Zahnarzt empfohlen im Döhrener Folter-Fall

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Die Situation eskalierte bei einem gemeinsamen Videoabend kurz nach Weihnachten. Angeblich soll sein Freund einen Eimer mit Urin umgestoßen haben, der neben dem Sofa gestanden habe. „Ich war außer mir, habe ihm ein paar Ohrfeigen gegeben“, räumt der Angeklagte vor der Zwölften Strafkammer des Landgerichts ein.

Am dritten Verhandlungstag im Prozess um die Misshandlung eines behinderten Paares hat der Angeklagte einen Teil der Vorwürfe eingeräumt – und weitere bestritten. Die Staatsanwaltschaft wirft Andreas S. und seiner Verlobten Regina K. räuberische Erpressung, erpresserischen Menschenraub und gefährliche Körperverletzung vor. Eine Woche lang sollen die „Gastgeber“ den körperbehinderten Mann und dessen Frau, die das Downsyndrom hat, vom 26. Dezember 2010 bis zum 4. Januar 2011 in ihrer Wohnung in der Landwehrstraße (Döhren) gefangen gehalten haben. Dabei soll S. den behinderten Mann vielfach gegen den Kopf getreten und geschlagen haben, sodass dieser lebensbedrohliche Verletzungen erlitt.

Auch Demütigungen sollen eine Rolle gespielt haben; in der Anklage steht, mitunter habe S. auf sein Opfer uriniert. Das bestritt der Angeklagte am Montag aber. Auch habe er von den Besuchern nicht 500 Euro erpresst, wie ihm zur Last gelegt wird. S. sagt, sein Opfer habe ihm freiwillig zunächst 200 Euro angeboten, weil er die Besucher zuvor öfter eingeladen habe. Weitere 300 Euro habe der Besucher aus Stadthagen ihm geschuldet, weil dessen Frau seinen Fernseher beschädigt habe.

Die Situation sei auch deshalb eskaliert, weil er unter starkem Alkoholeinfluss stand. Die Schläge hätten ihm dann aber leid getan. Deshalb will er dem Verletzten auch einen Zahnarzt empfohlen haben. Als die Polizei die Opfer fand – der Mann hatte einen Hilferuf über SMS absetzen können – war allerdings ein Notarzt vonnöten.

Unter anderem hatte der 59-Jährige einen Augenhöhlen- und Kieferbruch und Hirnblutungen sowie Rippenbrüche erlitten.

Die Opfer, die am Montag ebenfalls aussagten, wirkten noch immer verängstigt. Immer wieder habe ihn der Bekannte malträtiert. „Innerlich hatte ich abgeschlossen“, sagte der 59-Jährige. Zu mehr, als die erlösende SMS zu schreiben, sei er nicht mehr in der Lage gewesen. Die Paare kennen sich schon länger. So wusste der Zeuge zu berichten, dass S. massive Alkoholprobleme hat. Im Rausch sei dieser immer wieder aggressiv geworden und habe „Spaß daran gehabt, Leute zu erniedrigen“.

Allerdings soll seine Verlobte den Angeklagten zu den Taten angestachelt haben. Laut Staatsanwalt hatte auch sie den 59-Jährigen geschlagen.

Andreas S. ist derzeit in einer Psychiatrie untergebracht. Zur Frage nach seiner Schuldfähigkeit soll demnächst ein Sachverständiger gehört werden. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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