Nie wieder Zahnstein

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Hoho, die Frankfurter Rundschau befasst sich mit dem Zähneputzen:Elektrische Zahnbürste oder lieber per Hand schrubben? Nur zwei Minuten kurz schrubben oder doch länger? Unser Autor schwört auf beide Varianten, nur im Badezimmer hält er es dabei nicht lange aus.

        

Früh übt sich: Mediziner raten aber, dass Eltern  beim Zähneputzen  trotzdem helfen sollten.

Früh übt sich: Mediziner raten aber, dass Eltern beim Zähneputzen trotzdem helfen sollten.

Es war wohl der Moment, als die Giftschlange urplötzlich aus einer Klappe im Fußboden des Cockpits auftauchte. Samuel L. Jackson in der Rolle des kühnen FBI-Agenten Neville Flynn schreckte zurück – und ich auch. Nur bei mir waren die Folgen ungleich schmerzhafter. Denn Jackson erledigte in „Snakes on a plane“ die Killerschlangen ohne Schaden. Ich dagegen, da ich Zähne putzend vor der Mattscheibe saß, rammte mir die Bürste so abrupt und heftig in den Rachen, dass dort eine Wunde klaffte, die erst nach Wochen und dank einer Tinktur heilte.

So muss es ja kommen, könnte Nachbars Lieschen jetzt sagen. So wie der sich die Zähne putzt. Dabei nehme mir lediglich etwas Zeit. Schließlich geht es um die Gesundheit der 32 porzellanähnlichen Gebilde im Mund. Leider haben wir Menschen keine Zähne wie Haie oder Nagetiere im Mund, die nachwachsen. Dafür können wir putzen.

Putzen und Pflegen der Zähne nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch, ist aber problemlos zu bewältigen – und das fast überall. Solange eine andere Beschäftigung nicht beide Hände fordert, muss nicht nur über dem Waschbecken geschrubbt werden. Wer möchte auch gerne länger als zwei Minuten in derart gebeugter Haltung verharren? Auch beim Aufräumen, Lesen oder Fernsehen lassen sich Zähne (laaaaange) reinigen – mit dem bereits erwähnten Risiko.

Knirschschienen
Zungenbürsten
Sesamöl
Bleichen
Kinder

Knirschschienen sind unattraktiv, aber sinnvoll. Und das nicht nur bei Menschen, die des Nachts ihre Kieferhälften aufeinander mahlen. Durch eine Schiene wird der Verschleiß der Zähne reduziert. Auch HipHopper Thomas D trägt angeblich eine solche.

Zungenbürsten sehen lustig aus. Die regelmäßige Anwendung verspricht eine Reduzierung der Bakterien im Mund – und ist somit auch zur Bekämpfung von Mundgeruch nützlich. Obacht beim Reinigen: weiter hinten im Schlund setzt oft der Würgereiz ein.

Sesamöl eignet sich gut, um gegen Bakterien im Mundraum vorzugehen. Morgens, vor dem Frühstück, einen Esslöffel davon in den Mund, etwa eine Minute tüchtig gurgeln, ausspucken, und ein angenehmer Geschmack ist garantiert.

Das häusliche Bleichen der Zähne kann durchaus Wirkung zeigen, birgt aber auch Gefahren. Die Zähne werden mitunter temporär empfindlicher, das Zahnfleisch gereizt. Bei Löcher kann dass Mittel den Nerv angreifen.

Zähneputzen mit Kindern ist anstrengend, aber lohnt sich. Stolze Eltern berichten davon, ihr Nachwuchs könne bereits alleine die Beißer reinigen. Doch das nachträgliche oder gar vollständige Putzen der Eltern ist nicht nur bei Kleinkindern sinnvoll. Manche Zahnärzte sagen, dass erst Kinder, die flüssig Schreibschrift beherrschen, in der Lage sind, sich selbst die Zähne adäquat zu putzen. Wer mit dem Schrubben das Vorlesen oder erzählen einer Geschichte verbindet und daraus ein Ritual macht, kann auch Putzscheue locken.

Nur zwei Minuten kurz schrubben reicht einfach nicht. Wenigstens vier Minuten sind nach meinem Dafürhalten erforderlich. Das sind zum Beispiel zwei Durchgänge mit einer oszillierenden, elektrischen Zahnbürste. Also für jedes Kieferviertel à acht Zähne gerade mal eine Minute. Und diese müssen ja nicht nur von oben gewienert werden. Da sind 60 Sekunden schnell vorbei. Ob mit einer Elektrischen oder per Hand spielt angeblich keine Rolle. Stiftung Warentest verweist darauf, dass Plaque-Messungen in einer Zahnklinik keine Unterschiede herausgefunden haben. Sicherheitshalber benutze ich deshalb abends beide Varianten.

Auch über die Wirksamkeit der Pasten lässt sich philosophieren. Unter meinem Waschbecken stehen derzeit sieben Tuben (eine etwa für morgens, eine für abends, eine gegen empfindliche Zahnhälse, eine mit Meersalz, eine mit besonders viel Fluorid sowie eine mit fünf Kräutern und Bicarbonat – die macht beim Putzen sogar die Nase frei).

Löcher unter Inlays

Dabei sind auf diese Weise nicht einmal die leidigen Zahnzwischenräume berücksichtigt worden. In einem US-amerikanischen TV-Sender hörte ich jüngst einen „Arzt“ sagen, wer Zahnseide verwendet, lebe im Schnitt drei Jahre länger als „Nichtzahnseidler“. Wegen fehlender Entzündungen etwa, mit denen der Körper sonst zu kämpfen habe. Denn es geht ja nicht (nur) darum, mit diesem Faden Essensreste zu entfernen, sondern die Flächen von Plaque zu befreien, an die die Bürste nicht kommt – und sind ist etwa 40 Prozent der Zahnflächen.

Wer die Seide nicht mag, der sollte Zahnband ausprobieren – oder meiner Ansicht nach noch besser: Zahnfloss mit aufquellenden Fasern. Einfach den Faden solange zwischen den Zähnen hin und her führen, bis es quietscht. Streichhölzer oder Zahnstocher sind zwar ganz nett, doch kommt man damit nur schlecht zwischen die hinteren Zähne. Da ist die sogenannte Interdentalbürste, also eine Mini-Ausgabe für Dazwischen, sinnvoller, vor allem bei üppigen Zwischenräumen. Danach noch eine Mundspülung hinterher, die die durch die Zahnzwischenräume fegt und im Idealfall so scharf ist, dass der anschließende Atem in den Augen brennt.

Da selbst intensives und akribisches Putzen nicht immer ausreicht, lasse ich meine Technik zweimal im Jahr durch Profis kontrollieren: durch die Reinigung beim Zahnarzt. Die ist zwar nicht ganz billig, doch vor allem Tee- oder Rotwein-Verfärbungen lassen sich so ebenso wie festsitzender Zahnstein entfernen.

Erwacht ist das verstärkte Interesse für meine Zähne durch einen Urlaub vor etlichen Jahren. Mein Zahnarzt befand sich in eben diesem, und konnte sich ergo nicht um eine von einem fiesen Gummibären gezogenes Inlay kümmern. Der Blick eines alternativ zur Rate gezogenen Arztes brachte es an den Tag: Löcher unter den Inlays. Ein weiterer Kollege bestätigte und sanierte diese anschließend in langwierigen und kostenintensiven Prozeduren. Seitdem bin ich geläutert. Und Löcher gab es auch keine mehr.

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