruppen hinweg. Insofern ist es in diesem Jahr im Rahmen unserer Fortbildungsveranstaltung ein besonderes Anliegen, den Blick auf die weitere Verbesserung der Mundgesundheit der Kinder und Jugendlichen zu richten“, so Dr. Oesterreich. „Bei allen beschriebenen Verbesserungen müssen wir leider feststellen, dass es auch gegenläufige Trends gibt. So ist die frühkindliche Karies, die besonders bei Kleinkindern in Familien in sozial schwierigen Lebenslagen auftritt, für uns eine besondere Herausforderung.“

„Das aktuelle Gutachten zur Mundgesundheit in Deutschland zeigt, dass Karies in Mecklenburg-Vorpommern in den letzten Jahren um ca. 75 Prozent (bleibende Zähne von Jugendlichen) bzw. 60 Prozent (Milchgebiss, Einschüler) gesunken ist“, bekräftigt der Wissenschaftliche Leiter des diesjährigen Zahnärztetages, Prof. Christian Splieth. Der Professor für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde der Universität Greifswald bestätigt, dass Karies inzwischen eine soziale Erkrankung geworden sei und es im Milchgebiss deutliche Präventions- und Versorgungsprobleme gäbe. Daher werde die Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern bzw. Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege mit Unterstützung der Universität Greifswald zwei Initiativen starten, um Prävention und Versorgung zu stärken: Zum einen die Prävention von frühkindlicher Karies (0 bis 3 Jahre) durch die optimierte Verteilung des zahnärztlichen Kinderpasses, regelmäßige Untersuchung bereits der Kleinkinder bei niedergelassenen Zahnärzten, Qualifizierungsinitiativen zur frühkindlichen Kariesprävention und aufsuchende Betreuung im Rahmen der Gruppenprophylaxe. Zum anderen nennt er die Verbesserung des Sanierungsgrades bei kariösen Milchzähnen durch Ausbau der zahnärztlichen Versorgung von Kindergartenkindern.

Auch das Thema Kindesmisshandlung rückt immer mehr in den Fokus der Zahnmediziner: „Aus verschiedenen Veranstaltungen gemeinsam mit der Ärzteschaft wissen wir, dass die Zahnärzte einen  besonderen Informationsbedarf haben, da über 80 Prozent der Verletzungen bei Misshandlungen von Kindern im Kiefer-Gesichtsbereich zu beobachten sind“, so Dr. Oesterreich.

Für die Leiterin des Rechtsmedizinischen Instituts der Universität Greifswald, Prof. Britta Bockholdt, steht fest: „Die Kindesmisshandlung und die Kindesvernachlässigung sind eine medizinisch bedeutsame und gesellschaftlich sehr relevante Problematik. Die Kinder sind nun einmal vom Schutz der Erwachsenen abhängig. Die Konfrontation mit Gewalt gegen Kinder und/oder Kindesvernachlässigung ist ein emotional sehr belastendes Thema.“

Aus allen wissenschaftlichen Untersuchungen gehe hervor, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt. Die Erkennbarkeit sei häufig sehr schwierig, Vernachlässigung beispielsweise verlaufe eher schleichend und sei häufig schwer zu fassen. Eine ganz besondere Chance, diese Dunkelziffer aufzudecken, hätten Mediziner und Zahnmediziner, so die Expertin.

„Der Zahnarzt hat die einzigartige Möglichkeit, Vernachlässigung und Verletzungen am Gebiss, aber auch an den Lippen festzustellen, hat aber auch die Möglichkeit, Pflegefehler frühzeitig zu erkennen. Zudem hat er meistens ein langjähriges Vertrauensverhältnis über Generationen und  kann unter guten Bedingungen eine gezielte Dokumentation anfertigen. Nicht zuletzt kann er die Problematik ansprechen und Empfehlungen geben“, betont Prof. Bockholdt.  „Um diese besondere Stellung zum Schutz der Kinder zu nutzen, benötigen die Zahnärzte wie alle anderen Mediziner auch fundierte Kenntnisse zur Erkennbarkeit von Verletzungen, zum Beispiel zur Differenzierung von Sturz- oder Schlagverletzungen. Dazu gehören aber auch ganz einfache Kenntnisse über Verletzungsmechanismen oder  Wundmorphologie aber auch Fragen der Schweigepflicht und/oder der Dokumentationspflicht“, so die Greifswalderin.

Dr. Oesterreich erinnert an die Gründung der Zahnärztekammer vor 20 Jahren: „Die wichtigste Aufgabenstellung in der damaligen Zeit bestand darin, die eigene Kollegenschaft bei dem Aufbau ihrer freiberuflichen Niederlassung zu unterstützen. Mit den damals geltenden rahmenrechtlichen Bedingungen nach der Wiedervereinigung konstituierte sich am 29. Mai 1991 auf landesrechtlicher Grundlage die erste ordentliche Kammerversammlung der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern. In Kooperation mit den neu geschaffenen Strukturen der Landesregierung, vornehmlich mit dem Ministerium für Gesundheit und Soziales unter dem damaligen Minister, Herrn Dr. Klaus Gollert, gelang es, die zahnärztliche Versorgung in unserem Bundesland innerhalb kürzester Zeit und ohne wesentliche Hürden auf eine neue Grundlage zu stellen. Auch an dieser Stelle möchte ich allen Verantwortlichen und vornehmlich dem damaligen Minister Dank sagen für die pragmatische und unkomplizierte Zusammenarbeit, die von einem besonderen gegenseitigen Vertrauen geprägt war. Danken möchte ich aber auch am heutigen Tag allen Zahnärztinnen und Zahnärzten, die den Mut hatten, in noch unsicherer Zeit und mit hoher Risikobereitschaft ihre Praxen auf neue Fundamente zu stellen“, so der Präsident abschließend.

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