Arzt zog Mädchen falschen Zahn: Die Versicherung windet sich

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Für eine Zahnregulierung wurde einer zehnjährigen Innviertlerin ein Zahn gezogen. Aus Versehen allerdings ein völlig falscher. Ein Implantat kann erst in Jahren eingesetzt werden. Laut Gutachten ergeben sich 4000 Euro Schmerzensgeld. Die Versicherung des Arztes will vorerst aber nur 700 Euro zahlen.

Wegen einer Fehlstellung sollte ein Zahn gezogen werden, um anschließend eine Zahnspange anzubringen. Dem Zahnarzt passierte aber offensichtlich ein Irrtum. Statt des Zahnes „vier rechts unten“ habe er den Zahn „vier rechts oben“ gezogen. Der Fehler war zwar rasch bemerkt – ein Versuch, den Zahn wieder zu implantieren, scheiterte jedoch.

Die Zahnlücke mittels künstlichem Implantat zu schließen, ist erst ab dem Alter von rund 18 Jahren sinnvoll, da der Kieferbereich bis dahin wächst. „Man wird die Zahnlücke natürlich sehen. Für Mädchen ist das sehr unangenehm, vor allem in der Pubertät“, sagt der renommierte Braunauer Rechtsanwalt Karl Robert Hiebl, der die junge Innviertlerin und ihre Eltern vertritt.

Scheibenweise nachbessern?

„Die Versicherung des Zahnarztes musste zwar die grundsätzliche Haftung des Arztes gemäß einem Gutachten anerkennen. Die Versicherung will das Mädchen aber vorerst mit einem Schmerzensgeld von 700 Euro abfertigen“, so Hiebl. Sinngemäß meine die Versicherung, man könne im Nachhinein scheibchenweise nachbessern. „Dies würde bedeuten, dass das Mädchen erst im Nachhinein möglicherweise Schmerzensgeld bekommt.“

Dabei habe ein Sachverständiger in einem außergerichtlichen Gutachten bereits eine Globalbemessung – auch für die wahrscheinlichen, voraussehbaren, künftigen Schmerzen vorgenommen: Ein mit 18 Jahren eingesetztes Implantat sei aus heutiger Sicht alle weiteren 15 Jahre zu ersetzen. Daraus würde sich ein voraussichtliches Schmerzensgeld von zumindest 4000 Euro ergeben, so Hiebl.

Ein Fall für das Gericht

„Das Kind ist verstört und hat Albträume und panische Angst vor möglichen weiteren Behandlungen bei einem Zahnarzt.“ Auch einem Zahnarzt könne ein Fehler unterlaufen, so Hiebl. „Ich finde es aber nicht in Ordnung, dass sich die Versicherung bislang weigert, ein angemessenes Schmerzensgeld für die bisher erlittenen und künftig zu erwartenden Schmerzen zu zahlen.“ Da es bisher nicht zu einer Einigung kam, wird jetzt vor Gericht verhandelt.

Tipp bei Behandlungsfehler

Bei Behandlungsfehlern empfiehlt der Braunauer Anwalt Karl Robert Hiebl generell, zum Schutz der Kinder zumindest Anspüche bei der Versicherung geltend zu machen und die möglichen Ansprüche der Kinder auf 30 Jahre im Rahmen eines gerichtlichen Feststellungsbegehrens bei Gericht abzusichern.

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