Ein Zahnarzt für 70.000 Ghanaer

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Der Lemgoer Dr. Günther König nimmt neue Praxis in Dodi Papase in Betrieb
 Langsam wird es Zeit für Dr. Günther König, die Koffer zu packen. In wenigen Tagen fliegt der Lemgoer Zahnarzt nach Dodi Papase in Ghana. Dort behandelt er zusammen mit der Blomberger Zahnärztin Anna Sehrbrock und zwei Helferinnen vier Wochen lang Patienten in einer neuen Zahnklinik.

“In der Region leben an die 70.000 Menschen ohne Zahnarzt”, berichtet König. Deshalb kam dem Lemgoer vor ein paar Jahren die Idee, eine Zahnklinik an das bereits bestehende medizinische Behandlungszentrum, das ein Projekt von Rotary International ist, anzuschließen. “Die Räume waren frei, wurden renoviert und Anfang Januar startet dann der Betrieb”, erzählt König, der das Projekt zusammen mit seinem Lemgoer Kollegen Dr. Ulrich Zibelius organisiert hat.

König wird der erste Zahnarzt sein, der die neuen Geräte in der Zahnklinik ausprobiert. “Ich teste sie vier Wochen lang, danach findet die ärztliche Betreuung durch freiwillige Rotary-Ärzte statt”, erläutert König.

Aber dem 65-Jährigen steht auch noch eine andere Aufgabe bevor. “Wir haben genug Behandlungsmaterial für ein halbes Jahr, aber ich werde in Ghana nach Firmen suchen, die uns beliefern können”, sagt er. Dafür muss sich König in den vier Wochen in die ghanaische Hauptstadt Accra aufmachen – knapp 300 Kilometer von Dodi Papase entfernt. “In der Hauptstadt bekommt man fast alles. Doch sobald man außerhalb ist, gibt es nichts mehr”, weiß König.

So habe man in Dodi Papase erst seit einem Jahr Handyempfang. Einen Festnetzanschluss gebe es nicht. Auch regelmäßiger Strom ist laut König nicht normal. Deshalb verfügt die Klinik auch über mehrere Generatoren, die im Notfall einspringen. Solche Generatoren wird es in der Unterkunft von Günther König allerdings nicht geben. “Wir haben zwar einen Fernseher, aber wenn kein Strom da ist, müssen wir uns anders beschäftigen”, sagt König locker. Dann vertreibe er sich die Zeit mit Kartenspielen oder er setze sich mit seinen Kollegen zusammen. “Wir wohnen zusammen auf engstem Raum. Da lernt man sich kennen”, weiß er.

Dass der 65-Jährige mitten in der Trockenzeit nach Ghana fliegt, stört ihn nicht. Immerhin herrschen dort Temperaturen um die 36 Grad, bei einer Luftfeuchtigkeit von 65 Prozent. “Man braucht ein paar Tage, um sich an die Temperaturen zu gewöhnen. Es läuft dann alles etwas langsamer. Ohne Klimaanlage geht gar nichts”, erzählt König, der die Zahnklinik in Dodi Papase als sein humanitäres Lebenswerk bezeichnet. Und ans Aufhören denkt der 65-Jährige noch lange nicht: “Wo andere in den Ruhestand gehen, fange ich erst an.”

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