11.11. : Beim Zahnarzt hat es gefunkt

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Bei einer Prophylaxe-Behandlung in der Kölner Praxis von Zahnärztin Dr. Sultan Akcicek sah Haksun Gülcicek seine Zukünftige das erste Mal. Und es hat trotz der Umstände gefunkt. Der Immobilienmanager kam wieder, und es traf sich gut, dass die Zahnmedizinerin mit dem herzlichen Lachen gerade eine Wohnung suchte. „Dann haben wir uns privat getroffen“, erzählt Gülcicek. Jetzt wird geheiratet, op Kölsch: Am 11.11.2011 geben sie sich im Karnevalsmuseum als eines von sieben Paaren – das einzige mit türkischen Wurzeln – das Jawort.

„Als Kind war ich immer gern Cowboy, ein Revolverheld“, verrät Gülcicek. Seine Zukünftige tritt vielleicht als Pippi Langstrumpf vor den Standesbeamten. „Mal sehen, wir überlegen noch, ob wir uns verkleiden“, meint Sultan Akcicek (35). Jedenfalls stehen beide hinter dem Sessionsmotto: „Jedem Jeck sing Pappnas.“

Der heute 36-Jährige kam als Baby mit seiner Familie aus der Türkei ins Rheinland. Der Geschäftsmann lebte und arbeitete unter anderem in Paris, Sidney, New York und Istanbul. In der Vox-Sendung „Mieten-Kaufen-Wohnen“ beweist er sein Verkaufstalent vor der Kamera. „Zu Hause fühle ich mich in Köln.“ Auch die gebürtige Hamburger Deern, Tochter türkischer Einwanderer, ist ganz jeck auf Köln, seit sie „den Kulturschock Karneval überwunden hat. Hier ist die Atmosphäre so offen, multikulturell wie wir“, sagt die 35-Jährige.

Aller guten Dinge sind drei: Schon im Mai wurde nach türkischer Tradition „mit 1000 Gästen drei Tage lang groß Hochzeit gefeiert“, so das Paar. Und während der Hochzeitsreise nach Mexiko festigte ein Schamane den Bund der Ehe mit einem Ritus nach Maya-Art. „Egal, wo und wie man heiratet, im Kern geht es doch immer um dasselbe: Dass man sich liebt und miteinander eine Familie gründen will.“

In seiner Freizeit trainiert der Makler bei der Sportvereinigung Porz die erste Fußballmannschaft. „Am liebsten eine ganze Fußballmannschaft Kinder, und noch welche für die Ersatzbank“, wünscht sich der Manager. Die selbständige Zahnärztin hofft mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf „auf zwei oder drei“.

Ihre Geschichte klingt wie ein Musterbeispiel der Integration. Doch spüren die zwei, „dass es hier noch nicht den Melting Pot gibt wie in den USA, es gibt noch viele Klischees. In der Türkei werden wir als Deutschländer betrachtet, hier als Ausländer. Jedenfalls muss man sich immer noch erklären, wenn man auf die Frage nach der Nationalität mit ,Deutscher antwortet.“

Die aufgeschlossenen alevitischen Familien des Paares jedenfalls haben ihre Kinder immer gefördert. Mit Erfolg. Dr. Sultan Akcicek führt nach dem Studium in Hamburg und der Assistenzzeit in Bremen nun die Praxis „Dr. Z“ am Hohenzollernring. Sie ist überzeugt: „Gute Bildung ist das Wichtigste. Und Toleranz.“ Etwas jeck sein kann dabei nicht schaden. „Wer weiß“, fragt sich Gülcicek, „vielleicht werde ich noch Karnevalsprinz?!“

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