Zürichs Zahnärzte fürchten die Konkurrenz der Grosspraxen

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In Zürich werden weitere Zahnarztzentren eröffnet, auch die Migros ist in den Startlöchern. Etablierte Zahnärzte sehen den Ruf ihrer Branche in Gefahr. Drei Stockwerke belegt die neue Filiale von Zahnarztzentrum.ch beim Bahnhof Stadelhofen. Damit ist die grösste Kette ihrer Art in der Schweiz an 14 Standorten präsent, 2 davon sind in Zürich. Im Februar öffnet beim Marktplatz Oerlikon bereits das nächste Zentrum. Für eine weitere geplante Grosspraxis bei der Sihlporte fehlt die Baubewilligung. Rund um den Stadelhofen existieren bereits zahlreiche Zahnarztpraxen – trotzdem sehen die Betreiber Bedarf für ihre neue Praxis mit 14 Behandlungsräumen. «Das Angebot einer Profi-Grosspraxis, die an 365 Tagen im Jahr und wochentags bis 21 Uhr geöffnet ist, hat gefehlt», sagt Co-Geschäftsführer Christoph Hürlimann. Mit seiner Frau Sara hat der Finanzexperte das Unternehmen im Jahr 2003 gegründet. Die studierte Zahnärztin führt die Firma gemeinsam mit ihrem Mann.

Die Zahl der Zahnarztzentren hat stark zugenommen: Im gleichen Jahr wie die Hürlimanns lancierten Haleh und Golnar Abivardi ihre Grosspraxis Swiss Smile im Shop-Ville. Die beiden Schwestern haben mittlerweile an fünf Standorten Praxen errichtet. Und der Trend zu Zahnarztzentren hält an. In den Startlöchern ist mit Cheeze eine Kette, die sich auf die ästhetische Zahnmedizin spezialisiert hat. Kürzlich hat die Firma ihr erstes Geschäft in Biel eröffnet. In den nächsten zwei Jahren sollen in der Schweiz zwanzig weitere Cheeze-Filialen folgen. Geschäftsführer Jacques Hefti glaubt, dass sich die Zahnästhetik als eigenes Geschäftsfeld etablieren wird und Grosspraxen künftig Einzelpraxen ersetzen werden. Auch in Zürich will Hefti eine Filiale eröffnen, er sucht noch nach einem geeigneten Lokal.

Warnung vor Rabatt-Aktionen

Die Migros, die vor knapp einem Jahr die Mehrheit des Gesundheitsdienstleisters Medbase übernahm, könnte ebenfalls eigene Dentalhygienezentren bauen. Die Migros will sich dazu nicht äussern. Viele etablierte Zahnärzte mit Einzelpraxen betrachten mit Argwohn, dass sich Grosspraxen immer stärker ausbreiten. «Der Eintritt dieser Akteure in den Mikrokosmos der Schweizer Zahnmedizin zwingt uns, die Funktionsweise unserer Praxen neu zu definieren», schrieb kürzlich Etienne Barras in der «Schweizer Monatszeitschrift für Zahnmedizin». Nebst Behandlungen auf hohem Niveau müsse man auch einen Service anbieten, der den Erwartungen der Patienten entspreche. Im Branchenblatt der Zahnärzte schrieb darauf Beat Wäckerle, dass bei den ständig zurückgehenden Praxisauslastungen die Versuchung gross sei, mit Rabatt-Aktionen zu werben. Durch diese «Art von geiz ist geil» bleibe das Ansehen der Branche auf der Strecke, warnte Wäckerle.

Weil Zahnarztzentren damit werben, rund um die Uhr im Notfall da zu sein, hat die Schweizerische Zahnärztegesellschaft (SSO) reagiert und Flyer mit der gleichen Botschaft verteilt. Auch die SSO-Zahnärzte würden 365 Tage im Jahr Notfalldienste leisten, sagt Roger Naef, Präsident der Zürcher SSO-Sektion. Das Ehepaar Hürlimann plant derweil bereits eine Expansion ins Ausland: Im nächsten Jahr eröffnet es eine Filiale in Stockholm. (Tages-Anzeiger)

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