Zahnärzte klagen gegen Heino

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Zahnärztekammer nimmt Lübecker Billiganbieter erneut ins Visier . Betroffener Kaufmann bleibt stur: „Diesmal knicke ich nicht ein.“

Er gilt seit langem als das „Enfant terrible“ der Branche. Jetzt bekommt er die nächste Quittung. Die Zahnärztekammer Schleswig-Holstein hat beim Landgericht Klage gegen das Zahnzentrum Lübeck (ZZL) von Heino Merten eingereicht – es ist binnen Jahresfrist bereits der dritte Gang vor Gericht. Der Berufsverband klagt unter andrem, weil Mertens „Arbeitsgesellschaft bezahlbarer Zahnersatz“ Preisvergleiche von Zahnärzten im Internet anbietet. Es geht auch um die Frage, ob Merten den eng gesteckten Rahmen von zahntechnischen Leistungen einhält oder bereits im Aufgabenbereich von Zahnmedizinern „wildert“. Merten selbst spricht davon, lediglich im Interesse des Patientenwohls zu handeln. Und er erhebt seinerseits Vorwürfe gegen Mitbewerber.

Zuletzt war Merten vor einem Jahr verklagt worden. Er hatte eine Medizinerin als Beraterin in seinem Labor angestellt. „In einem gewerblich geführten Unternehmen verboten“, erklärte die Zahnärztekammer in Kiel. Vor Gericht kam es zu einem Vergleich der Parteien. Das Zahnzentrum dürfe weiter Zahnärzte einstellen und Preisvergleiche für Zahnersatz anbieten, frohlockt der Lübecker Kaufmann. Im Gegenzug verpflichtete sich Merten aber, die Preise von zahnmedizinischen Leistungen nicht mehr öffentlich zu vergleichen. „Daran halte ich mich einfach nicht“, sagt Merten jetzt frech. Um das Verbot zu umgehen, hat er den Sitz seiner „Arbeitsgemeinschaft bezahlbarer Zahnersatz“ (AgbZ) in die Schweiz verlegt. „Diesmal werde ich nicht einknicken“, sagt er.

Die Zahnärztekammer klagt auf Unterlassung. Man stoße sich unter anderem daran, dass Merten in Anzeigen den Eindruck erwecke, zahnärztliche Leistungen anzubieten, sagt Kammersprecher Joachim Hüttmann. Konkreter wolle man sich während eines laufenden Verfahrens nicht äußern. Andreas Buschmann, Zahnarzt in Lübeck und Inhaber des Praxisdentallabors Dentinatorium, erklärte auf Anfrage, dass im Zivil-, Handwerks- und Kammerrecht eindeutige Schutzvorschriften für Patienten bestünden. Sie schützen sie vor Übervorteilung mit unseriösen Rabattangeboten minderer asiatischer Qualität und fingierten Internetbewertungen und stellten die freie Arztwahl sicher. Die Irreführung kranker Menschen mit marktschreierischen Rabattschlachten Unberufener sehe das Sozialgesetzbuch „zum Schutz der Gesundheit der Patienten wirklich nicht vor“.

Merten selbst sieht sich als „Robin Hood“ der Branche. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen Mitbewerber. „Die halten mit ihren Preisen hinterm Berg, die sie zuvor beim Bierchen abgesprochen haben“, sagt er. So kämen bei Zahnärzten Preisspannen von 290 bis 600 Euro für ein computergefertigtes Keramik-Inlay, von 1400 bis 3000 Euro (abzüglich Kassenzuschuss) für ein Implantat zustande. Wegen solcher Äußerungen werde er von 16 ihm namentlich bekannten Zahnärzten in Lübeck „bekämpft“. Merten spricht sogar offen von Mauscheleien zwischen Dentallabors und Zahnärzten. „Solch streng verbotene Vorteilsnahmen fallen mangels Kontrollen aber nicht auf“, behauptet er.

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung widerspricht. „Solchen Betrug lassen wir nicht zu. Wenn wir davon erfahren würden, machten wir den Laden dicht“, sagt Vorstandsvorsitzender Peter Kriett. In der Zahntechniker-Innung Nord ist Merten nicht mehr Mitglied. Im Zahnärzteblatt der Kammer hieß es nach dem Gerichtsvergleich über das Lübecker Labor: „Wenn in unzulässiger Weise geworben wird, muss erneut zur Jagd im Sherwood Forest geblasen werden.“

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